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KONSUM: Neues Leben für Plastikflaschen

Nicht nur die Migros nimmt leere Kunststoffflaschen zurück. Bald soll dies auch bei Coop überall möglich sein. Für andere Kunststoffe ist die Separatsammlung erst im Aufbau.
Ob Shampoo-, Spülmittel- oder Speiseölflaschen, die Schweizer Detailhändler Migros und Coop nehmen den anfallenden Plastikabfall zurück. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Ob Shampoo-, Spülmittel- oder Speiseölflaschen, die Schweizer Detailhändler Migros und Coop nehmen den anfallenden Plastikabfall zurück. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Pieter Poldervaart

Vier von fünf PET-Getränkeflaschen landen heute im Recycling. Ganz anders sieht es bei den meist aus Polyethylen (PE) hergestellten Shampoo-, Spülmittel- oder Speiseölflaschen aus: Für sie ist der Kehrichtsack der gängige Entsorgungsweg. Doch aus ökologischer Sicht wäre ein Recycling sinnvoll, sagt Fredy Dinkel, Co-Autor einer entsprechenden Ökobilanzstudie des Basler Büros Carbotech AG: «Wird Kunststoff separat gesammelt, sortiert und zumindest zur Hälfte zu neuen, hochwertigen Produkten verarbeitet, ergeben sich pro Kilogramm Sammelgut Einsparungen von rund zwei Kilogramm CO2 und knapp einem Liter Erdöl.» Darin eingerechnet ist der Transport des Altkunststoffs und die Tatsache, dass der nicht verwertbare Anteil in einem Zementwerk verbrannt wird und dort Erdöl ersetzt. Der dabei entstehende Nutzen ist höher, als wenn aus Plastikabfall in Kehrichtverbrennungsanlagen Wärme und Strom entstehen.

Plastikflaschen als Versuchsballon

Die Grossverteiler haben das Recyclingpotenzial der PE-Gebinde erkannt: Seit Ende 2013 nimmt die Migros in allen Filialen leere Kunststoffflaschen zurück. Die Kundschaft macht mit und spart gleichzeitig Abfallgebühren. Zusammen mit den schon seit längerem rezyklierten Milchflaschen stieg bei der Migros die Sammelmenge im vergangenen Jahr auf knapp 1700 Tonnen Polyethylen. Zwar komme es bei den Sammlungen gelegentlich zu Fehlwürfen, und andere Plastikverpackungen müssten aussortiert werden, so Migros-Sprecherin Christine Gaillet: «Insbesondere Tuben, Schalen und Nachfüllbeutel beste­hen aus unterschiedlichen Plastikarten und sind oft mit Resten verunreinigt.» Die Migros beschränkt sich deshalb auf die Rücknahme von PE-Plastikflaschen mit Deckel, was Gerüche vermeidet.

Kurz nach der Migros sprang auch Coop auf den PE-Recyclingzug auf. «Bis Ende April 2015 sind sämtliche unsere Filialen dafür eingerichtet, leere Kunststoffflaschen zurückzunehmen», so Sprecher Ramón Gander. Wo noch kein spezieller Einwurf bestehe, könne die Kundschaft das Sammelgut in die PE-Milchflaschensammlung geben. Migros und Coop nehmen die Plastikflaschen kostenlos und unabhängig von ihrer Herkunft zurück. Der Rückschub in die Verteilzentralen erfolgt zusammen mit anderem Leergut. Dadurch entstünden keine zusätzlichen Fahrten, und die Logistik könne optimal ausgelastet werden, heisst es bei der Migros. Anschliessend gelangt das Material zur Firma Innorecycling in Eschlikon TG. Diese sortiert, schreddert und wäscht das Material und bereitet es zu Regranulat auf, das vor allem im Baumaterialbereich Neukunststoff ersetzt.

Verbrenner haben keine Panik

Werden alte Kunststoffflaschen zu Kabelumhüllungen oder Dämmelementen verwertet, landen sie nicht mehr in den Kehrichtverbrennungsanlagen. Dennoch beobachtet der Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen (VBSA) die Entwicklung mit Gelassenheit: «Selbst wenn mittelfristig pro Jahr 10 000 Tonnen Plastikflaschen ins Recycling gehen, spüren wir das kaum», so VBSA-Geschäftsleiter Robin Quartier. Zwar habe Kunststoff einen hohen Heizwert und trage damit wesentlich zur Strom- und Wärmeproduktion aus der Abfallverbrennung bei. Doch im Vergleich zu den insgesamt 3,7 Millionen Tonnen Kehricht sei diese Menge relativ klein. Andere Faktoren wie der Bauboom, die Bevölkerungsentwicklung oder die Konjunktur wirkten sich auf das Abfallaufkommen viel stärker aus als das Kunststoffrecycling.

Beide Grossverteiler nehmen die Plastikflaschen gratis entgegen. Um allfällige Unkosten zu decken und die Forschung zu recyclingfreundlichen Kunststoffen voranzubringen, wird jedoch angestrebt, einen freiwilligen vorgezogenen Recyclingbeitrag auf jede verkaufte Plastikflasche zu schlagen. Vorbild sind PET, Aludosen oder Glasflaschen, bei denen das System heute schon praktiziert wird. Entsprechende Gespräche bestätigt Patrik Geisselhardt, Geschäftsführer der Dachorganisation Swiss Recycling: «Bei den PE-Flaschen dürfte ein solcher Entsorgungsbeitrag ein bis zwei Rappen pro Gebinde betragen.» Bei Migros und Coop dürfen nur leere Kunststoffflaschen eingeworfen werden, keine Folien, Tuben oder Plastikschalen. Flaschen ganz entleeren. Ausspülen ist hingegen nicht nötig. Wenn möglich zusammenpressen und Deckel zudrehen so sinkt das Transportvolumen, und es tritt keine Restflüssigkeit aus.

Recycler lancieren Sammelsack

Neben Flaschen könnte auch der übrige Kunststoff aus Haushalten gesammelt und zumindest teilweise rezykliert werden. Derzeit sind in der Schweiz mehrere Anbieter aktiv. Markus Tonner, Geschäftsleiter von Innorecycling, nimmt nicht nur das Kunststoffsammelgut der Grossverteiler ab: In gut 30 Gemeinden in der Ost- und Nordostschweiz bietet er den Privathaushalten zudem an, Kunststoffabfälle in einen separaten Sack zu werfen und diesen an eine Sammelstelle zu bringen. Neben den einfach aufzubereitenden Flaschen können auch Joghurtbecher, Käseverpackungen oder Zahnpasta- tuben zurückgegeben werden. Tonner sucht Franchiser, um das Modell auf die ganze Schweiz auszuweiten. Heute landen nur gerade 90 Tonnen Kunststoff im Recycling, das allermeiste davon sind PET und Ware aus Gewerbe und Industrie. Ein ähnliches Angebot wie Inno­recycling macht die Firma Baldini in Altdorf. In zwei Dutzend Gemeinden in den Kantonen Graubünden, Schwyz, Uri, Zürich, Aargau und Solothurn können spezielle Sammelsäcke für Kunststoffabfälle gekauft und an kommunal oder privat betriebenen Sammelstellen abgegeben werden. Der darin enthaltene stofflich verwertbare Kunststoff wird überwiegend ebenfalls bei der Inno­recycling weiterverarbeitet. Bei beiden Sammelsystemen landet rund die Hälfte des Sammelguts als Ersatzbrennstoff in Zementwerken. Dies ist für Swiss­recycling-Geschäftsführer Patrik Geisselhardt auch der Grund für Skepsis. «Wenn ein relevanter Teil des Sammelguts in die Zementwerke zur Verbrennung geht, sollte man nicht von einem Recyclingsack sprechen, sondern klar kommunizieren, dass der Inhalt zu einem beachtlichen Teil als Ersatzbrennstoff in die Zementproduktion geht.»

www.sammelsack.ch www.kunststoffsammelsack.ch

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