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KONSUM: Die Preise kommen ins Rollen

Für Schweizer Detailhändler wird das Jahr 2015 zur Herausforderung. Um die Konsumenten im Land zu halten, fallen die Preise.
Die jüngste Aufwertung des Frankens hat den Preiskampf im Detailhandel weiter verschärft. Coop-Chef Joos Sutter kündigte bei der Bilanzmedienkonferenz weitere Preissenkungen an. (Bild: Keystone/Patrick Straub)

Die jüngste Aufwertung des Frankens hat den Preiskampf im Detailhandel weiter verschärft. Coop-Chef Joos Sutter kündigte bei der Bilanzmedienkonferenz weitere Preissenkungen an. (Bild: Keystone/Patrick Straub)

Bernard Marks

«Es ist Besorgnis erregend», sagte eine Teilnehmerin am Rande der Coop-Medienkonferenz gestern in Basel. Denn am Wochenende bleiben die Schweizer Innenstädte vor allem in grenznahen Regionen zunehmend leer. «Die Leute kaufen im Ausland ein», erzählte sie weiter. Und das durchaus komfortabel mit dem öffentlichen Verkehr. Bequem geht es zum Beispiel per Tram von Basel über die deutsche Grenze zum Shoppen.

Rund 10 Milliarden Franken gaben Schweizer im Jahr 2014 im grenznahen Ausland aus. Nach dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Mindestkurs von 1.20 zum Euro aufzuheben, ergibt sich für den Schweizer Detailhandel ein bedrohliches Bild für die Zukunft. Der starke Franken (Kurs 1.064 Franken zum Euro) beflügelt den Einkaufstourismus erneut, hatte sich dieser seit einiger Zeit doch auf einem erträglich hohen Niveau eingependelt. «Der günstige Umtauschkurs lockt nun auch diejenigen für einen Einkauf ins Ausland, die bisher darin keinen Sinn gesehen haben», sagt die Teilnehmerin.

Druck auf Detailhandel bleibt hoch

Zwar sind bereits die Preise in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen (siehe Grafik). Dieser Trend dürfte auch in diesem Jahr anhalten. Der Druck auf die Schweizer Detailhändler bleibt weiterhin hoch. Allein im Januar sanken die Preise für Importgüter so stark wie seit Jahren nicht.

Trotzdem fordern Konsumentenschützer weitere Preisabschläge in der Schweiz. «Aufgrund der aktuellen Frankenstärke müssten importierte Produkte deutlich günstiger in der Schweiz sein. Noch immer werden jedoch Währungsvorteile nur vereinzelt an die Schweizer Kundschaft weitergegeben», sagt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz. «Die Konsumentenpreise werden in der Schweiz stärker nachgeben als im Jahr 2014», prognostiziert Andreas Christen, Ökonom bei der Credit Suisse. Im Schweizer Detailhandel bahnt sich eine regelrechte Preisschlacht an.

Es tobt ein Preiskampf

«Angesichts der Frankenstärke wird es in diesem Jahr schwierig zu wachsen», sagte denn auch Joos Sutter gestern in Basel anlässlich der Präsentation des Jahresergebnisses (siehe Box). Nach dem SNB-Entscheid hat Coop die Preise von über 2300 Produkten gesenkt, dies laut Sutter auch zu eigenen Lasten, denn Coop kaufe nur rund 8 Prozent der Waren in Euro ein. Der Basler Grossverteiler plant weitere Preissenkungen. Bis zum kommenden Montag (23. Februar) sollen gar 4500 Produkte billiger sein. Im Gang seien zudem Verhandlungen mit Lieferanten, die eine grosse Wertschöpfung in Euro erzielen, vor allem auch mit Markenherstellern.

Auch die Migros will erzielte Einsparungen in der Beschaffung grundsätzlich an ihre Kunden weitergeben. «Selbstverständlich gibt die Migros auch die Preisvorteile aufgrund der Frankenstärke weiter», sagt Migros-Sprecherin Martina Bosshard auf Anfrage. Seit Montag, 26. Januar wurden bei der Migros zum Beispiel die Preise von Früchten und Gemüse aus dem Euroraum um 10 bis 30 Prozent gesenkt. «Bei Produkten aus dem Euroraum, welche die Migros in Schweizer Franken bezahlen muss, setzen wir uns bei den Importeuren mit Nachdruck dafür ein, dass wir bessere Preise bekommen», sagt Bosshard weiter. Anfang Februar wurden zudem alle Produkte der Marken Pantene, Vanish, L’Oréal Studio Line und Hipp um mindestens 10 Prozent günstiger.

Am 10. Februar senkte die Migros die Preise aller Artikel der Marken Boursin, Philadelphia und Wasa sowie aller Coca-Cola-Produkte, aller Heinz-Ketchups und des gesamten Tetley-Schwarztee-Sortiments im Schnitt um 10 Prozent. Mit dem Markenhersteller Procter & Gamble konnte die Migros einen Verhandlungserfolg erzielen und gibt Vorteile im Einkauf direkt an die Kunden weiter. Seit Sonntag, 15. Februar, sind deshalb bei der Migros sämtliche Produkte, welche direkt von Procter & Gamble (P & G) bezogen werden, im Durchschnitt 12,5 Prozent günstiger. Zum Portfolio von P & G gehören Marken wie Pampers, Gillette, Always, Head & Shoulders, Kukident oder Tampax. «Der Anteil der Waren, die die Migros direkt in der EU beschafft, liegt im einstelligen Prozentbereich. 80 Prozent des Sortiments sind Eigenmarken der Migros», sagt Bosshard. 75 Prozent der in der Migros verkauften Lebensmittel kommen aus der Schweiz.

Auf mittlere Sicht glauben Konjunkturforscher, dass nicht nur die Preise nachgeben werden. «Wir rechnen damit, dass die nominalen Detailhandelsumsätze im Jahr 2015 sichtbar zurückgehen werden», sagt CS-Ökonom Andreas Christen.

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