KONSUM: Die Landi baut kräftig um

Landi wächst stark im Detailhandel. Das will die Konzernleitung besser nutzen. Dabei haben kleine Läden ausgedient. Allein 8 Standorte in der Zentralschweiz sind von der Schliessung betroffen.

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Gleiches Konzept in der ganzen Landi: So wie der Landi-Markt in Rothenburg sollen in Zukunft alle Läden der Landi-Genossenschaft gestaltet sein. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Gleiches Konzept in der ganzen Landi: So wie der Landi-Markt in Rothenburg sollen in Zukunft alle Läden der Landi-Genossenschaft gestaltet sein. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Rüebli oder Kartoffeln von der Landi landen in vielen Schweizer Kochtöpfen. Doch mit den Produkten der Landi lässt sich nicht nur ein feiner Gemüseeintopf kochen. Mit ihrem breiten Sortiment von 11 000 Produkten ist die Fenaco-Tochter längst zu einer ernsthaften Konkurrenz für die angestammten Schweizer Detailhändler geworden.

Was zum Beispiel nur wenige wissen: Die Genossenschaft ist der grösste Händler für Rasenmäher in der Schweiz. Rund 38 000 von 55 000 im Jahr 2012 verkauften Rasenmähern gingen bei der Landi über den Tisch. Seit diesem Frühling verkauft die Landi sogar kleine Motorräder. In kurzer Zeit waren 1000 «Tell-Scooter» vergriffen. Der Stückpreis lag zwischen 1600 und 3000 Franken. Das sorgt für Umsatz. «Wir stehen zu unserem Auftrag, die Schweizer Landwirte bei der wirtschaftlichen Entwicklung zu unterstützen», sagte Martin Keller, Geschäftsführer der Fenaco, Ende Mai in Bern. Damit die Landi diesen Zweck aber besser erfüllen könne, betreibe sie Zusatzgeschäfte, die Gewinn abwerfen, heisst es im Leitbild.

Umsatz stieg um fast 100 Prozent

Die Landi befindet sich auf der Überholspur im Schweizer Detailhandel. «Von rund 2,2 Milliarden Franken im Jahr 2007 stiegen die Umsätze auf 3,8 Milliarden Franken im Jahr 2012», berichtet Josef Sommer, Leiter der Division Landi und der Fenaco Zentralschweiz mit Sitz in Sursee. Neben landwirtschaftlichen Produkten und Treibstoffen erwirtschaftete die Landi 2012 mit 38,4 Prozent aber erstmals den grössten Anteil ihres Umsatzes im Detailhandel (siehe Kasten). Das entspricht 1,45 Milliarden Franken. «Dabei ist auch der Umsatz unser Tankstellenshops», erläutert Sommer. Zum Vergleich: Aldi Suisse hatte im Jahr 2011 1,5 Milliarden Franken erwirtschaftet.

Längst kaufen nicht mehr nur Bauern bei der Landi ein. «Die Struktur der Landi-Kunden hat sich verändert. Auch Städter mit Haustieren oder zahlungskräftige Hausbesitzer, die über einen Garten verfügen, schätzen das spezielle Angebot der Landi», bestätigt Thomas Hochreutener, Detailhandelsexperte der GFK Switzerland mit Sitz in Hergiswil.

Langfristig 150 Genossenschaften

Die Führungsmannschaft der Landi hat deshalb den Strukturwandel eingeleitet. «Aus zwei mach eins», verkündete Keller. Um mehr zahlungskräftige Kunden in die Märkte zu bringen, soll aus zwei Landi-Läden ein moderner Landi-Markt entstehen. Kleine Standorte, die nicht mehr den Ansprüchen der Kunden entsprechen, sollen langfristig verschwinden.

Um laufende Kosten zu senken, werden Landi-Genossenschaften zwar bereits seit Jahren zusammengelegt. Von ehemals 600 Genossenschaften sind heute nur 220 übrig geblieben. «In Zukunft sind aber noch weitere Fusionen geplant», sagt Sommer. Langfristig sollen 150 Genossenschaften in der Schweiz übrig bleiben.

Damit die betroffenen Landi-Läden ihr veraltetes Konzept ablegen, muss Sommer allerdings die unterschiedlichsten Interessen unter einen Hut bringen. «Das ist eine schwere Aufgabe», erzählt er. Es sei manchmal ähnlich wie bei einer Fusion von Feuerwehren. Doch die Argumente liegen klar auf Sommers Seite. So konnte der durchschnittliche Umsatz einer Landi von ehemals 6,5 auf heute knapp 20 Millionen Franken gesteigert werden.

Neubau in Schattdorf

Das jüngste Beispiel einer Landi-Fusion liegt im Kanton Uri. Dort werden derzeit die Genossenschaften Erstfeld und Attinghausen unter dem Namen «Landi Uri AG» zusammengeführt. In Schattdorf findet aktuell der Aushub für den neuen Landi-Markt statt. Die beiden alten Standorte werden anschliessend geschlossen. «Wir erstellen ein Netz von Läden, die alle eine bestimmte Mindestgrösse haben», sagt Sommer. Nicht nur die Produkte sollen attraktiver präsentiert werden können, die Landi soll auf diese Weise als Marke fit gemacht werden für die Zukunft. Hierfür ist ein einheitliches Erscheinungsbild wichtig.

Neue Märkte in Schwyz und Luzern

«Alle neuen Läden sind deshalb gleich aufgebaut», erzählt Sommer. Der neue Landi-Markt in Schattdorf ist daher so konzipiert wie diejenigen in Rothenburg (siehe Bild), Wolhusen, Oberkirch, Stansstad oder in Schötz, wo bereits Landi-Märkte gebaut wurden. Auch in Schwyz; der Laden in Weggis wurde bereits geschlossen zu Gunsten des neuen Marktes in Küssnacht.

Das Konzept der modernen, grosszügigen Landi-Märkte hat sich bezahlt gemacht. «Ein kleiner Landi-Laden erzielt heute im Schnitt 2 Millionen Franken Umsatz pro Jahr», erklärt Sommer. Hier liege mehr Potenzial. Der Umsatz pro Laden könne verdoppelt werden. Dies steigere die Ertragskraft der gesamten Genossenschaft.

Derzeit gibt es 320 Landi-Läden in der Schweiz. Die Möglichkeiten seien laut Sommer noch nicht ausgeschöpft. Die Landi-Leitung will daher das bestehende Netz auf 220 Filialen reduzieren. Auch die Region ist betroffen. «Die Genossenschaften in der Zentralschweiz werden nicht um Schliessungen herumkommen», sagt Sommer. In der Zentralschweiz werden 8 Läden ihren Betrieb einstellen. Über die Standorte wollte Sommer keine Angaben machen. Landi-Mitarbeiter sollen sich keine Gedanken machen. «Wir werden mittelfristig 50 bis 80 neue Standorte bauen», sagt Sommer. Allein 4 neue Landi-Märkte seien aktuell in der Zentralschweiz geplant – Sommer nannte neben Schattdorf die Orte Reiden und Sarnen.

Bernard Marks

Dynamik liegt im Detailhandel

Die Landi- und Fenaco-Genossenschaften bilden die Landi-Fenaco-Gruppe. 220 Landi-Genossenschaften gehören den Landwirten, die Fenaco ist die Dachorganisation. Sie beliefert die Bauern mit Futter und Dünger. Umgekehrt liefern die Bauern der Landi Produkte, und die Fenaco vermarktet sie. 320 Landi-Läden führen 11 000 Artikel. Die Landi-Genossenschaften beschäftigen rund 6000 Mitarbeiter. Das Geschäft macht die Landi mit dem Verkauf von Lebensmitteln oder Produkten des täglichen Bedarfs (38,4 Prozent) sowie mit dem Vertrieb von landwirtschaftlichen Produkten (31,3 Prozent) und Treibstoffen wie Benzin, Öl oder Holzpellets (27,6 Prozent). Die Gesamtumsätze aller Schweizer Landi-Genossenschaften in den Bereichen Agrar, Detailhandel sowie Brenn- und Treibstoffe haben sich in den vergangenen sechs Jahren fast verdoppelt.

bm