Raiffeisen
«Kompetent und krisenerprobt»: Experten sind von Guy Lachappelle überzeugt

Von der Auswahl des Verwaltungsratspräsidenten bei Raiffeisen Schweiz zeigen sich Experten teilweise überrascht.

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Sitzt bald auf einem Stuhl in St. Gallen anstatt in Basel: BKB-CEO Guy Lachappelle.
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Lachappelle wurde von der Raiffeisen zum neuen Verwaltungsratpräsidenten nominiert. (Guy Lachappelle mit Bankrats-Präsident Andreas C. Albrecht.)
Lachappelle absolvierte ein Rechtswissenschaftsstudium an der Universität Basel, schloss es mit dem Lizentiat ab und ergänzte seine Ausbildung mit einem Executive MBA an der Hochschule St. Gallen. (Guy Lachappelle beim Neujahrsempfang des Basler Gewerbeverband im Jahr 2016.)
Seine Laufbahn begann Lachappelle bei der Credit Suisse, danach war er in der Unternehmensberatung tätig. (Ausschnitt aus dem «Making-of»-Film für den BKB-Werbespot: Guy Lachappelle in der Maske.)
Anschliessend kehrte er zur Credit Suisse zurück und übernahm verschiedene Führungsfunktionen im Kreditgeschäft sowie eine Stabsfunktion. (Guy Lachappelle bekommt 2014 vom damaligen FCB-Cheftrainer Paulo Sousa das FCB-Trikot mit dem BKB-Schriftzug überreicht.)
Guy Lachappelle
Lachappelle war von 2008 bis 2010 Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter des Bereichs Kredite und Produktion der Bank Coop.
Im Oktober 2010 wechselte er zum Mutterhaus BKB und übernahm dort die Leitung des Bereichs Firmenkunden und Institutionelle. (Guy Lachappelle an einer Versammlung der Basler Kantonalbank.)
Seit Ende Februar 2013 amtiert er als CEO und Vorsitzender der Konzernleitung der Basler Kantonalbank.

Sitzt bald auf einem Stuhl in St. Gallen anstatt in Basel: BKB-CEO Guy Lachappelle.

Roland Schmid

Was die bz bereits am Donnerstagabend ankündete, wurde am Freitagmorgen von der Raiffeisen-Gruppe bestätigt: Der derzeitige Chef der Basler Kantonalbank, Guy Lachappelle, soll das strategische Ruder bei der Genossenschaftsbank übernehmen.

"Ich hätte weniger mit einem amtierenden Chef einer Kantonalbank gerechnet", sagte Bankenprofessor Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Die Basler Kantonalbank befinde sich noch mitten in einem Transformationsprozess. Deshalb habe er damit gerechnet, dass Lachappelle noch drei, vier Jahre weitermache.

Aber offenbar habe ihn die Aufgabe bei der drittgrössten Bank der Schweiz gereizt, sagte Dietrich. Für Raiffeisen wiederum sei es seiner Meinung nach eine sinnvolle Wahl. Damit könnte wieder etwas Ruhe einkehren.

Erfahren und kompetent

Wie er Lachappelle kennengelernt habe, habe dieser klare Vorstellungen und setzte sie auch um. Unbestritten sei auch sein Bank-Know-how: "Er kennt die Bankenlandschaft Schweiz und hat bereits Krisen durchgemacht", sagte Dietrich.

Bei Raiffeisen sei die dringliche Aufgabe nun, einen guten Chef zu finden. Dessen Anforderungsprofil müsse relativ breit sein. Vor allem müsste er gut mit den einzelnen Raiffeisen-Banken kommunizieren können und sich gut im Privatkundengeschäft auskennen. Es brauche eine erfahrene Persönlichkeit, die mit dem Druck umgehen könnte, im Scheinwerferlicht zu stehen.

Zudem seien viele Fragestellungen in den vergangenen Monaten aufgepoppt, etwa zur künftigen Struktur von Raiffeisen und der Machtfülle der Zentrale in St. Gallen. Man dürfe gleichzeitig aber nicht vergessen, dass es sich bei Raiffeisen um eine Führungskrise handle und nicht um eine strategische.

Grosse Herausforderungen stehen an

Grundsätzlich habe die Bank operativ hervorragend gearbeitet. "Raiffeisen hat in den letzten 10 bis 15 Jahren auch vieles richtig gemacht", sagte Dietrich. Ein Teil des Erfolgs sei eben die lokale starke Verankerung sowie gleichzeitig die wertvollen Dienste der Zentrale.

Auch ZKB-Analyst Akkio Mettler ist von der Ernennung Lachappelles angetan. "Mit der Nomination wird ein sehr erfahrener Banker und bewährter Krisenmanager vorgeschlagen, was wir positiv für Raiffeisen Schweiz werten", schrieb er in einem Kommentar.

Die Basler Kantonalbank sei zwar keine systemrelevante Bank, aber im Konzernverbund mit der Bank Cler gemessen an der Bilanzsumme die drittgrösste Kantonalbank.

Mit den Fortschritten bei der Besetzung des Verwaltungsrats ist es aber nicht getan. Es gebe zahlreiche Herausforderungen für die Raiffeisen-Gruppe: So müsse ein neuer Konzernchef her, die IT-Umstellung stocke und die Finma fordere die Prüfung einer Umwandlung der Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft. Zudem sei mit der Postfinance ein Konkurrent im Hypothekengeschäft in Sicht, erklärte Mettler.

Viele Risiken

"Die neue Raiffeisen-Spitze muss klären, ob sie die Konzernambitionen weiter verfolgen will", sagte auch Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht von der Universität Bern, am Freitag zum Online-Portal "20 Minuten". Ausserdem: "Raiffeisen hat mehr Kredite vergeben als andere Banken, und man muss annehmen, dass sie dabei auch sehr viele Risiken eingegangen ist."

Im ersten Halbjahr 2018 habe die Bank lediglich 6,7 Millionen Franken an faulen Krediten gehabt. Im Hypothekenbereich müsse man aber auf lange Sicht denken und wenn es in den nächsten Jahren zu einer Immobilien- oder auch Arbeitsmarktkrise kommen sollte, könne der Kreditausfall sehr rasch steigen.

Mit Blick auf die Postfinance vermutet Kunz zudem: "Raiffeisen wird sich mit aller Macht gegen eine neue Konkurrenz im Hypothekarmarkt wehren."