Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KONSUM: Nachhaltig auf dem Gabentisch

Die Auswahl an Spielsachen ist riesig. Doch vielfach fehlen Informationen über Herkunft und Produktionsmethoden.
Bernard Marks
Die Auswahl an Spielsachen ist riesig. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Die Auswahl an Spielsachen ist riesig. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Sie lächelt schon seit über 50 Jahren und hält zahlreiche Rekorde – die Barbie. Besonders bei Mädchen beliebt, ist sie nicht nur die bekannteste aller Puppen, sondern auch die meistverkaufte. Pro Jahr gehen weltweit 80 Millionen Barbies über den Ladentisch. Das sind 152 Barbie-Puppen pro Minute! Hinzu kommt: Für den Handel lohnt sich das Geschäft mit der Barbie-Puppe wie mit kaum einem vergleichbaren Spielzeug.

Der US-amerikanische Spielzeugkonzern Mattel lässt die Puppe in China herstellen. Der Verkaufspreis für eine normale Ausführung liegt in der Schweiz bei rund 25 Franken. Der reine Materialwert ist hingegen rekordverdächtig niedrig. Nach Angaben der Erklärung von Bern und des deutschen Forschungsinstituts für eine gerechte Wirtschaft «Südwind» kostet eine Barbie-Puppe nicht mehr als 1,65 Franken (siehe Grafik). Rechnet man die Kosten für Produktion in China, Zölle usw. hinzu, erzielt der Hersteller einen Reingewinn von 20 Franken pro Puppe. Das lässt die Gewinne des Spielzeugherstellers Mattel sprudeln.

Vier von fünf Spielsachen aus China

Wie mit der Barbie-Puppe verhält es sich heute mit den meisten Spielsachen. Denn vier von fünf der in Europa verkauften Spielzeuge tragen den Vermerk «Made in China». Auch die grössten Schweizer Detailhändler Migros, Manor und Coop sowie Fachgeschäfte wie Franz Carl Weber, Toys ’R’ Us und kleine lokale Läden verkaufen die Markenprodukte diverser internationaler Firmen wie Hasbro, Mattel oder Disney, die alle in China produzieren lassen.

«Für die Herstellung von Barbies, Kuscheltieren oder einem neuen Lego-Bausatz schuften in Chinas Spielwarenfabriken Arbeiter bis zu 16 Stunden pro Tag», kritisiert Oliver Classen von der Erklärung von Bern. Konsumentenschützer kritisieren jedoch nicht nur die Produktionsmethoden, sondern auch die Schadstoffbelastung vieler Spielsachen aus China. Eine Untersuchung von Holzspielzeug für Kinder bis zu 3 Jahren kam im November 2013 zu einem verheerenden Ergebnis. Die Prüfer fanden Flammschutzmittel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Formaldehyd – Substanzen, die unter Verdacht stehen, Krebs erregend zu sein.

Grenzwerte für Gifte angehoben

Lutschen, kauen, klopfen, reissen, werfen: Kleinkinder machen mit ihrem Spielzeug oft alles andere als spielen. Dabei können sie Gifte, die sich im Spielzeug befinden, wie zum Beispiel Blei, Quecksilber, Barium oder Arsen aufnehmen. Wie viel davon für Kinder schädlich sein kann, ist umstritten. Die EU findet, es dürfe wieder mehr sein, und hob die Grenzwerte für solche Gifte kürzlich an. Weil auch die Schweiz diese EU-Verordnung aufgrund der bilateralen Verträge automatisch übernimmt, darf seit Juli in Schweizer Spielzeug ebenfalls mehr Blei, Quecksilber, Arsen, Antimon und Barium enthalten sein.

Doch Kritiker warnen: Die neuen Regelungen verschlechtern den Schutz vor allem für Kleinkinder, da die Grenzwerte deutlich angehoben werden. So darf der Gehalt von Barium seit Juli zum Beispiel den bisherigen Wert ums 56-Fache überschreiten. Barium kann in grösseren Mengen zu Durchfall, Erbrechen und sogar zu Herzrhythmusstörungen führen. Auch der maximal zulässige Wert für Blei darf in Spielzeug nach der neuen Reglung um fast das Doppelte überschritten werden. Blei sammelt sich im Körper an und wirkt sich negativ auf die Hirn- und Intelligenzentwicklung von Kleinkindern aus.

Spielzeuge werden in der Schweiz regelmässig auf Schadstoffe getestet. Wegen der neuen Verordnung wurden in den Laboren des Kantons Luzern in diesem Jahr Badeenten, Beissringe, Stofftiere und Knetmasse insbesondere auf Schwermetalle getestet. «Die untersuchten Artikel werden beim Spielen von den Kindern in den Mund genommen. Daher dürfen sie Schwermetalle wie Arsen, Quecksilber oder Cadmium nur in gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmengen abgeben», erläutert Silvio Arpagaus. Der 40-jährige promovierte Biologe und eidgenössisch diplomierte Lebensmittelchemiker ist seit 2011 Luzerner Kantonschemiker.

Nur Stichproben sind möglich

Diese Untersuchungen sind aufwendig. Denn die meisten Spielzeuge bestehen aus vielen verschiedenen Teilen und Materialien. «Für jedes einzelne müssen die gesetzlichen Vorschriften erfüllt sein», sagt Arpagaus. Die Verantwortung für die Einhaltung der Grenzwerte liegt vor allem beim Hersteller und dem Importeur. Denn bei der Menge an neuen Spielsachen, die jährlich auf den Markt kommen, können die kantonalen Labors nur Stichproben kontrollieren. «Wir können unmöglich jedes einzelne Produkt prüfen, das in der Schweiz auf den Markt kommt», erklärt Arpagaus.

Mit den Resultaten ist der Kantonschemiker grundsätzlich zufrieden. Alle Proben erfüllten die Anforderungen. Arpagaus räumt allerdings ein: «Wenn es nicht auch schwarze Schafe geben würde, müssten wir nicht prüfen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.