Wirtschaft
Können wir die Formel 1 weiterhin im Free-TV schauen?

Der neue Eigentümer der Rennserie steht auch hinter der Firma, die in der Schweiz den Sportkanal «MySports» aufbaut. Das «SRF» verhandelt zurzeit über die Formel-1-Rechte.

Fabian Hock
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Die Formel 1 läuft bislang im Free-TV. Beim SRF ist man sicher, dass das auch mit dem neuen Besitzer so bleibt.

Die Formel 1 läuft bislang im Free-TV. Beim SRF ist man sicher, dass das auch mit dem neuen Besitzer so bleibt.

REUTERS

Eigentlich könnte es dem Schweizer Fernsehzuschauer ja egal sein, wem die Formel 1 gehört. Was wussten wir denn bisher darüber? Der charismatische Bernie Ecclestone ist der Chef, mit schier grenzenloser Verfügungsgewalt ausgestattet.

Das Geld kommt von irgendwelchen Sponsoren, die uns mal mehr und mal weniger sichtbar von Frontflügeln und Schildern am Streckenrand entgegenwinken. Die Eigentümer sind da eher von nachrangiger Bedeutung. Aber eben: eigentlich. Denn mit dem neuen Besitzer verhält es sich ein wenig anders.

John Malone nennt unter anderem ein weltweit tätiges Medienunternehmen sein Eigen. Eines, das gerade dabei ist, in der Schweiz einen eigenen Sportkanal aufzubauen. Das ist die Schnittstelle. Genau hier könnte der neue Formel-1-Besitzer den Schritt in unser Wohnzimmer machen. Und dann wäre es freilich nicht ganz unbedeutend, wer er ist und was er vorhat.

Was plant der Medienmogul?

Der neue Formel-1-Besitzer ist, wie im Text oben bereits beschrieben, Medienmogul. Ihm gehört neben Liberty Media, welche die Rennserie kauft, auch die Schwesterfirma Liberty Global. Sie steht hinter UPC in der Schweiz. Und UPC baut derzeit gemeinsam mit weiteren Kabelnetzbetreibern den Sportkanal MySports auf. Über diesen haben sie sich bereits die Übertragungsrechte am Schweizer Eishockey gesichert.

Dass der kommende Schweizer Spartenkanal MySports der Grund für die 8-Milliarden-Investition Malones war, ist mehr als unwahrscheinlich. Dafür ist der Schweizer Markt viel zu klein. Dennoch stellt sich die Frage, was Malone nun mit dieser Situation anstellt.

UPC selbst betont, dass Liberty Media und Liberty Global zwei verschiedene Unternehmungen seien. «Deshalb hat der Kauf der Formel-1-Rennserie durch die amerikanische Liberty Media keinen direkten Einfluss auf die britische Liberty Global und deshalb auch nicht auf UPC», lässt ein Sprecher wissen.

UPC will an die Fussballrechte ran

Dass die Verbreitungsmöglichkeiten durch Liberty Global, seines Zeichens der weltweit grösste TV- und Kabelanbieter, beim Kauf der Formel 1 durch Liberty Media keine Rolle gespielt haben, darf indes bezweifelt werden. Möglich scheint der Plan, die Formel 1 als Eigenproduktion exklusiv über die Kanäle der Schwesterfirma auszustrahlen. Vorbilder dafür gäbe es: Streaminganbieter wie Netflix haben aus selbst produzierten Inhalten ein riesiges Geschäft gemacht.

Auf die Schweiz gemünzt scheint jedoch ein zweiter Gedanke plausibler. «UPC will an die Fussballrechte ran», sagt Ralf Beyeler, Telekomexperte beim Vergleichsdienst Verivox. Vor allem um die Schweizer Liga und die Champions League gehe es dem Unternehmen.

Die Rechte liegen derzeit bei der Swisscom, was den Kabelnetzbetreibern schon länger ein Dorn im Auge ist. Mit der Formel 1, meint Beyeler, habe die zum Malone-Imperium gehörende UPC künftig einen Trumpf in der Hand.

Zusammen mit den Rechten an den Eishockey-Übertragungen könnte UPC die Formel-1-Übertragungsrechte der Swisscom quasi zum Tausch anbieten – und im Gegenzug die lang ersehnten Fussballrechte erhalten. So könnten beide Anbieter alles übertragen.

SRF will Formel 1 behalten

Bleibt der dritte Spieler im Bunde: das staatliche Fernsehen. Heute sind sämtliche Formel-1-Rennen im Programm des SRF frei empfangbar. Ob sich das nun ändert? Roland Mägerle, Leiter Business Unit Sport der SRG, winkt ab: «Aktuell laufen die Verhandlungen über die Verlängerung der Formel-1-Rechte», sagt er auf Anfrage. «Wir sind zuversichtlich, die Formel 1 auch in Zukunft auf den Sendern der SRG übertragen zu können.»

Zum aktuellen Stand der Verhandlungen könne er keine Angaben machen. «Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass die Formel 1 in der Schweiz zum Pay-TV übergeht, da die Rennen im übrigen deutschsprachigen Raum, in Deutschland bei RTL und in Österreich bei ORF, auch künftig im Free-TV zu sehen sind.»

Ähnlich sieht es Beyeler von Verivox. MySports habe auch einen freien Kanal, und als Instrument zur Kundenbindung tauge die Rennserie in der Schweiz nur bedingt, sagt er. Als Faustpfand im Kampf um die Fussballrechte sei sie jedoch gut zu gebrauchen.