KONSUM: Abgase lassen die Autopreise steigen

Kaum ist die neue CO2-Verordnung für Autoabgase in Kraft, schon drohen strengere Normen. Um diese zu erreichen, braucht es ein Umdenken bei Autofahrern.

Bernard Marks
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Strafzahlungen wegen schärferen CO2-Vorschriften dürften Autoimporteure auf die Konsumenten abwälzen. (Bild: Getty)

Strafzahlungen wegen schärferen CO2-Vorschriften dürften Autoimporteure auf die Konsumenten abwälzen. (Bild: Getty)

Bernard Marks

Um das weltweite Klima zu schonen, will die Schweiz grüne Mobilität vorantreiben. Darum hat sie für 2015 die zugelassenen Grenzwerte für den CO2-Ausstoss für Neuwagen gesenkt: Seit dem 1. Januar 2015 gilt in der Schweiz ein neuer Grenzwert von 130 Gramm für den CO2-Ausstoss von Automotoren pro Kilometer. Doch damit nicht genug: Bis 2020 soll in der Europäischen Union der CO2-Ausstoss von Neuwagen nochmals auf 95 Gramm pro Kilometer absinken.

Unrealistische Ziele?

Auch die Schweizer Politik will diese Norm übernehmen. «Doch damit haben wir ein Problem», sagt Andreas Bur­gener, Direktor von Auto-Schweiz. Im letzten Jahr sank der Ausstoss des klimaschädlichen Treibhausgases in der Schweiz zwar um 4 Prozent auf durchschnittlich noch 145 g/km. Die für 2020 anvisierten 95 Gramm pro Kilometer zu erfüllen, erscheinen Burgener unrealistisch. Gründe dafür sind die topografischen und klimatischen Besonderheiten der Schweiz, aber auch der im Vergleich zu anderen Ländern kleine Anteil an Dieselfahrzeugen bzw. überdurchschnittlich hohen Anteil an Allradautos. Bei den CO2-Emissionen sei deshalb eine gesamteuropäische Betrachtung notwendig. «Eine isolierte Sonderlösung der Schweiz führt zu Marktverzerrung mit unerwünschten Folgen für Arbeitsplätze und Konsumenten in der Schweiz», so Burgeners Kritik.

Hohe Strafzahlungen zu erwarten

Zwar wird erst 2016 darüber entschieden, ob auch hierzulande die neue Grenze von 95 g/km von der EU übernommen wird. Doch wahrscheinlich ist: «Wir werden im Jahr 2020 bei Neuwagenzulassungen im Durchschnitt maximal 110 g/km erreichen», sagt Burgener. Sollte dies der Fall sein, drohen den Schweizer Autoimporteuren laut Bur­gener Strafzahlungen von 142 Franken auf jedes Gramm CO2, das in der Mischrechnung über alle eingeführten Fahrzeuge zu viel ausgestossen wird. Rechnet man rund 10 Gramm CO2-Immission auf rund 300 000 Neufahrzeuge pro Jahr, macht das Strafzahlungen in Höhe von 426 Millionen Franken pro Jahr. «Das müssen die Importeure für die überhöhten CO2-Emissionen zahlen, letztlich wird der Kunde zur Kasse gebeten», sagt Burgener. Verschiedene Expertenschätzungen gehen deshalb von 1300 bis 4400 Franken Aufpreis pro Neufahrzeug aus.

Doch eigentlich sollte laut Burgener die Autoindustrie für zu hohe Emissionswerte für ganz Europa inklusive der Schweiz geradestehen. «In Island und Norwegen hat das bereits geklappt», sagt er. In Europa orientieren sich ab 2015 nebst den 28 Mitgliedstaaten neu auch die beiden EWR-Mitglieder Norwegen und Island an dem gesamteuropäischen Markt. Damit gelten für ganz Europa die gleichen Vorschriften, die auf einer gemeinsamen Datenbasis kontrolliert und durchgesetzt werden nur die Schweiz stünde mit einer Sonderlösung abseits.

Leben auf Kosten anderer

Auf den ersten Blick ist die Schweiz ein ökologisches Paradies: klare Flüsse, kein Smog und eine weitgehend CO2-freie Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Doch der durchschnittliche ökologische Fussabdruck jedes Einwohners der Schweiz ist gewaltig. Er ist mehr als viermal so gross wie die Biokapazität des Landes und misst derzeit 5 globale Hektaren (gha) pro Kopf. Die Biokapazität der Schweiz beträgt 1,2 gha pro Kopf. «Wir leben auf Kosten anderer Erdteile und künftiger Generationen», kommt eine Untersuchung des Bundesamtes für Statistik zum Schluss. Rund zwei Drittel dieses ökologischen Fussabdrucks stammen aus dem Verbrauch fossiler Energieträger. Grösster Energieverbraucher ist der Verkehr, der zu 96 Prozent durch die Verbrennung von Erdöl angetrieben wird. Verbrennt man jedoch einen Liter Benzin, werden dabei zwangsläufig immer 2,33 Kilogramm CO2 frei. Bei Diesel sind es sogar 2,64 Kilogramm des klimaschädlichen Gases. Durch den Einsatz von effizienteren Motoren kann der CO2-Ausstoss deutlich verringert werden.

Für Konsumenten, die mit einem Autokauf nicht zuwarten wollen, gibt es bereits zahlreiche Möglichkeiten. BMW bietet zum Beispiel im Kleinwagenbereich mit seinem i3 verschiedene Modelle an, die gar kein CO2 ausstossen. Diese Elektrofahrzeuge liegen in der Basisversion preislich bei 46 000 Franken. Auch bieten alle grösseren Hersteller wie VW, Peugeot, Renault, Volvo oder Toyota Modellvarianten an, die bereits die Norm von 95 g/km erfüllen (siehe Grafik). «Der Kunde kann sich schon heute aus über 300 Modellvarianten entscheiden, die Antriebstechnologien und Treibstoffe verwenden, die die 2020 erwünschten CO2-Werte erfüllen», sagt Sascha Grunder von der TCS-Mobilitätsberatung in Emmen. Das Potenzial für noch effizientere Motoren sei von Seiten der Autohersteller sicher nicht ausgeschöpft. «Hier werden in Zukunft weitere sparsamere Fahrzeuge auf den Markt kommen», sagt Grunder.

Unabhängige Beratung ist wichtig

Es sei jedoch klar, dass diese effizienten Innovationen mit hohen Investitionskosten für die Automobilindustrie verbunden sind. Diese Investitionen müssen sich bezahlt machen. Das geht nur, wenn diese Autos auch gekauft werden. Deshalb sei es laut Grunder wichtig, dass sich das Bewusstsein der Konsumenten punkto Autowahl weg von starken Motoren hin zur Nutzung von sparsameren Motoren wandeln muss. «Das Umdenken beginnt in den Köpfen», sagt Grunder.

Elektroauto als Alternative

Viel Kraftstoff und Geld lässt sich bereits mit dem Fahrverhalten wie zum Beispiel «Eco-Drive» sparen. Gleiches gilt für die Fahrzeugwahl. «Dafür braucht es eine gute und unabhängige Beratung», sagt Grunder. Konsumenten sollten vor dem Autokauf eine Bedürfnisanalyse machen, empfiehlt der Experte. Dabei sollte abgeklärt werden, für welchen Zweck man das Fahrzeug einsetzen will. «Ein Elektrofahrzeug kann in einigen Fällen eine gute Alternative zum Verbrenner sein, insbesondere wenn man nur kürzere Strecken fährt», sagt Grunder. Für längere Strecken lohnt sich eher ein Dieselfahrzeug. Beratungshilfe gibt auch der Verbrauchskatalog 2015 des TCS. Dieser zeigt die Kennzahlen aller Fahrzeuge, die es auf dem Markt gibt.

Mehr Infos: Den Verbrauchskatalog des TCS finden Sie unter <b>hier &raquo;</b>

Autos mit geringem CO2-Ausstoss.

Autos mit geringem CO2-Ausstoss.