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KONJUNKTUR: Gute Aussichten für die Zentralschweiz

Die Wirtschaft wächst in der Region im kommenden Jahr stärker als in der übrigen Schweiz. Ein schöner Teil des Wachstums entfällt auf die international tätigen Rohstoffhändler.
Rainer Rickenbach
Winterstimmung herrschte an der Seepromenade in Luzern: Gemäss Ökonomen wird die Wirtschaft in Luzern im kommenden Jahr kräftig wachsen, auch eine Zunahme der Touristenzahlen wird prognostiziert. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Winterstimmung herrschte an der Seepromenade in Luzern: Gemäss Ökonomen wird die Wirtschaft in Luzern im kommenden Jahr kräftig wachsen, auch eine Zunahme der Touristenzahlen wird prognostiziert. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Als robust bezeichnet Jonas Stoll den Zustand der Zentralschweizer Wirtschaft. Er arbeitet beim Konjunkturforschungsunternehmen BAK Basel und analysiert in seinem Team zahlreiche Daten, die Hinweise auf die Wirtschaftsentwicklung in der Region rund um den Vierwaldstättersee geben. Das Zahlenmaterial reicht von Baugesuchen über Auftragseingänge bei Unternehmen bis hin zu den globalen Trends mit Auswirkungen auf die Region.

Hohe Umsätze, wenig Arbeitsplätze

Für das kommende Jahr verheissen die Basler Konjunkturforscher der Zentralschweizer Wirtschaft ein weiteres überdurchschnittliches Wachstumsjahr. Mit 2,4 Prozent legt das Bruttoinlandprodukt (BIP) nach Berechnungen der Basler Konjunkturforscher um ein halbes Prozent mehr zu als die gesamte Schweiz.

«Treibende Kraft ist der Grosshandel», so Stoll. Im Kanton Zug trägt diese Branche sogar gut die Hälfte zum Wirtschaftswachstum bei. In Stein gemeisselt ist das Wachstum der Grosshändler indes nicht. Stoll: «Jüngste Marktentwicklungen wie der starke Rückgang des Ölpreises sorgen im Moment für negative Prognose­risiken.» Zum Grosshandel zählen auch die grossen Rohstoffhändler in Luzern und Ausserschwyz. Ihr Geschäft generiert Milliardenumsätze, wirft ordentlich Steuern ab, schafft aber vergleichsweise wenig Arbeitsplätze. Mehr neue Stellen schaffen die Warengrosshändler, die auch unter diese Kategorie fallen und ihre Geschäfte an der Nahtstelle zwischen Herstellern und Detailhändlern betreiben.

Je internationaler die Geschäfte und je detaillierter deren Regeln werden, desto mehr Unternehmen wenden sich an Beraterfirmen wie Ernst & Young, Balmer-Etienne oder BDO. «Die Nachfrage nach unternehmensbezogenen Dienstleistungen steigt weiter an», ist Stoll überzeugt. Vor allem in Luzern, Zug und dem Schwyzer Kantonsteil am Zürichsee ist das Bedürfnis nach Rat und Unterstützung gross.

Export profitiert von Erholung

Dank der günstigen Konjunkturentwicklungen im Inland, in den USA sowie in grossen Teilen Asiens bieten sich für die dort tätigen Schweizer Firmen im kommenden Jahr günstige Aussichten. «International aufgestellte Firmen wie die Pilatus-Flugzeugwerke, Ruag, Maxon Motors, die Doppelmayr-Garaventa-Gruppe oder Victorinox profitieren davon, dass die Weltwirtschaft wieder auf einen soliden Wachstumspfad zurückfindet. Das Wachstum geht aber zögerlich vor sich», so Stoll.

In Europa verläuft die Erholung schleppender als erwartet. «Die Eurokrise hält länger an als vermutet. Sie und die Folgen der Ukraine-Krise hinterlassen jetzt auch in Deutschlands Wirtschaft deutliche Spuren», sagt BAK-Chef Martin Eichler. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Schweiz.

Der Bauboom schwächt sich ab

Für die Bauwirtschaft kündigt sich 2015 eine deutliche Abschwächung an. In Kantonen mit vielen Ferienwohnungen wie im Wallis oder Graubünden könnte sie holprig ausfallen, weil die Zweitwohnungsinitiative in die Umsetzungsphase kommt. Die Zentralschweizer Baumeister sind davon in geringerem Ausmass betroffen. Die Sättigung im Wohnungsbau geht aber auch an ihnen nicht spurlos vorbei. Hat die Baubranche gemäss BAK-Berechnungen mit einem Plus von 3,2 Prozent einen weiteren starken Wachstumsschub 2014 hinter sich, so dürfte es nach Neujahr nur noch mit 0,9 Prozent aufwärtsgehen. Was im schweizerischen Vergleich immerhin ein guter Wert ist: Über das ganze Land betrachtet dreht die Branche nach zwei Jahren mit Wachstumsraten von über 3 Prozent in ein Minus von 1,3 Prozent.

Für Nachfrage am Immobilienmarkt sorgen vor allem die institutionellen Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen, die sich nach dem Negativzinsentscheid der Nationalbank noch stärker mit dem Anlage-Notstand konfrontiert sehen als zu zuvor.

Rainer Rickenbach

Prognose: Zug und Nidwalden wachsen am stärksten

Luzern: In erster Linie sorgen der Handel, die Versicherungen, die Industrie sowie der Gesundheits- und Sozialbereich im kommenden Jahr für ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent (2014: plus 1,7 Prozent). Der Tourismus legt weiter zu: Das Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel erwartet bei der Bruttowertschöpfung eine Steigerung von 2,2 Prozent.

Zug: Grosse Zuger Industrieunternehmen wie Siemens und Cham Paper bauten in den zurückliegenden drei Jahren Stellen ab. Dazu kamen Konkurse wie beispielsweise von Petroplus oder PPC Electronic. Im kommenden Jahr dürfte sich die Industrie gemäss den Basler Konjunkturforschern etwas erholen. Der Grosshandel, die Unternehmensdienstleister und Informatikunternehmen tragen den grössten Teil zu einem BIP-Wachstum von 3 Prozent bei (2014: 2,4 Prozent).

Schwyz: Die Exportunternehmen haben ein schwaches Jahr hinter sich. 2015 soll es gemäss BAK Basel besser werden. Die Grosshändler, Maschinenbauer und Metallverarbeiter haben ein gutes Jahr vor sich. Die Schwyzer Wirtschaft legt um 2 Prozent (2014: 1,4 Prozent) zu.

Nidwalden: Die Pilatus-Flugzeugwerke mit ihrem Grossauftrag für Businessjets und das Bürgenstock-Resort prägen das wirtschaftliche Geschehen. Das BIP wächst wie schon dieses Jahr um 2,7 Prozent.

Obwalden: Die spezialisierte Investitionsgüterindustrie steht vor einem dynamischen Jahr. Erstaunlich: Mit der neuen Steuerstrategie stieg in Obwalden die Zahl der Firmengründungen in den ersten Jahren sprunghaft an – Briefkastenunternehmen nicht mitgezählt. Seither blieb sie auf hohem Niveau konstant. Die Wirtschaft wächst 2015 um 2,2 Prozent (2014: 2 Prozent).

Uri: Der Bau der Neat neigt sich dem Ende zu. Weil das Ende des riesigen Tiefbauprojektes in greifbare Nähe rückt, wuchs die Wirtschaft schon dieses Jahr nur noch um 1 Prozent. Vorab dank des Sawiris-Projektes legte hingegen das Urner Gastgewerbe entgegen dem verhaltenen Wachstum in der Schweiz insgesamt um 4,5 Prozent zu. In Andermatt werden im nächsten Jahr das Hotel Radisson Blu und weitere Appartementwohnungen gebaut. BAK Basel prognostiziert für Uri ein Wachstum von 2 Prozent (2014: 1,0 Prozent).

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