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KONSUM: Migros’ ehrgeiziges Versprechen

Der Skandal ums Pferdefleisch brachte es zu Tage: Importiertes Fleisch entspricht oft nicht Schweizer Richtlinien für das Tierwohl. Die Migros will das ändern – ein ambitioniertes Projekt.
Bernard Marks
Die Migros-Trutenproduktion in Ungarn kann den Schweizer Standard für artgerechte Tierhaltung bereits erfüllen. (Bild: PD)

Die Migros-Trutenproduktion in Ungarn kann den Schweizer Standard für artgerechte Tierhaltung bereits erfüllen. (Bild: PD)

Sobald die ersten Sonnenstrahlen zum Vorschein kommen, beginnt die Grillsaison. Damit steigt auch der Fleischkonsum in der Schweiz. Jeder Bewohner und jede Bewohnerin isst im Schnitt 52 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Fast die Hälfte davon ist Schweinefleisch – gefolgt von Rindfleisch und Geflügel. 2013 konsumierten die Schweizer insgesamt 430 000 Tonnen verkaufsfertiges Fleisch. Rund 20 Prozent davon musste importiert werden.

Während die Inlandproduktion bei Rind- und Schweinefleisch hoch ist, muss die Schweiz insbesondere beim Geflügel und bei den Eiern rund 50 Prozent des Bedarfs einführen. Auch beim Schaffleisch liegt der Importanteil bei etwa 60 Prozent, beim Pferdefleisch sogar bei über 90 Prozent.

Das importierte Fleisch ist zwar billig, doch vielfach werden die Tiere unter erbärmlichen Bedingungen gezüchtet. Das Tierwohl entspricht längst nicht Schweizer Standards. Massentierhaltung, tierquälerische Transporte oder tiefe Tierschutzstandards: Die Bedingungen, unter denen im Ausland Nutztiere gehalten werden, stehen in der Kritik. Der Pferdefleisch-Skandal brachte verworrene Lieferwege und falsche Deklarationen ans Licht. Statt aus reinem Rind bestand die Füllung der Lasagne in vielen Fällen aus Pferdefleisch.

Schweizer Detailhändler führend

Coop und Migros wollen sich indes dafür einsetzen, dass ihr verkauftes Fleisch nicht nur nachhaltig produziert wurde, sondern auch den strengen Schweizer Richtlinien für den Tierschutz entspricht. Nachdem der Schweizer Tierschutz STS dem Detailhändler Coop die beste Tierschutzleistung attestiert hatte, erhielt die Schweizer Detailhändlerin kürzlich auch noch eine unabhängige Bestätigung ihres Engagements für das Tierwohl: Der Business Benchmark on Farm Animal Welfare (BBFAW) attestiert der Schweizer Detailhändlerin demnach Höchstleistungen im Bereich Tierwohl. Von 70 untersuchten Unternehmen weltweit geht Coop als bestes hervor.

Auch Migros schneidet im Vergleich mit den meisten internationalen Konzernen deutlich besser ab – und das soll noch besser werden. Die Migros hat sich im Rahmen von Generation M das Ziel gesetzt, bis Ende 2020 die hohen Schweizer Tierwohl-Standards auch bei all ihren Produkten aus dem Ausland einzuführen. «Wir haben uns mit diesem Versprechen in der Tat sehr weit vorgewagt. Es wird sicher einige Jahre dauern, das Versprechen umzusetzen», räumte sogar Migros-Chef Herbert Bolliger kürzlich in einem Interview mit der «Lebensmittelzeitung» ein. Doch erste Erfolge seien bereits zu sehen. Bei der Kaninchen- und Trutenproduktion hat die Migros mit Partnern in Ungarn bereits die Vorgaben umgesetzt, die eine artgerechte Tierhaltung wie in der Schweiz garantieren: Den Tieren steht jetzt mehr Platz zur Verfügung. Zudem können die Truten jederzeit raus in den Aussenklimabereich. Dies ist ein überdachter Wintergarten, der rund 20 Prozent der gesamten Stallfläche einnimmt. Seit November 2013 wird das ungarische Fleisch der Truten in den Filialen der Migros angeboten. Als nächster Schritt steht die Umstellung des Poulet-Im­-ports an.

Preis schaut in die Zukunft

Das Versprechen sorgt indes für Vorschusslorbeeren für die Migros. Für das Engagement fürs Tierwohl wurde der Migros vergangene Woche der Swiss Ethics Award verliehen. Das Swiss Excellence Forum verleiht alle zwei Jahre einen Ethik-Award an Unternehmen, die sich durch besondere ethische Leistungen auszeichnen.

«Für die Migros hat vorausschauendes Handeln Tradition», sagt Felix Meier, Geschäftsleiter der Genossenschaft Migros Luzern, der den Preis vergangene Woche im KKL Luzern entgegennehmen durfte. Der Swiss Ethics Award freue ihn daher sehr. Der Award würdige, dass sich die Migros als erste Detailhändlerin umfassend für die artgerechte Haltung von Nutztieren im Ausland einsetze, so Meier.

Die Jury des Swiss Ethics Awards zeichnete damit das Engagement der Migros aus, obwohl das Projekt noch nicht vollständig umgesetzt ist. Die Migros verkauft zwar überwiegend einheimisches Fleisch, aber bei einigen Nutztieren ist sie wegen des zu kleinen einheimischen Angebots auf Importe angewiesen. Bernhard Kammer, Leiter Entwicklung Nachhaltigkeit Beschaffung beim Migros-Genossenschafts-Bund: «Zweifelsohne haben wir uns ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Für zahlreiche Projekte müsse die Migros zuerst Partner finden, um die Verbesserungen beim Tierwohl umzusetzen. «Hier werden wir sicherlich auch Rückschläge erleiden», sagt Kammer. Die Migros werde aber alles daran setzen, das Versprechen bis im Jahr 2020 umzusetzen.

Hinweis

Mehr zum Thema Tierschutz lesen Sie im ersten Bund der Luzerner Zeitung auf Seite 5.

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