Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

KONSUM: Migros verliert die Lust an Vögele

Die Migros hat ihren Anteil an Charles Vögele weiter reduziert. Jetzt greift der Zuger Hedgefonds Teleios beim Modehaus zu.
Der neue Ankeraktionär Teleios sieht in Vögele noch viel Potenzial – im Bild eine Verkaufssituation in einer Charles-Vögele-Filiale. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Der neue Ankeraktionär Teleios sieht in Vögele noch viel Potenzial – im Bild eine Verkaufssituation in einer Charles-Vögele-Filiale. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Bernard Marks

Es ist noch gar nicht so lange her, als die Migros der stärkste und verlässlichste Partner beim Traditionsunternehmen Charles Vögele sein wollte. Doch von dieser einstigen Treue und dem starken Rückhalt der Migros zum angeschlagenen Modehaus ist nicht mehr viel übrig. Noch im März 2014 hielt der Migros Genossenschaftsbund rund 25 Prozent an Charles Vögele. Damals betonte die Migros stets, dass man trotz der schwierigen finanziellen Lage, in der sich die Modekette seit Jahren befindet, am Investment festhalten werde. Doch heute präsentiert sich ein anderes Bild.

Anfang Februar 2015 betrug die Beteiligung der Migros am Modehaus 14,9 Prozent. Jetzt wurde bekannt, dass der Migros Genossenschaftsbund seinen Anteil am Schwyzer Unternehmen erneut reduziert hat. Gestern lag der Aktienanteil der Migros an Vögele bei gerade einmal 11 Prozent. «Die Anlagestiftung der Migros-Pensionskasse hat ihre Beteiligung an Charles Vögele Holding AG an den Einanlegerfonds Migros AST Fonds übertragen», sagt dazu Migros-Sprecher Luzi Weber auf Anfrage unserer Zeitung. Die Fondsleitung werde durch Credit Suisse Funds AG wahrgenommen (siehe Grafik). «Diese Anlagen werden damit weiterhin für die Pensionskasse, also die Altersvorsorge der Migros-Mitarbeitenden, eingesetzt», ergänzt Weber.

Engagement als Millionengrab

Das schwindende Interesse der Migros an Charles Vögele hatte sich seit einiger Zeit angekündigt. Denn zusehends entpuppte sich das Engagement der Migros bei Charles Vögele als Millionengrab. Als die Migros im September 2008 bei Charles Vögele mit 3,16 Prozent einstieg, jubelte der damalige Vögele-Präsident Daniel Reinhard noch. Damals lag der Durchschnittspreis der Vögele-Aktien bei rund 80 Franken. Verglichen mit dem Allzeithoch der Vögele-Aktie von 320 Franken, datierend aus dem Jahr 2000, schien das ein günstiges Einstiegsniveau zu sein.

Doch vom Allzeithoch sind allenfalls Erinnerungen übrig geblieben. Reinhard hatte sich vergeblich gefreut. Bis zum Jahr 2011 erhöhte die Migros zwar ihre Beteiligung an Charles Vögele. Immer wieder kursierten gar Gerüchte über eine mögliche Übernahme des Modehauses durch den Detailhändler. Doch über die Jahre rasselte der Kurs der Vögele-Aktie weiter in den Keller. 2015 sackten die Titel auf rund 7 Franken ab. Zuletzt erholte sich der Titel wieder. Gestern Abend waren die Papiere für 10,80 Franken zu haben.

Ein Grund für die Erholung der Vögele-Aktie dürfte die Nachricht gewesen sein, dass ein neuer Investor Interesse an Charles Vögele bekundet. Der Zuger Hedgefonds Teleios nutzte das niedrige Niveau der Vögele-Anteilsscheine in jüngster Zeit für den Einstieg ins Unternehmen. Der Hedgefonds hält seit dem 30. Oktober einen Anteil von 10,13 Prozent am Bekleidungsunternehmen, teilte Charles Vögele am Montag mit. Zuletzt hatte Teleios im März einen Anteil von 5,25 Prozent gemeldet.

Die Teleios Capital Partners GmbH verwaltet Kapital amerikanischer und europäischer Investoren. Hinter dem Hedgefonds mit Hauptsitz in Walchwil steht Igor Kuzniar. Der Schweizer mit polnischer Abstimmung studierte an der Universität St. Gallen, an der London School of Economics und anschliessend in Havard. Kuzniar arbeitete zudem für das Wirtschaftsberatungsunternehmen McKinsey in Zürich.

Der junge Manager ist in Finanzkreisen kein Unbekannter. Der heute 37-Jährige war vor der Gründung von Teleios Managing Director und Partner beim New Yorker Finanzinvestor Octavian Advisors. In die Schlagzeilen kam Octavian durch einen «Putschversuch» bei der deutschen Firma Balda, die Systeme aus Kunststoff für medizinische Geräte sowie Elektronikprodukte herstellt. «Octavian hatte damals versucht, über eine ausserordentliche Generalversammlung den Aufsichtsrat aus dem Amt zu drängen, scheiterte aber damit», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung».

Auf Anfrage unserer Zeitung gibt sich Fondsmanager Kuzniar moderat. «Wir sind langfristige Investoren in europäischen Unternehmungen, die wir als stark unterbewertet betrachten», sagt er. Das Ziel sei es, mit diesen Firmen und ihrem Management zusammenzuarbeiten, um das volle Wertpotenzial zu realisieren. Dieses Ziel verfolge Teleios auch mit der Investition in den Modekonzern Vögele. «Wir können bestätigen, dass wir – wie bei allen unseren Investitionen üblich – seit dem Einstieg in Charles Vögele im Jahre 2014 im Dialog mit Management und Verwaltungsrat sind und uns darauf freuen, diesen kontinuierlich weiterzuführen», so Kuzniar.

Möglicher Schwung für Vögele

Mit diesem Glaubensbekenntnis in Charles Vögele kehrt so etwas wie Fantasie für das Schweizer Traditionsunternehmen zurück. Der angeschlagene Modekonzern hatte 2014 den Umsatzrückgang zwar nicht stoppen können. Nach einem Minus von rund 20 Millionen Franken im Vorjahr war Charles Vögele 2014 mit einem Betriebsgewinn (Ebit) von 1,6 Millionen Franken operativ aber zurück in den schwarzen Zahlen. Das Halbjahresergebnis 2015 war jedoch wieder ein Rückschlag. Grund hierfür: die Aufhebung des Euromindestkurses durch die Nationalbank im Januar. Trotz des schlechten Resultats hält die Firmenführung aber an den Zielen für das laufende Jahr fest; nach wie vor will die Modekette ein positives Ergebnis erzielen sowie den Umsatzrückgang stoppen.

Zuversichtlich stimmt das Management, dass sich die monatlichen Verkäufe seit Januar erholt haben. Zudem steht das Weihnachtsgeschäft vor der Tür. Um den Turnaround zu schaffen, will Vögele das Erscheinungsbild modernisieren. Die Präsentation sowie die Kollektion sollen übersichtlicher gestaltetet werden. Sämtliche 167 Filialen hierzulande sollen bis Ende des Jahres umgerüstet sein; im Ausland dauert es bis Ende 2017.

ZeitungVorlage

ZeitungVorlage

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.