KONSUM: Stöckli auf Wachstum trimmen

Marc Gläser wird neuer CEO der Stöckli Swiss Sports AG. Mit dem 46-Jährigen soll bald frischer Wind in das Entlebucher Familienunternehmen einkehren.

Bernard Marks
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Marc Gläser wechselt schon Anfang Oktober zu Stöckli in die Zentralschweiz. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Marc Gläser wechselt schon Anfang Oktober zu Stöckli in die Zentralschweiz. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

«Markenstärke muss man sich erarbeiten», sagt Marc Gläser gestern Mittag bei einem kurzfristig anberaumten Treffen mit unserer Zeitung. Der studierte Betriebswirt hat sich mit der Firma Stöckli etwas vorgenommen. Er will die Marke stärken und das Unternehmen auf internationalen Wachstumskurs bringen. Dabei räumt er ein, dass seine Vorgänger in der Stöckli-Chefetage in Sachen Markenstrategie Eindrucksvolles geleistet haben. Immerhin erlangte die Firma unter der Führung der Entlebucher Familie Stöckli Weltruhm und ist heute in 34 Ländern der Welt aktiv. Doch der Marktanteil im Schweizer Skimarkt lag für Stöckli 2013 mit 11 Prozent noch hinter ausländischen Skiherstellern wie Atomic, Head oder Salomon. Auch der Exportanteil des Schweizer Traditionsunternehmens liegt derzeit lediglich bei 40 Prozent. «Das lässt sich verbessern», sagt Gläser. Er ist überzeugt, dass in der Marke Stöckli mehr Potenzial steckt, und wagte deshalb den Schritt in die Zentralschweiz. Am 1. Oktober übernimmt er die Geschäftsleitung der Wolhuser Firma Stöckli Swiss Sports AG.

«Ich hätte diesen beruflichen Schritt bestimmt nicht gemacht, wenn ich die Entwicklungsmöglichkeit für das Unternehmen nicht sehen würde», sagt er. Stöckli zu führen sei für ihn eine Herausforderung und langfristige Aufgabe. «Ich kann mir vorstellen, bei Stöckli pensioniert zu werden», sagt er. Auch bekennt sich Gläser klar zur Region als sein neues Zuhause. Erst kürzlich hat er mit seiner Ehefrau ein Haus in Hünenberg bezogen. Marc Gläser ist verheiratet und Vater zweier Söhne.

Lange im Uhrengeschäft tätig

Der 46-Jährige kann bereits auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Nach einem Studium an der Universität St. Gallen arbeitete Gläser im Brand-Management für Unilever und als Marketingmanager bei Feldschlösschen. Er war Geschäftsführer, Mitinhaber und Verwaltungsrat im Schweizer Familienunternehmen Wogg, das hochwertige Design-Möbel produziert und vertreibt. Anschliessend war er sieben Jahre für die Uhrenmanufaktur Maurice Lacroix in verschiedenen Führungsfunktionen tätig und übernahm vor zwei Jahren die Rolle des Geschäftsführers beim Luxusuhrenhersteller. Maurice Lacroix ist eine Tochtergesellschaft des Schweizer Konzerns DKSH, welcher im Geschäftsjahr 2013 einen Umsatz von 9,6 Milliarden Franken erwirtschaftete und weltweit rund 27 000 Mitarbeiter beschäftigt. Vor kurzem wurde Gläser zum Chef für das gesamte Uhrengeschäft bei DKSH befördert.

Bekenntnis zum Standort

Marc Gläser übernimmt die Geschäftsleitung von Beni Stöckli jun. Dieser hatte im Frühjahr 2014 angekündigt, die operative Führung bei Stöckli abzugeben und eine neue berufliche Herausforderung ausserhalb des Unternehmens zu ergreifen. Zuvor waren bereits seine Eltern Beni Stöckli senior und Rita Stöckli als Verwaltungsräte zurückgetreten. Das Ausscheiden der Stöcklis aus der Firma kam überraschend. Heute halten die Hinterbliebenen des verstorbenen Entlebuchers Hans Kaufmann die Mehrheit am Unternehmen. Sohn Diego Kaufmann, Mitglied des Verwaltungsrates und gleichzeitig Mehrheitsaktionär der Firma, suchte einen geeigneten Nachfolger für die Geschäftsleitung. «Mit Marc Gläser konnten wir einen CEO gewinnen, der unsere Wachstumsstrategie erfolgreich umsetzen wird», ist Niklaus Knüsel, Verwaltungsratspräsident des Unternehmens, überzeugt. Laut Knüsel möchte Diego Kaufmann die langfristige und nachhaltige Strategie seines Vater fortsetzen.

Im Rahmen der Wachstumsstrategie will der Verwaltungsrat die 10 Stöckli-Filialen und 5 Miet- und Servicefilialen sukzessive zu Markengeschäften, sogenannten Flagship-Stores, umbauen. Zudem soll das Vertriebsnetz optimiert werden. «Wir können unsere Produktion von 50 000 auf 70 000 Ski erhöhen, wenn die Nachfrage stimmt», sagt Knüsel. Stöckli wolle auch in Zukunft Qualitätsski in der Schweiz herstellen. Eine Auslagerung der Skiproduktion aus der Schweiz in Länder mit einem niedrigeren Lohnniveau sei für den Verwaltungsrat deshalb kein Thema. «Wir stehen voll zu den Firmenstandorten in Malters und Wolhusen», sagt Knüsel. Das ist eine gute Nachricht für die rund 250 Mitarbeitenden. Zudem soll das Sommergeschäft mit Mountainbikes und E-Bikes ausgebaut werden. «Hier sehen wir Möglichkeiten für Wachstum», sagt Knüsel. Die daraus erzielten Überschüsse sollen in die Wachstumsstrategie investiert werden.

Rennsport bleibt wichtig

Ein Teil dieser Strategie wird das Engagement von Stöckli im internationalen Rennsport bleiben – im Ski- und im Bikebereich. Im September hatte Stöckli zum Beispiel die St. Galler Mountainbikerin Jolanda Neff verpflichten können. Die jüngste Gesamtweltcup-Siegerin aller Zeiten in der olympischen Disziplin Cross Country wird die holländische Profi-Equipe Liv verlassen und sich der Equipe Stöckli anschliessen. Auch im Ski-Sponsoring bleibt Stöckli aktiv. Neben Tim Jitloff und Tina Maze fährt in der nächsten Saison die deutsche Skifahrerin Viktoria Rebensburg für Stöckli. «Auch müssen wir uns intensiv um den Nachwuchs im Schweizer Skisport kümmern», sagt Gläser.

Es bleibt spannend, wie sich der neue CEO bei Stöckli einleben wird. Nach 100 Tagen will der Verwaltungsrat erste Ergebnisse präsentieren.