KONSUM: Der Einkauf ennet der Grenze boomt auch online

Per Mausklick zum Wunschprodukt. Während der traditionelle Handel Einbussen hinnehmen muss, wächst das Geschäft über das Internet. Käufe im Ausland haben dabei die höchsten Zuwachsraten.

Stefan Borkert
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Online-Einkäufe in einem Verteilzentrum der Post. Bild: Laurent Gillieron/Keystone (Daillens, 20. September 2016)

Online-Einkäufe in einem Verteilzentrum der Post. Bild: Laurent Gillieron/Keystone (Daillens, 20. September 2016)

Stefan Borkert

Immer mehr Waren werden online eingekauft. 2016 kauften Schweizer Konsumenten für ­7,8 Milliarden Franken Waren und Güter online – eine Steigerung von 8,3 Prozent gegenüber 2015. Zahlen, von denen der stationäre Handel nur träumen kann. Der stationäre Handel ohne Lebensmittel, der Non-Food-Handel, hat in den letzten sechs Jahren 8,3 Milliarden Franken Umsatz eingebüsst. Die Online-Einkäufe im Non-Food-Bereich haben hingegen um 2,4 Milliarden Franken zugelegt. Der Verband des Schweizerischen Versandhandels (VSV) und die GfK Switzerland AG haben in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post die Gesamtmarkt­erhebung für den Online- und Distanzhandel in der Schweiz erstellt. Demnach sind die umsatzstärksten Sortimente Heimelektronik (1,8 Milliarden Franken) sowie Fashion und Schuhe mit ­1,54 Milliarden Franken.

China heizt den Konkurrenzkampf an

Seit 2012 haben sich die Online-Einkäufe im Ausland verdoppelt. Allein im letzten Jahr war eine Zunahme von 18 Prozent zu verzeichnen. Besonders der Einkauf in China über Aliexpress nimmt zu. VSV-Präsident Patrick Kessler sagt: «Der Konkurrenzkampf im Online-Handel wird durch Direktimporte aus China angeheizt.» Er sieht aber auch Chancen für den Schweizer Versandhandel: «Ja, der Schweizer Versandhandel hat eine Chance, wenn er seine Vorteile nutzt. Er kann viel schneller liefern. Er kann garantieren, und er spricht die Sprache der Kunden.» Das sei vielleicht nicht so wahnsinnig wichtig für ein Kabel oder eine Smartphone-Hülle, aber für wertige Güter spielten diese Argumente immer noch eine Rolle.

Schwer hätten es insbesondere Anbieter, welche austauschbare und vergleichbare Produkte im Non-Food-Segment anbieten. «Der Schweizer Händler hat dann gute Chancen, wenn gewisse Leistungen nicht oder nur schwer online einkaufbar sind und Services und Leistungen rund um das angebotene Produkt erbracht werden», sagt Kessler und fährt fort: «Ebenso geschützt sind Händler, welche vor allem margenarme Produkte zu tiefen Preisen verkaufen und über die Menge der verkauften Artikel das Geschäft profitabel betreiben.» In diesen Situationen habe der Online-Händler mit verhältnismässig hohen Transaktionskosten, beispielsweise für die Logistik, zu kalkulieren. Er bringe nur ein wettbewerbsfähiges Angebot zu Stande, wenn der Konsument grosse Warenkörbe kaufe. Als Beispiel nennt er Le Shop. Die Migros-Tochter hat übrigens gestern einen neuen Lieferdienst präsentiert, bei dem die bestellte Ware direkt in den Kofferraum des Privatautos geliefert wird. Vorläufig funktioniert das allerdings nur bei neuen Volvo-Modellen.

Ideen sind also gefragt auf dem heiss umkämpften Markt. Kessler glaubt aber an die heimischen Anbieter. «Ich glaube fest daran, dass die Schweizer Händler und vor allem Schweizer Produzenten als Nischenanbieter ­gerade jetzt eine Riesenchance haben, dank Online-Handel in anderen Ländern oder eben global präsent zu sein. Die Marktplatzentwicklungen in Deutschland, Amerika und China bieten bei allen Risiken auch echte Chancen.»

Es gebe durchaus grosse Anbieter, welche international mithalten könnten. «Ich denke da an die Heimelektronikbranche. Digi­tec und Brack sind Vorzeige­beispiele, wie es funktionieren kann.» Er gibt aber zu: «Ja, die Schweiz als Heimmarkt ist definitiv klein. Aber Nespresso ist eigentlich als Nischenanbieter gestartet und zu einem riesigen, weltweit agierenden Versandhändler geworden.» Es könne also funktionieren.

Für stationäre Händler gelte in Zeiten des Online-Booms je länger, desto mehr: «Lage, Lage, Lage!» Wer heute an einer B-oder C-Lage einen Handel betreiben wolle, müsse schon sehr gute Argumente haben, um mittelfristig bestehen zu können.