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KONSUM: Ein Lächeln für Schweizer Käse

Schweizer Käse hat es im Ausland schwer. Auch immer mehr Schweizer Konsumenten bevorzugen billigen Industriekäse aus dem Ausland. Das soll sich ändern.
Die Moderatorin Michelle Hunziker wirbt in Deutschland, hier an einem Emmentaler-Anlass in Köln, und in Italien für Schweizer Käse. (Bild: DPA/Henning Kaiser)

Die Moderatorin Michelle Hunziker wirbt in Deutschland, hier an einem Emmentaler-Anlass in Köln, und in Italien für Schweizer Käse. (Bild: DPA/Henning Kaiser)

Bernard Marks

Wer könnte schöner für den Schweizer Emmentaler lächeln als Michelle Hunziker (38). Die TV-Moderatorin lässt nicht nur so manches Männerherz aus dem Takt geraten, jetzt soll sie dem Emmentaler im Ausland auf die Sprünge helfen. «Emmentaler ist ein Gefühl von Heimat für mich», sagte sie kürzlich bei einem Auftritt in Köln. Denn der wichtigste Exportkäse der Schweiz, fast drei Viertel der Produktion sind für den Verkauf im Ausland vorgesehen, hat es zunehmend schwer. Die Exporte gingen bis November im Vergleich zum Vorjahr um knapp 10 Prozent zurück (siehe Grafik). Prominente wie Hunziker sollen nun dabei helfen, den Absatz des Emmentalers vor allem in Ländern wie Italien und Deutschland anzukurbeln.

Tilsiter auf Erfolgskurs

Einkaufstourismus, billiger Käse aus dem Ausland und einbrechende Käseexporte: Die Schweizer Käsehersteller kämpften in diesem Jahr an mehreren Fronten. «Das Jahr 2015 war schwierig für uns», sagt Markus Baumann (62). Seit 2003 leitet er die Geschäfte von Sbrinz in Sursee. Bei Sbrinz werde man zwar wie im Vorjahr im Inland 1350 Tonnen erreichen. Der meiste Sbrinz wird in der Schweiz selbst konsumiert. Doch das Geschäft im Ausland harzt. Die Sbrinz-Exporte gingen bis November um rund 20 Prozent zurück. Auch Appenzeller AOP und Le Gruyere mussten Einbussen hinnehmen. Preissensible Käsesorten wie beispielsweise Mozzarella haben im Export Marktanteile verloren. Einzig beim Switzerland Swiss und Tilsiter stieg der Absatz im Jahr 2015 markant. Mit dem rezenten, halbharten Rohmilchkäse unter dem Namen «Swizz­rocker» steigerte Tilsiter die exportierte Menge gegenüber dem Vorjahr, vor allem in Deutschland. Bis November wurden 54 635 Tonnen Käse exportiert. Über 40 Prozent gingen davon nach Deutschland.

Produktion gedrosselt

Ein wesentlicher Grund für die Absatzschwäche bei den wichtigsten Käsemarken ist der starke Franken. «Der Beschluss der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Mindestkurs zum Franken aufzuheben, hat Schweizer Exportprodukte wie den Käse stark verteuert», sagt Martin Rüegsegger. Er ist zuständig für das Ressort Wirtschaft, Politik und Internationales bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP). «Appenzeller, Gruyere, Emmentaler: Käse aus der Schweiz war bisher schon teuer. Nach dem Franken-Schock glauben selbst die Hersteller, dass die neue Preisexplosion vielen Gourmets den Appetit verdirbt», hiess es damals in einem Artikel in der Tageszeitung «Die Welt». «Der starke Franken vermiest dem Milchverarbeiter Emmi das Exportgeschäft», schrieb die «Handelszeitung».

Mit dem Qualitätsargument hatten es die Schweizer Käsehersteller bislang geschafft, Jahr für Jahr mehr Käse im Ausland abzusetzen, zuletzt rund 38 Prozent der Produktion. Allein die Exporte nach Deutschland wuchsen in den Jahren zwischen 2010 und 2014 um rund 40 Prozent. Doch das Jahr 2015 brachte einen regelrechten Dämpfer.

«Im Nachhinein betrachtet haben Sortenorganisationen wie beispielsweise Le Gruyere AOP, Appenzeller oder Tete de Moine AOP richtig gehandelt», sagt Rüegsegger. Diese hatten nach dem Entscheid der SNB kurzfristig die Produktion gedrosselt, um nicht Wertschöpfung zu opfern und die Preise nach unten anzupassen. «Bei denjenigen Käsesorten, bei denen Preisanpassungen vorgenommen wurden, konnte man die Mengen nur gering oder überhaupt nicht steigern», sagt Martin Rüegsegger.

Importe nehmen zu

Nicht nur im Ausland, auch in der Schweiz hat es der heimische Käse nicht leicht. Rund 21 Kilogramm Käse isst jeder Schweizer pro Jahr. Doch traditionelle Käsesorten büssten in diesem Jahr hierzulande an Bedeutung ein und standen entweder im Wettbewerb zu regionalen oder aber zu ausländischen Produkten. Denn immer mehr Käse wird in die Schweiz importiert.

In den vergangenen acht Jahren ist der Anteil von Käse aus dem Ausland stetig gestiegen und macht heuer rund 30 Prozent des Gesamtkonsums aus. Folglich nimmt tendenziell auch der Preisdruck für Schweizer Käseproduzenten hierzulande zu. «Gekauft wird schliesslich nach dem Portemonnaie», sagt dazu Markus Baumann.

Der Anteil an ausländischem Käse ist auch in diesem Jahr erneut gestiegen. Die Käseimporte im November 2015 betragen 4585 Tonnen. Gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet dies eine Zunahme von 248 Tonnen oder plus 5,7 Prozent. Die Importmenge für das laufende Jahr beträgt laut SMP 50 358 Tonnen und liegt um 1457 Tonnen oder 3,0 Prozent höher als im Vorjahr. Über die Hälfte der Zunahme sei auf Importe aus Deutschland zurückzuführen. Von dort werde vor allem «Billigware» importiert, die in Hotels, Restaurants und Kantinen zum Einsatz komme. Die Gastronomie bestellt grosse Mengen Industriekäse, der unter 5 Franken pro Kilo kostet. Da können Schweizer Käsehersteller preislich nicht mithalten. Für Markus Baumann ein Missstand. «Schweizer sollten vermehrt zu Schweizer Produkten stehen», sagt er.

Kaum Besserung in Sicht

«Insgesamt gab es 2015 auf dem Heimmarkt viel Druck auf den Schweizer Käse», bestätigt auch Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker. In Europa befinde sich derzeit viel und günstiger Käse auf dem Markt, der auch auf den Schweizer Markt drängt. «Dies, weil einerseits die Aufhebung der EU-Milchquote insgesamt zu mehr Milch auf dem Markt geführt hat, und andererseits mit dem Embargo gegen Russland ein für einige europäische Käseproduzenten wichtiger Abnehmer weggefallen ist», sagt Umiker. Die Exporte in die USA laufen zwar gut, dafür sind laut Sibylle Umiker aber die Käseexporte ins europäische Ausland tendenziell schwierig.

«Die Situation bleibt für den Schweizer Käse auch weiterhin im In- und Ausland sehr angespannt», sagt der Experte Martin Rüegsegger mit dem Blick auf das neue Jahr. Der Preisdruck wegen der Billigware aus dem umliegenden Ausland sei in Zukunft in der Schweiz nicht zu unterschätzen. «Die Auslobung der Swissness, wie dies die Werbeträgerin Michelle Hunziker im Ausland vermitteln will, könnte vielleicht eine Antwort darauf sein», denkt Rüegsegger. Ein weiterer Ansatz sei für ihn der Bezug zu den regionalen Produkten, welcher von Schweizer Konsumenten in der Regel gut angenommen wird.

Appenzell schützt Marke in China

Das Volkswirtschaftsdepartement von Appenzell Innerrhoden hat kürzlich in China eine Klage zum Schutz der Marke «Appenzell» gewonnen. Ein Lebensmittelkonzern aus Qingdao kann den Namen deshalb nicht wie beabsichtigt ins chinesische Markenregister eintragen lassen. Die Bezeichnung «Appenzell» habe in China einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad. Ein Lebensmittel-Grosskonzern in Qingdao, im Osten der Volksrepublik China, wollte 2010 beim chinesischen Markenamt die Marke «Appenzell» für Milch- und Milchprodukte anmelden. Der Kanton Appenzell Innerrhoden wehrte sich dagegen und reichte eine Klage ein.

sda

Die Käseexporte 2015 im Vergleich zu 2014. (Bild: smp/ Janina Noser)

Die Käseexporte 2015 im Vergleich zu 2014. (Bild: smp/ Janina Noser)

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