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KONSUM: Kleine fahren den Grossen davon

Regionale Lieferdienste haben Hochkonjunktur. Kunden schätzen das flexible Einkaufen und den persönlichen Kontakt. Sie können sich sogar gegen Grossverteiler durchsetzen.
Bernard Marks
Mobil, schnell und freundlich: Severin Mattes bringt Lebensmittel vom «Quartierlade» in Luzern direkt zum Kunden nach Hause. (Bild Nadia Schärli)

Mobil, schnell und freundlich: Severin Mattes bringt Lebensmittel vom «Quartierlade» in Luzern direkt zum Kunden nach Hause. (Bild Nadia Schärli)

Die Milch ist alle, das Joghurt bereits abgelaufen, das Brot ist längst hart. Wer am Abend nach getaner Arbeit nach Hause kommt, findet oftmals keine Zeit und Musse einzukaufen. Immer mehr Menschen lassen sich aus diesem Grund den Einkauf bequem nach Hause liefern.

Davon profitiert zum Beispiel der Luzerner «Quartierlade». Im Jahr 2012 hat der Verein Wärchbrogg, der geschützte Werkstätten betreibt, das Geschäft samt Hauslieferdienst übernommen. Letzterer läuft immer besser. Mitarbeiter Severin Mattes (23) und seine Kollegen haben täglich alle Hände voll zu tun, um die steigende Zahl der Bestellungen abzuarbeiten. «Nicht selten kommt es vor, dass wir die schweren Sachen die Treppen hinauftragen und anschliessend in den Kühlschrank einräumen», erzählt er. Dabei fällt auch meistens noch ein kleiner Schwatz mit dem Kunden ab.

Kunden werden jünger

«Wir erleben eine stetige Zunahme der Nachfrage», erzählt der stellvertretende Geschäftsleiter von Wärchbrogg, Rolf Forster (46). Und er ist überzeugt davon, dass das Potenzial für lokale Bringdienste noch lange nicht ausgeschöpft ist. Denn aus eigener Praxis weiss Forster: «Das Angebot wird heute nicht mehr nur von Rentnern genutzt. Die Kunden des Quartierladens werden jünger», sagt Forster. Oft seien es junge Singles oder auch Doppelverdiener, die keine Zeit mehr finden, den täglichen Einkauf zu erledigen.

Dabei überzeugt die Kunden laut Forster auch das spezielle Sortiment des Quartierladens. Eine Mischung aus Markenprodukten und vielen regionalen Spezialitäten gefalle der Kundschaft. «Die Preise sind bei uns nicht höher als andernorts, die Lieferung nach Hause kostet zwischen 5 und 10 Franken», erzählt Forster. Bestellt wird bequem per E-Mail, Telefon oder Fax. Der Kunde bestimmt, wann geliefert wird.

Grosse kommen an ihre Grenzen

Für den Fall, dass man seinen schweren Einkauf nicht selber nach Hause tragen möchte, gibt es allein in der Stadt Luzern zahlreiche Möglichkeiten. Der Velokurier Luzern bietet zum Beispiel mit «Ding Dong» einen Lieferservice vom Laden bis vor die Haustür an. Auch die IG Arbeit bringt den privaten Einkauf mit dem «Shopping-Taxi» direkt nach Hause. War das Segment bisher in der Hand der Schweizer Grossverteiler, die zweistellige Wachstumsraten erzielen konnten (siehe Grafik), haben grosse Anbieter wie LeShop oder Coop@home, derzeit mehr Mühe zu wachsen. In jüngster Zeit flachen die Wachstumskurven ab.

Mühe mit Wachstum

Dominique Locher ist seit dem Jahr 2000 bei LeShop, der zum Migros-Konzern gehört. Ab 1. Oktober 2013 wird er die Geschäftsleitung des Unternehmens übernehmen. «Die meisten Kunden bestellen bei uns ihren Wocheneinkauf», erläutert der 44-jährige Locher. Der durchschnittliche Einkauf bei LeShop betrage 242 Franken. «Ein Warenkorb, der 70 Kilo schwer ist», sagt Locher nebenbei. Und das sei deutlich mehr als ein durchschnittlicher Warenkorb im klassischen Detailhandel. «Dieser liegt zwischen 30 und 35 Franken», so Locher. Die Produkte bei LeShop kosten so viel wie im Laden. Einzig eine Gebühr von 7.90 Franken (bei einem Einkauf ab 200 Franken) wird für die Lieferung fällig. «Diese ersetzt Kosten für Benzin oder die Gebühren für das Parken», so Locher. Der Kunde schätze auch die Möglichkeit anzugeben, wann geliefert wird.

Auch wenn die Verkaufszahlen bei 150 Millionen Franken pro Jahr stagnieren, ist Locher zuversichtlich, in Zukunft wieder wachsen zu können. Grund dafür ist das Einkaufen über das Smartphone. «In 30 Prozent der Fälle bestellen die Kunden heute bereits über ein mobiles Endgerät», erklärt Locher. Im 1. Quartal 2013 waren dies 27 Prozent, vor zwei Jahren waren es 8 Prozent. Zudem kommen offenbar mehr Haushalte auf den Geschmack, bei Le­­Shop.ch einzukaufen. Im ersten Halbjahr 2013 nahm die Zahl der Erstkunden im Vergleich zum Vorjahresquartal um 36 Prozent auf 19 700 Haushalte zu.

Coop holt langsam auf

LeShop ist noch Marktführer beim Online-Einkauf für Lebensmittel in der Schweiz. Doch die Konkurrenz holt auf. Coop@home wächst seit Jahren zweistellig, berichtet Coop-Sprecher Urs Meier. Noch liegt der Umsatz aber weit hinter dem von LeShop. Die wachsende Beliebtheit von Coop@home zeige, dass der Detailhändler mit seinem Konzept auf dem richtigen Weg ist. Der Vorteil von Coop@home liege laut Meier in kundenfreundlichen Lieferfristen (dem sogenannten Butler-Service), d. h., die Lieferung kommt bis an die Haustüre zur gewünschten Zeit – stundengenau. «Im Vergleich zum Ausland sehen wir, dass der Lebensmittel-Online-Handel in den nächsten Jahren in Bezug auf Wachstum noch lange nicht an seine Grenzen stossen wird», ist Meier überzeugt. Auch Coop hofft auf den Einkauf über das mobile Endgerät. Eine genaue Prognose über das künftige Wachstum wolle Coop aber keine stellen. Anders als bei LeShop werden bei Coop aber auch realistische Töne laut. Coop@home sei heute noch eine Nische und erwirtschafte nur einen geringen Anteil des Gesamtumsatzes. Dies sei etwa so viel, wie eine grosse Filiale im Jahr einnehme.

Sowohl Coop als auch Migros glauben aber, dass der Trend zum Online-Einkauf weitergeht. Für Daniel Locher ist klar: «Für die kommende Generationen wird der Online-Lebensmittel-Einkauf zur Selbstverständlichkeit.»

Experten sind skeptisch

«Lebensmittel zu (fast) jeder Zeit einkaufen zu können, wird wichtiger», bestätigt auch die Studie «Die Zukunft des Einkaufens» vom Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) und dem Beratungsunternehmen KPMG. Die Studie untersucht Perspektiven für den Lebensmittelhandel in Deutschland und der Schweiz. Danach befindet sich die gesamte Einzelhandelsbranche in einem rasanten Umbruch. Einer der Autoren ist Jürg Meisterhans von KPMG. Er glaubt, dass die kleinen Anbieter gegenüber den grossen Anbietern von Lieferservices für Lebensmittel in Zukunft einen entscheidenden Vorteil haben: «Nach wie vor gute Perspektiven für Wachstum haben kleinflächige Geschäfte und Convenience-Shops, welche emotional wie auch funktional überzeugen und nicht dauerhaft hohen Logistikkosten ausgesetzt sind», sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. «Bei den Bringdiensten ist die Logistik eine grosse Herausforderung. Die Kosten der letzten Meile sind verhältnismässig hoch», sagt er.

Der Laden als Begegnungsort

Lieferdienste seien zwar bequem, aber «es gibt nach wie vor auch viele Konsumenten, die es sich nicht vorstellen können, Lebensmittel online einzukaufen», sagt der Experte. Ihnen würde dabei das «Feeling» fehlen, die Lebensmittel zu sehen und zu erleben. Zudem sei der Lebensmitteleinkauf an und für sich für viele Menschen ein Erlebnis. Der traditionelle Laden sei nach wie vor eine Begegnungsstätte für viele Menschen. Aus diesem Grund werde der Online-Anteil im Food-Markt in der Schweiz laut Meisterhans auch in Zukunft moderat bleiben. Dazu passt auch die Erkenntnis, dass die Umsätze von Coop@home und LeShop zusammen erst bei rund 1 Prozent des gesamten Detailhandelsumsatzes liegen.

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