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KONJUNKTUR: Weltwirtschaft: Optimismus greift um sich

Die Weltwirtschaft steckt in einem beachtlichen Wachstumsschub. Er würde noch kräftiger ausfallen, wenn die Folgen der Finanzkrise nicht immer noch nachwirkten.
Rainer Rickenbach
Starke Firmenbilanzen stützen die New York Stock Exchange. (Bild: Richard Drew/Keystone (New York, 16. November 2017))

Starke Firmenbilanzen stützen die New York Stock Exchange. (Bild: Richard Drew/Keystone (New York, 16. November 2017))

Rainer Rickenbach

Diesmal haben alle wichtigen Wirtschaftsregionen am Aufschwung teil. Die Weltwirtschaftsorganisation OECD verheisst Europa, den USA und Schwellenländern wie China, Indien oder Russland für die kommenden beiden Jahre Wachstumsraten von 2 Prozent und mehr. Nach ihren Prognosen klettert das weltweite BIP-Wachstum im kommenden Jahr um 3,7 Prozent und danach um 3,6 Prozent. Es zeichnet sich der grösste Aufschwung seit sieben Jahren ab.

«Es gibt keinerlei Anzeichen von Schwäche in der Weltwirtschaft», lässt sich Janwillem Acket, Chefökonom von Julius Bär, von der Nachrichtenagentur SDA zitieren. Die Zürcher Privatbank gab gestern wie die OECD und die Zürcher Kantonalbank ihre Prognosen bekannt. Alle Wirtschaftsinstitute und Banken gehen davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft nächstes Jahr deutlich zulegt (siehe Tabelle) – so stark wie seit dem Franken-Schock nicht mehr.

Nach 2018 schwächt sich das Wachstum ab

Bei aller Zuversicht schleichen sich indes auch Zweifel ein. Die Wirtschaftsauguren der OECD etwa werfen die Frage auf, ob die Aufwärtsbewegung auch wirklich über genügend Tiefgang verfüge. «Die Konjunkturaufhellung ist zwar erfreulich. Sie bleibt im Vergleich zu vergangenen Aufschwungphasen aber verhalten», heisst es im Bericht der Weltwirtschaftsorganisation. Investitionen, Handel, Produktivität und Lohnentwicklung litten noch immer unter den Nachwehen der Finanzkrise. Für ein anhaltend starkes Wachstum wären kräftigere Investitionen notwendig.

«Der globale Konjunkturaufschwung wird 2018 den Höhepunkt erreichen, bevor ein Jahr später eine merkliche Verlangsamung einsetzt», sagt Christoph Schenk von der Zürcher Kantonalbank. Der Aufschwung könnte sich schon früher als fragil herausstellen, wenn politische Ereignisse ausser Kontrolle geraten – etwa in Nordkorea, beim Brexit oder bei den italienischen Wahlen.

Laut Prognosen soll sich die US-Geldpolitik weiter normalisieren. Das schon länger anhaltende stabile Wirtschaftswachstum liefert dazu den Steilpass. «Das Fed dürfte den Leitzins im nächsten Jahr um 0,75 Prozent erhöhen», heisst es im Marktausblick der ZKB. Die Europäische Zentralbank hingegen macht sich erst daran, ihre ultralockere Geldpolitik etwas zurückzufahren. Höhere Leitzinsen im Euro-Raum sind noch weit entfernt. Die OECD ortet im unterschiedlichen Tempo von New York und Frankfurt ein Risiko. «Ein wachsendes Zinsgefälle zwischen den Vereinigten Staaten und anderen grossen Währungsräumen könnte zu einer Aufwertung des Dollars führen und aufgrund un­vorhersehbarer Finanzströme möglicherweise zunehmende Finanzmarktspannungen und -turbulenzen auslösen», heisst es in dem Bericht.

Dass die US-Währung im Kommen ist, glaubt man auch bei Julius Bär. «Dieses Jahr war ein starkes Euro-Jahr. Nun glaube ich, dass es eine Renaissance des Dollars geben wird», sagt Chefökonom Acket. Für den Euro sehen die Marktbeobachter eine weniger stabile Phase voraus. Der eben erstarkte Wechselkurs der Gemeinschaftswährung dürfte nach Ansicht der Zürcher Kantonalbank früher oder später die Dynamik in Europa bremsen, weil ein halbwegs harter Euro der Exportwirtschaft zusetzt. Der Aussenwert der Gemeinschaftswährung dürfte in den nächsten fünf Jahren von Ausschlägen nach oben und unten geprägt bleiben – mit den entsprechenden Folgen für den Franken. «In schlechten Zeiten dürften wir Parität haben und in guten Zeiten eine Abschwächung auf 1.20 Franken», prophezeit Christian Gattiker von Julius Bär.

Die Schweizerische Nationalbank wird also weiterhin an den Devisenmärkten eingreifen und das Negativzinsregime fortsetzen müssen. Sie sei so schnell nicht in der Lage, das Zinsniveau anzuheben, sind die Ökonomen der Zürcher Kantonalbank überzeugt. «Das dürfte frühestens im ersten Halbjahr 2019 der Fall sein. Für das kommende Jahr rechnen wir mit einem unveränderten Leitzins», heisst es in ihren Marktaussichten.

Das Auf und Ab an den Börsen nimmt zu

Als Folge der Negativzinsen dürfte noch mehr Geld in die Finanzmärkte fliessen. Was sich nächstes Jahr an den Börsen abspielen wird, darüber gehen die Meinungen aber auseinander. Die ZKB ist skeptisch, sie erwartet ein stärkeres Auf und Ab. «Angesichts hoher Bewertung der Aktienmärkte, geopolitischer Unsicherheit und geldpolitischer Straffung erachten wir 2018 einen Anstieg der Volatilität als unvermeidlich.»

Julius Bär glaubt, der Risikoappetit der Anleger nehme zu. «Alle denken, der Hochzyklus bei den Aktien sei vorbei. Doch ich erwarte, dass es nächstes Jahr so weitergeht», sagt Gattiker. Den Anlegern würden sich wenig Alternativen bieten, und historisch betrachtet halte sich die Überbewertung in Grenzen.

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