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KONSUM: Der harte Kampf ums Wasser

Kaum ein Getränk ist so beliebt wie das Mineralwasser. Doch Konsumenten setzten immer mehr auf billiges Importwasser. Jetzt wollen heimische Produzenten ein Stück vom Kuchen zurück ein Augenschein.
Die Mineralquelle Bad Knutwil AG behauptet sich gut im schwierigen Schweizer Mineralwassermarkt. Im Bild: Carlos Beca in der Produktion in Bad Knutwil. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Die Mineralquelle Bad Knutwil AG behauptet sich gut im schwierigen Schweizer Mineralwassermarkt. Im Bild: Carlos Beca in der Produktion in Bad Knutwil. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Bernard Marks

Es ist spritzig, prickelnd und erfrischend. Rund 110 Liter trinkt jeder Schweizer pro Jahr. Damit ist Mineralwasser vor Bier mit 51 Litern pro Kopf und Jahr der beliebteste Durstlöscher der Schweizer. Der Verbrauch an Mineralwasser hat sich in der Schweiz mit 921 Millionen Litern seit den 1990er-Jahren rund verdoppelt (siehe Grafik). Doch bei diesem vermeintlichen Boom gehen die Produzenten hierzulande leer aus. Die Produktionsmenge aller Schweizer Mineralquellen steigerte sich nur geringfügig von 409 Millionen Litern im Jahr 1990 auf lediglich 565 Millionen Liter. Das Paradoxe daran: 40 Prozent aller hierzulande verkauften Mineralwasser werden aus dem Ausland importiert. Die importierte Menge an Wasser ist seit 1990 von 72 Millionen Litern auf über 360 Millionen sprunghaft angestiegen. Das setzt hiesige Mineralwasserproduzenten unter Druck.

Umkämpfter Markt

Ortstermin Bad Knutwil im Kanton Luzern: Hier entspringt die Quelle des Knutwiler Mineralwassers die einzige Mineralquelle der Zentralschweiz. Bereits vor 550 Jahren war Bad Knutwil als Kur- und Heilbad bekannt. Seit 1946 wird das Mineralwasser in Flaschen abgefüllt. Im Jahr 2010 erwarb der Unternehmer Oscar J. Schwenk die Firma und rüstete sie mit modernen Anlagen aus. Heute werden dort 16 Millionen Flaschen Mineralwasser pro Jahr abgefüllt.

«Wir befinden uns in einem harten Verdrängungsmarkt», sagt Stefan Suter (39), Geschäftsführer der Mineralquelle Bad Knutwil AG, bei der 25 Mitarbeiter beschäftigt sind. «Die zunehmende Macht der grossen Konzerne und die zahlreichen Preisaktionen im Detailhandel mit Mineralwassern sind für kleinere Mineralquellen eine Herausforderung», sagt Suter weiter. Trotz der bescheidenen Grösse des Unternehmens kann sich Knutwiler im hiesigen Wassermarkt gut behaupten. In der Zentralschweiz liegen die Luzerner punkto Markanteile auf dem 3. Platz hinter Henniez und Valser, Marken, die heute zu Nestlé und Coca-Cola gehören (siehe Box).

Wachstum durch Innovationen

Bei Knutwiler sieht man sogar weiteres Wachstumspotenzial. «Die Quelle in Bad Knutwil gibt noch deutlich mehr her. Wir wollen unsere Produktionskapazitäten daher weiter ausbauen», sagt Suter. Wie aber erarbeitet sich ein KMU wie Knutwiler gegenüber einer so starken Konkurrenz mehr Marktanteile? «Wir konzentrieren uns auf den Markt in der Zentralschweiz», sagt Suter. «Kurze Transportwege und Kundennähe sind unsere Stärken». Die Pflege der Marke und der Gewinn neuer Kunden seien dabei besonders wichtig. «Zudem müssen wir innovativ sein», sagt Suter. Deshalb hat das Unternehmen jüngst den gesamten Markenauftritt aufgefrischt und den Verkauf verstärkt. Auch setzt das Unternehmen auf die Entwicklung neuer Erfrischungsgetränke oder Verpackungsformen. Ganz neu auf dem Markt ist die Sorte mit Apfel-Rhabarber-Geschmack. Das hat Erfolg. «In den letzten drei Jahren konnten wir unseren Ausstoss jährlich um jeweils über 10 Prozent steigern», sagt Suter.

Branche mit 20 000 Arbeitsplätzen

Das in der Schweiz abgefüllte Mineralwasser stammt aus 20 Quellen. Rund 15 Mineralwasserproduzenten gibt es hierzulande. Die appenzellische Mineralquelle Gontenbad AG (Goba), die Bündner Allegra Passugger Mineralquellen AG, die Adelboden Mineral- und Heilquellen AG aus dem Berner Oberland oder die solothurnische Cristallo-Quelle in Lostorf sind nur einige davon. 20 000 Arbeitsplätze sind laut Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS) direkt und indirekt mit der Mineralwasser- und Erfrischungsgetränkebranche verbunden. Zum Vergleich: Ähnlich viele Mitarbeiter beschäftigt die Swisscom AG, die 2014 einen Umsatz von 11,7 Milliarden Franken erwirtschaftete. Die Wasserbranche ist damit ein nicht unwesentlicher wirtschaftlicher Sektor.

Umso mehr stellt sich deshalb die Frage, warum so viel Mineralwasser in die Schweiz eingeführt wird, statt mehr Schweizer Wasser anzubieten. Immerhin machen die Importe aus ökologischer Sicht keinen Sinn. Wie die Trinkwasserinitiative Viva Con Agua berechnete, werden rund 0,3 Liter Erdöl verbraucht, bis ein importierter Liter Mineral auf dem Schweizer Tisch steht. Das entspricht einer Menge von 169 Millionen Liter Erdöl, die allein für den Transport von Wasser im Jahr 2014 aufgewendet wurde. Zum Vergleich: So viel Rohöl lief bei der Katastrophe der «Exxon Valdez» 1989 in den Prinz-William-Sund vor Südalaska. Mit seinen Importmarken Vittel, Perrier, San Pellegrino und Aqua Panna trägt allein der Nahrungsmittel-Multi Nestlé einen Grossteil dazu bei.

Der Preis entscheidet nicht

Mineralwasser fliesst jahrzehntelang unterirdisch. In den Gesteinsschichten wird es nicht nur gefiltert und gereinigt, sondern es löst dort auch wertvolle Mineralien wie Magnesium, Sulfat, Calcium, Natrium oder Floride. Mineralwasser wird, so die Definition, in seiner ursprünglichen Reinheit am Quellort abgefüllt. Warum also in die Ferne schweifen, wenn es in hierzulande so viel gutes Wasser gibt?

«Grundsätzlich gilt das Prinzip Angebot und Nachfrage», erklärt Marcel Kreber, Generalsekretär des SMS. Dabei spielen der Preis, die Qualität und der Geschmack eine Rolle. Neueste Tests zeigen aber, dass der Preis oft nur wenig über die Qualität eines Mineralwassers aussagt. Im September 2014 schickte der K-Tipp 20 der meistverkauften stillen Mineralwasser ins Speziallabor, um den Gehalt an Uran und anderen Verunreinigungen zu untersuchen. Dabei erhielten nur Marken wie Eptinger und Volg das Prädikat «sehr gut». Das teure San Pellegrino und Henniez schnitten schlechter ab.

Nicht am Test teilgenommen hat Knutwiler. Suter ist aber überzeugt, dass die Qualität des Luzerner Wassers weiterhin überzeugen wird. «Wir haben das Glück, dass wir hier ein sehr reines und ausgewogenes Mineralwasser haben», sagt er und kann einen gewissen Stolz darüber nicht ganz verbergen.

Stefan Suter, Mineralquelle Bad Knutwil AG: «Wir befinden uns in einem harten Verdrängungsmarkt.» (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Stefan Suter, Mineralquelle Bad Knutwil AG: «Wir befinden uns in einem harten Verdrängungsmarkt.» (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

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