Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KONJUNKTUR: Verhaltener Optimismus

In der Schweiz sind weniger Arbeitslose gemeldet als vor einem Jahr. Doch die aussergewöhnlich starke Zunahme der Nachfrage nach Temporärarbeit zeigt, dass die Unternehmer mit dem Aufbau neuer Kapazitäten noch vorsichtig sind.
Daniel Zulauf
Positive Signale der Weltwirtschaft und ein schwächerer Franken beflügeln die Exportwirtschaft. (Bild: Stefan Meyer/Keystone (Pruntrut, 19. August 2015))

Positive Signale der Weltwirtschaft und ein schwächerer Franken beflügeln die Exportwirtschaft. (Bild: Stefan Meyer/Keystone (Pruntrut, 19. August 2015))

Daniel Zulauf

Die neue Frankenschwäche verleiht der Schweizer Wirtschaft zusätzlichen Schwung. Dies belegen sowohl die gestern ver­öffentlichten Arbeitsmarktdaten zum Monat April wie auch der aktuelle Geschäftslageindikator der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF). Doch die ungewöhnlich stark ansteigende Zunahme der Nachfrage nach Temporärarbeit zeigt ebenso: Die Unternehmer wollen dem Glück noch nicht richtig trauen.

An guten Nachrichten mangelte es in der Schweizer Wirtschaft eigentlich nicht. So meldete gestern das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) den Rückgang der Arbeitslosenquote im April auf 2,7 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit sechs Jahren. Noch sind auf den regionalen Arbeitsvermittlungszentren fast 120000 Menschen als arbeitslos gemeldet. Allein im Monat April ist diese Zahl um über 10000 kleiner geworden. Saisonale Effekte wie die Rückkehr der Bauwirtschaft vom winterlichen Sparbetrieb zur Maximalproduktion lassen die Statistik in dieser Jahreszeit zwar immer etwas besser aussehen, doch der saisonal unbeeinflusste Vergleich zwischen April 2018 und April 2017 macht deutlich, dass hier allerdings auch starke konjunkturelle Kräfte am Werk sind.

Stimmung so gut wie vor dem Frankenschock

In diesem Vorjahresvergleich hat die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen um mehr als 26000 beziehungsweise um 18 Prozent abgenommen. Dabei besonders erfreulich: Von den rund 26000 Personen, die im April 2017 noch als langzeitarbeitslos gemeldet waren (mehr als ein Jahr ohne Stelle), haben in den vergangenen zwölf Monaten über 5500 (23 Prozent) den Weg zurück in den Schweizer Arbeitsmarkt gefunden. Besonders viele fanden im letzten Monat einen Job.

Dass die Wirtschaft frische Arbeitskräfte braucht, zeigt der Geschäftslageindikator der KOF. Die monatliche Befragung von 4500 Unternehmen aus allen Bereichen der Privatwirtschaft ergibt derzeit ein Stimmungsbild, das so positiv ist wie unmittelbar vor dem letzten Frankenschock im Januar 2015. In der Industrie planen Exportfirmen, ihre Produktionstätigkeit in naher Zukunft auszuweiten, und es werden zusätzliche Arbeitskräfte gesucht, beschreibt die KOF das gestern veröffentlichte Umfrageergebnis. Zusätzlich hilft auch der aktuelle Wechselkurs der Exportwirtschaft. Im ersten Quartal des Jahres kostete 1 Euro noch durchschnittlich 1.17 Franken, ein Jahr davor waren es 1.07 Franken gewesen. Inzwischen bewegt sich der Euro sogar bei über 1.19 Franken. Insbesondere auf den EU-Märkten habe sich die Wettbewerbsposition der Schweizer Industriefirmen verbessert, stellt die KOF fest.

Doch dem Wechselkursglück wollen die Unternehmer noch nicht ganz trauen. Das zeigt sich unter anderem an der Tatsache, dass im Moment besonders viele Arbeitsverträge auf Zeit abgeschlossen werden. Swissstaffing, der Verband der Schweizer Personalvermittler, registriert für das erste Quartal des Jahres eine Zunahme der geleisteten Einsatzstunden von Temporärangestellten um über 15 Prozent gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres. Das ist die stärkste Zunahme in den sechs Jahren, seit es den Swiss Staffingindex gibt.

Politische Grosswetterlage verunsichert Firmen

Unter der Annahme einer unverändert guten Konjunkturentwicklung könnten sich in gewissen Sektoren und Berufsgruppen schon im laufenden Jahr, spätestens aber im nächsten Jahr, Zeichen der Verknappung manifestieren, glaubt Swissstaffing-Ökonom Marius Osterfeld. Die Schweizer Industrie wird kaum umhinkommen, auch in der Schweiz wieder mehr zu investieren. KOF-Ökonom Yngve Abrahamsen erwartet zunächst vor allem mehr Rationalisierungs­investitionen, von denen es in den vergangenen Jahren erstaunlich wenige gegeben habe.

In absehbarer Zukunft könnten aber auch Erweiterungsinvestitionen folgen. Bereits im Januar waren über 90 Prozent der Kapazitäten in der Industrie ausgelastet. Die gesamte Kapazitätsauslastung der Schweizer Wirtschaft betrug im April gemäss KOF 83 Prozent. Die Zurückhaltung der Unternehmer ist auch vor dem Hintergrund dieser Zahlen nicht un­verständlich. So sorgte die verworrene politische Lage in Italien gestern für einen unerwartet starken Dämpfer auf den Eurokurs. Auch Donald Trumps Sicherheits- und Handelspolitik erhöht die wirtschaftliche Unsicherheit.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.