KONSUM: Gutes Geschäft zu später Stunde

Der Handel in der Schweiz ist im Umbruch. Die Umsätze stagnieren. Schweizer nutzen gerne Randzeiten zum Einkauf. Doch die Politik will das einschränken.

Bernard Marks
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Die Detailhändler kämpfen um die lukrativen Tankstellenshops. Migros und Coop haben je 252 Läden. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Die Detailhändler kämpfen um die lukrativen Tankstellenshops. Migros und Coop haben je 252 Läden. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Wenn nach einem langen Arbeitstag der Kühlschrank leer ist, bleibt oft nur noch der Lieferservice per Telefon. Einfacher und manchmal sogar schneller ist der Einkauf im gut sortierten Tankstellenshop in der Nachbarschaft gleich um die Ecke. Immer mehr Schweizer kaufen auf diese Weise ein, denn sie haben weniger Zeit. «Für mehr Menschen wird der tägliche Einkauf heute daher oft zu einer Belastung», sagt Peter Fickentscher, Mitglied der Geschäftsleitung des Marktforschungsinstituts GFK Switzerland, gestern in Zürich.

Stagnation im Detailhandel

Die neue Studie «Detailhandel Schweiz 2013» von GFK mit Sitz in Hergiswil belegt, dass sich das Kaufverhalten der Schweizer Konsumenten zwar rasant verändert. Aber die Umsätze bewegen sich im Schweizer Detailhandel seit einigen Jahren nur wenig vom Fleck. Im Jahr 2012 stiegen die Verkäufe zwar um 500 Millionen Franken auf 96,8 Milliarden Franken. Das ist aber nur eine Steigerung von 0,5 Prozent. Das marginale Wachstum fand jedoch nicht in den etablierten Shoppingcentern statt. Im Emmen-Center lagen die Verkäufe beispielsweise im Jahr 2012 mit 255 Millionen Franken nur knapp auf Vorjahresniveau. Auch im Zugerland Steinhausen verbuchten die Betreiber mit 218 Millionen Franken weniger Umsatz, ebenso zeigte sich auch die Entwicklung im Surseepark, wo man mit 199 Millionen Franken den Umsatz des Jahres 2011 nicht erreichen konnte. Im grössten Schweizer Einkaufszentrum, im Glattzentrum, sank der Umsatz von 634 auf 620 Millionen Franken.

Tankstellenshops mit mehr Fläche

2012 waren neben dem boomenden Online-Handel die kleinen Satellitenläden und Tankstellenshops die Gewinner im Schweizer Detailhandel. Die Umsätze in diesen modernen Tante-Emma-Läden steigen seit Jahren an. Lagen die Verkaufserlöse im kleinflächigen Detailhandel 2005 noch bei 3,9 Milliarden Franken, liegen sie im Jahr 2012 das erste Mal bei über 5 Milliarden Franken. Und die Shops werden grösser. «200 bis 300 Quadratmeter grosse Shops verdrängen heute mehr und mehr die kleinen Tankstellenshops», erläutert der GFK-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener. Entsprechend grösser wird dadurch das Sortiment. Auch die Anzahl der Tankstellenshops stieg im Jahr 2012 weiter an (siehe Grafik). Der Markt ist umkämpft. Die grossen Detailhändler Migros und Coop liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide Grossverteiler haben derzeit auf nationaler Ebene 252 Tankstellen- und Conve­nience-Shops.

Aber auch kleinere Anbieter drängen auf den Markt. Wie zum Beispiel die Handelskette Spar. Diese hatte im Jahr 2012 rund 45 Tankstellenshops von Contashop übernommen. Auch Denner stieg 2012 in den Markt ein. Unter anderem eröffnete die Migros-Tochter an sieben Standorten neue Läden im Kleinformat. «Der Denner Express soll als Nachbarschafts- respektive Quartier­laden wahrgenommen werden», heisst es in der Beschreibung auf der Internetseite. Ein Denner Express bietet dem Kunden ein Grundsortiment an Lebensmitteln zu Discount-Preisen, aber auch regionale Produkte an.

24-Stunden-Betrieb umstritten

Nachhaltig und flexibel will der Kunde von heute einkaufen. Er nutzt dabei alle Kanäle, um sich zu informieren. «Neben Nachhaltigkeit sind auch längere Öffnungszeiten ein Kundenbedürfnis», sagt Fickentscher. In der Schweiz gibt es 23 Tankstellenshops, die 24 Stunden am Tag geöffnet haben, zwischen 1 und 5 Uhr aber nur einen Teil ihres Sortiments anbieten dürfen. Das soll sich nach dem Willen des Bundesrates und des Parlamentes ändern. Das Volk hat darüber das letzte Wort, nachdem die «Sonntagsallianz» erfolgreich das Referendum ergriffen hat. Bis zur Abstimmung über die Liberalisierung der Öffnungszeiten von Tankstellenshops dauert es noch drei Monate. Kritiker sehen durch die langen Arbeitszeiten die Gesundheit und das Sozialleben von Arbeitnehmern in Gefahr.

Aldi Suisse auf Rang 7

«Der Schweizer Detailhandel ist im Wandel», sagt Hochreutener. Trotzdem dominieren Migros und Coop weiterhin den Schweizer Detailhandel. Die Migros steht mit 14,3 Milliarden Franken Umsatz an erster Stelle. Coop folgt mit 14 Milliarden auf Rang 2. An 3. Stelle liegt Denner vor Manor. Aldi Suisse hat es auf den 5. Rang geschafft, dies innert sieben Jahren seit dem Markteintritt in die Schweiz. Landi erreicht mit einem Plus von 4 Prozent den 7. Rang vor Ikea, die erstmals die Milliardengrenze erreichten.