KONSUM: Fairer Fisch fürs österliche Fest

Die steigende Nachfrage nach Fisch lässt die Preise explodieren. Besonders schonend gefangener Fisch ist in der Regel teuer. Trotzdem raten Experten, auf die Herkunft des Fisches zu achten.

Bernard Marks
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Fischerin Sabina Hofer im Bootshaus der Fischerei Hofer in Meggen. (Bild Eveline Beerkircher)

Fischerin Sabina Hofer im Bootshaus der Fischerei Hofer in Meggen. (Bild Eveline Beerkircher)

Frühmorgens um 5 Uhr beginnt der Arbeitstag für Sabina Hofer aus Meggen. Die 41-Jährige ist eine von wenigen Berufsfischerinnen, die es heute in der Schweiz noch gibt. «Jetzt vor Ostern ist bei uns Hochbetrieb», sagt sie beim Treffen mit unserer Zeitung. Denn viele Menschen in der Region bereiten sich auf das bevorstehende Osterfest vor. Am Karfreitag steht in vielen Haushalten traditionell Fisch auf dem Speiseplan.

Im Vierwaldstättersee leben 30 Fischarten. Vor allem Hecht, Seeforellen, Felchen und natürlich Egli sind derzeit besonders beliebt bei den Kunden der Fischerei Hofer. «Wer bei uns im Laden einkauft, kann sicher sein, dass der Fisch frisch ist», sagt Sabina Hofer. Denn, weil der Fisch direkt aus dem naheliegenden See stammt, fallen weite Transportwege weg. Obwohl die Fischerin allein aus diesem Grund Fisch aus der Schweiz bevorzugt, kauft sie auch ab und zu Fisch aus dem Ausland. Dabei achtet Hofer stets darauf, dass der Fisch nachhaltig, schonend und möglichst wild gefangen wurde. Auch die Herkunft des Fisches zu kennen, ist ihr wichtig. «Deshalb sollte man sich an der Fischtheke oder direkt beim Fischer vor dem Kauf eingehend beraten lassen», rät Hofer.

Fisch aus kritischen Quellen

Fisch liegt in der Schweiz im Trend – nicht nur kurz vor Ostern, sondern das gesamte Jahr. Kaum ein anderes Lebensmittel legte in den vergangenen Jahrzehnten so kräftig zu. Der Pro-Kopf-Konsum stieg in der Schweiz seit 1980 um rund 3 Kilo auf heute mehr als 9 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte pro Jahr. Die Menge der konsumierten Fische und Meerestiere stieg laut der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande in den letzten 25 Jahren um rund 60 Prozent auf gesamthaft 74 573 Tonnen an (siehe Grafik). Das ist ein Rekordwert. Der grösste Teil davon wird in die Schweiz importiert. «Ein grosser Teil der Fischimporte stammt nach wie vor aus überfischten Beständen», sagt dazu Corina Gyssler vom WWF Schweiz. Für 400 Gramm Seezunge sterben zum Beispiel bis zu 2,4 Kilo andere Lebewesen als Beifang. «Diese verschwendeten Ressourcen machen je nach Fischereien bis zu 90 Prozent aus», kritisiert Gyssler. Bei der tropischen Crevetten-Fischerei sei der Beifang besonders gravierend. «Konsumenten empfehlen wir deshalb, bei importiertem Fisch aus Wildfang auf das Label MSC und bei Zucht auf Bio zu achten», sagt Gyssler.

Migros und Coop stellen um

Coop und Migros haben darauf bereits reagiert: Die Migros hat im vergangenen Jahr sogar angekündigt, bis 2020 das ganze Sortiment von Fisch und Meeresfrüchten aus nachhaltigen Quellen zu beziehen. Heute beträgt der Anteil bereits 94 Prozent. «Bei den bedienten Theken stammen ab Januar dieses Jahres 100 Prozent des Sortiments aus nachhaltigen Quellen – Migros hat damit eine Pionierrolle im Schweizer Detailhandel inne», sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel. Der Anteil Biofisch am Zuchtfischsortiment betrage 15 Prozent, der Anteil MSC-Fisch am Wildfangsortiment 46 Prozent. Coop verfügt gemäss eigenen Angaben über das grösste Biofischsortiment. Rund 65 Prozent des Wildfangsortiments stammten derzeit aus MSC-zertifizierter Fischerei.

Preise weltweit gestiegen

Die Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten steigt nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit. Die Menschen konsumieren derzeit rund 140 Millionen Tonnen Fisch und Meeres­früchte pro Jahr. Der Fischpreisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) liegt auf Rekordniveau. Das hat Folgen für Schweizer Konsumenten – sie müssen mehr zahlen. Bei einzelnen Fischprodukten aus Asien verzeichnete Coop innerhalb der letzten fünf Jahre eine Verdoppelung des Preises. Noch heftiger sei der Aufschlag bei Tintenfisch aus Asien ausgefallen. Hier verteuerte sich das Produkt um 100 Prozent in zwei Jahren von 4 Dollar auf 8 Dollar pro Kilogramm. Im August 2012 lag der Marktpreis für ganzen Frischlachs um 40 Prozent tiefer als Ende des Jahres 2013. Trotz steigender Preise bleiben Schweizer Konsumenten dem Fisch bisher treu – doch wie lange noch?

Inlandproduktion ankurbeln

Eine Möglichkeit, vom Weltmarkt unabhängiger zu sein und gleichzeitig nachhaltigen Fisch zu produzieren, bietet die Fischzucht in der Schweiz. Die gesamte Inlandproduktion an Fisch deckt mit rund 3100 Tonnen pro Jahr lediglich einen geringen Teil des Fischbedarfs der Schweiz. Die Zuchtbranche steuerte bisher lediglich 1200 Tonnen dazu bei. Das soll sich ändern. Zahlreiche Zuchtprojekte sind bereits in der Umsetzung oder stehen kurz davor.

So stehen in den nächsten Monaten einige Premieren an: Unter anderem die erste Zanderzucht der Schweiz. Auch Zentralschweizer Bauern wollen vermehrt in die Fischzucht einsteigen (wir berichteten). Das Projekt «Fisch vom Buur» könnte die Schweizer Fischzucht deutlich steigern. Bauern sollen Fische als Nebenerwerb züchten. «100 Tonnen Fisch pro Betrieb ist das Ziel», sagt Projektleiter Georg Portmann vom Innovationstransfer Zentralschweiz ITZ. «Die Migros begleitet ‹Fisch vom Buur› eng und hat das Projekt auch finanziell unterstützt», sagt Weibel. Doch technische Probleme verzögern das Projekt.

Achten Sie auf die Labels

Tipps bm. Das Fischlabel MSC steht für eine unabhängig zertifizierte, nachhaltige Fischerei. Die Fische und Meeresfrüchte kommen immer aus Wildfang. ASC steht für eine zertifizierte, verantwortungsvolle Zucht. Die Fische und Meeresfrüchte stammen immer aus Aquakulturen, welche unabhängig kontrolliert und zertifiziert werden. Bio/Naturafarm steht für Fische und Meeresfrüchte, die Biofutter erhalten und in grosszügigen Gehegen im Süss- oder Meerwasser leben. Schweizer Fisch stammt aus Schweizer Wildfang oder Aquakultur. Tipps über empfehlenswerte Fischarten und Fangmethoden gibt es auch auf der Ratgeber-App des WWF für iOS und Android.