KONSUM: Die Euro-Noten bleiben knapp

Der abrupte Taucher des Euro wirft viele Fragen auf. Zu welchem Kurs werden Einkäufe mit Kreditkarten abgerechnet? Kann ich Euros vorbestellen? Hier die wichtigsten Punkte.

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Diese Bankkundin war noch rechtzeitig: Sie holte sich am Montag am Bankomat der LUKB an der Pilatusstrasse Euro. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Diese Bankkundin war noch rechtzeitig: Sie holte sich am Montag am Bankomat der LUKB an der Pilatusstrasse Euro. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Hans-Peter Hoeren

Vergangener Donnerstag um kurz nach 12 Uhr. Der Euro-Mindestkurs ist seit rund eineinhalb Stunden Geschichte. Ein Mann kauft an einem Postschalter im Aargau Euro. Für die 1000 Euro zahlt er immer noch 1200 Franken. Gemessen an dem damals aktuellen Eurokurs waren das über 180 Franken zu viel, wie das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» in der gestrigen Sendung berichtete. Die Postfinance hat auf den Fauxpas reagiert. Bei Eurobezügen und Überträgen in Euro am Postschalter, die nach Donnerstag, 10.30 Uhr, erfolgt sind, erfolgt eine Korrektur des Kurses auf 1.05 Franken, da der Kunde den Kurs nicht vorher sieht», sagt Mediensprecher Richard Pfister.

Postfinance setzte Handel aus

Die Aufgabe des Euro-Mindestkurses hat gerade in den ersten Stunden manche Bank auf dem falschen Fuss erwischt. Die Postfinance beispielsweise hatte nach der Ankündigung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) den Devisenhandel vollständig ausgesetzt. «Die Massnahme erfolgte zum Schutz der Kunden, da an den Devisenmärkten keine adäquate Preisbildung stattfand», sagt Unternehmenssprecher Richard Pfister auf Anfrage. In der besagten Poststelle im Aargau konnte man aber auch nach 12 Uhr Euros kaufen. Wie lief es bei den anderen Banken?

Die Luzerner Kantonalbank (LUKB) unterscheidet zwischen Systemen, die eine Echtzeitanbindung an den Devisenmarkt haben, und solchen, die manuell aktualisiert werden müssen, wie die Bancomaten. Die Systeme mit Echtzeitanbindung seien in den ersten Stunden nach dem SNB-Entscheid teils mit einer Verzögerung von 5 Minuten abgerechnet worden, sagt LUKB-Mediensprecher Roger Müller. Dies sei jedoch auf einer relativ aktuellen Basis des Marktpreises erfolgt. Devisengeschäfte ab einer gewissen Höhe seien mit den Kunden vor Ausführung telefonisch besprochen worden. Die Wechselkurse der Bancomaten seien in den Stunden nach dem SNB-Entscheid regelmässig manuell aktualisiert worden, so Müller. Bei der Bank Valiant sei der automatische Devisenhandel nach dem SNB-Entscheid ausgesetzt und um 13.30 Uhr wieder aufgenommen worden, sagt Valiant-Sprecher Marc Andrey.

  • Bancomaten: Seit Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat ein Run auf Euronoten eingesetzt. «Die Nachfrage war in der ganzen Schweiz zeitweise sehr gross und ist auch heute noch überdurchschnittlich», sagt Richard Pfister von der Postfinance. Der Bezug von Euro-Bargeld sei weiterhin eingeschränkt und nicht an allen Postomaten und nur beieinem Teil der Poststellen möglich,ergänzt Pfister.Er erwarte, dass sich die Situation bis Mitte Woche entspanne. Bestellungen von Euro-Bargeld im E-Finance (Reisezahlungsmittel) und via Bestellformular seien zurzeit nicht möglich. Bei der LUKB hat man die Bancomaten vor dem Wochenende nochmals aufgefüllt. Dennoch war die Nachfrage am Wochenende so gross, dass an zahlreichen Bancomaten irgendwann keine Euros mehr vorhanden waren, wie LUKB-Sprecher Roger Müller bestätigt. Aktuell sei der momentane Tagesbedarf knapp gedeckt. Entspannter war die Situation bei der Bank Valian t;hier sollen am Wochenende nur einige der rund 210 Bancomaten keine Euros mehr gehabt haben.

  • Kreditkarten-Abrechnung: Wer in den vergangenen Tagen mit der Kreditkarte in der Eurozone eingekauft hat, für den ist nicht der Kurs des Transaktionsdatums, sondern der Tag der internationalen Verarbeitung entscheidend. Das ist der Tag, an dem die Transaktion bei den Abrechnungszentren von Mastercard oder Visa eingereicht und verarbeitet wird. «Der Kurs zum Zeitpunkt der internationalen Verarbeitung ist nicht zwingend mit dem Kurs des Kaufdatums identisch», sagt LUKB-Sprecher Roger Müller. In der Regel würden Transaktionen einen Tag nach dem Kaufdatum verarbeitet. Abweichungen von mehreren Tagen seien aber durchaus möglich.

Es sei also durchaus möglich, dass ein Kauf vom vergangenen Mittwoch mit dem günstigen Kurs vom Freitag abgerechnet worden sei. Der Wechselkurs für Euro in der internationalen Verarbeitung betrug am vergangenen Donnerstag 1.2204 Franken und am Freitag 1.0393 Franken. Grundlage für die Umrechnung von Kreditkartentransaktionen in Fremdwährung ist der Devisenverkaufskurs verschiedener Schweizer Grossbanken. Der Kurs wird einmal morgens fixiert, in der Regel zwischen 9 und 9.30 Uhr. Bei der Postfinance wurden am vergangenen Donnerstag sämtliche abgewickelten Kreditkarten-Transaktionen zum UBS-Devisenkurs vom Donnerstagabend respektive späten Donnerstagnachmittag umgerechnet.

  • Eurobezug: Wer Euro kaufen will, kann dies auch über ein Eurokonto bei seiner Bank machen. So besteht vielfach die Möglichkeit, im E-Banking vom Sparkonto Geld auf das Eurokonto zu übertragen und auf diese Weise Euro zu kaufen. «In den vergangenen Tagen wurde eine deutlich überdurchschnittliche Anzahl an Eurokonten bei der LUKB neu eröffnet», sagt Mediensprecher Roger Müller. Auf eine weitere Dienstleistung macht die Postfinance aufmerksam. Dort kann man Bargeld in Euro und in rund 80 anderen Fremdwährungen mittels Formular bestellen. Das Geld wird durch die Swiss Bankers Prepaid Services AG nach Hause oder an den Arbeitsplatz geliefert. Voraussetzung für die Nutzung des Services ist der Besitz eines Kontos mit ausreichender Deckung.