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KONSUMRECHT: Plötzlich sind alte Kratzer neu

Im Internet häufen sich Meldungen über negative Erfahrungen mit Autovermietern. Wer die richtigen Vorsichtsmassnahmen treffe, habe aber nichts zu befürchten, sagt ein Anwalt.
Federico Gagliano
Bei der Übergabe eines Mietautos fotografiert man dieses am besten gleich, um später Diskussionen über angeblich neue Schäden zu vermeiden. (Bild: Getty)

Bei der Übergabe eines Mietautos fotografiert man dieses am besten gleich, um später Diskussionen über angeblich neue Schäden zu vermeiden. (Bild: Getty)

Federico Gagliano

Die Ferien begannen für Thomas L. (Name der Redaktion bekannt) unbekümmert: In Köln mietet er ein Auto. Die Übergabe verläuft reibungslos, am Fahrzeug ist nichts auszusetzen. Danach gehts los, kreuz und quer durch Nordrhein-Westfalen. «Alles lief wie am Schnürchen, die Hotels, das Wetter, die Ferien waren einfach toll», erzählt Thomas L. Bei der Rückgabe des Mietautos folgt dann aber der Schreck: Ein Mitarbeiter des Autovermieters sucht den Wagen gründlich ab und behauptet, zahlreiche Neuschäden gefunden zu haben. Bei den meisten handelte es sich jedoch um Gebrauchsspuren, wie sie gebrauchte Autos dutzendfach aufweisen. Thomas L. bestreitet, die Schäden verursacht zu haben. Insbesondere, da einer der «neuen» Kratzer bereits auf dem Übergabeprotokoll vermerkt war. Als er das Rückgabeprotokoll nicht unterschreibt, weigert sich der Mitarbeiter des Autovermieters, ihm eine Rückgabebestätigung auszuhändigen. L. befürchtet, die hinterlegte Kaution zu verlieren.

Übergabe in dunkler Garage

Inzwischen hat der Autovermieter den für allfällige Schäden blockierten Betrag auf der Kreditkarte von Thomas L. wieder freigegeben. Auf eine Kundenreklamation hin hält der Autovermieter aber daran fest, die Schäden zu prüfen, bemerkt aber auch, dass nicht alle Schäden schlussendlich auch wirklich geltend gemacht werden.

Für Thomas L. nimmt damit der Fall noch eine gute Wendung. Im Internet häufen sich aber die Berichte über ähnliche Fälle. Kunden beschweren sich, dass Schäden zu Unrecht geltend gemacht würden. Was tun, wenn man selbst in eine solche Falle tappt? Der Luzerner Rechtsanwalt Ueli Grüter hat einige Ratschläge parat: «Der Fall von Thomas L. ist ein gutes Vorzeigebeispiel, weil er sich eigentlich richtig verhalten hat», meint Grüter. «Der Konsument sitzt vor allem bei Fällen im Ausland am längeren Hebel. Und die publizierten Fälle zeigen, dass Autovermieter es tendenziell unterlassen, Schäden geltend zu machen, wenn sich der Mieter wehrt.»

Schweizer Gericht ist zuständig

Bereits beim Entgegennehmen des Autos müsse der Kunde Acht geben, betont Grüter. Beim geschilderten Fall wurde das Auto in einer dunklen Garage übergeben, bei der Rückgabe aber vom Mitarbeiter des Autovermieters mit einer starken Lampe auf Schäden untersucht. «Es ist deshalb nicht nur wichtig, bei der Übergabe den Wagen bei gutem Licht selbst zu kontrollieren, sondern auch gleich mit dem Handy von allen Seiten Fotos davon zu schiessen», empfiehlt Grüter.

Zentral ist es, bei der Rückgabe selbst anwesend zu sein und das Rückgabeprotokoll bei Zweifeln nicht zu unterzeichnen. Erst recht nicht, wenn Neuschäden vermerkt wurden. «Eine Unterschrift des Kunden ist bei einem Rückgabeprotokoll aus rechtlicher Sicht nicht notwendig», erklärt Grüter. «Es ist ja eine Bestätigung des Vermieters und nicht des Mieters. Zweitens setzt man so unter Umständen einen Kunden unter Druck», sagt der Luzerner Rechtsanwalt. Trotzdem sollte man darauf bestehen, dass die Rücknahme sofort vom Vermieter schriftlich bestätigt wird.

Macht die Autovermietung den Schaden danach geltend, sollte man diese darauf aufmerksam machen, dass man eine Haftpflichtversicherung und allenfalls eine Rechtsschutzversicherung mit Auslanddeckung hat. «Dies zeigt dem Autovermieter, dass man als ‹David› ein oder zwei ‹Goliaths› als Partner hat», erklärt Grüter. Das entfalte oft die entsprechende Wirkung.

Präventiv wirke auch der Hinweis, dass der Schaden zwingend am Konsumentengerichtsstand in der Schweiz geltend gemacht werden müsste. Denn der Konsumentengerichtsstand basiert auf dem Lugano-Übereinkommen zwischen der Schweiz und der EU, dessen Artikel 16 verbindlich regelt, dass der Schweizer Konsument generell für Ansprüche aus Verträgen, die er mit ausländischen Anbietern abschliesst, immer vor schweizerischen Gerichten belangt werden muss. Dies gilt neben der Automiete zum Beispiel auch für Ansprüche von Hotels und Restaurants. «Für ein ausländisches Unternehmen ist es enorm aufwendig, ein solches Verfahren zu führen. Jede Rechtsabteilung eines Anbieters wird davon abraten, sich auf einen solchen Rechtsstreit einzulassen», weiss Grüter. Seines Erachtens würde sich das für ein Unternehmen erst ab einem Betrag von mindestens 10 000 Franken lohnen.

Das Fazit für Schweizer, die Autos im Ausland mieten: Mit den richtigen Vorsichtsmassnahmen kann man teure Überraschungen am Ende der Ferien vermeiden.

Der Extra-Tipp vom Rechtsanwalt

Rechtsanwalt Ueli Grüter betont, dass Konsumenten darauf achten sollten, welche Kreditkarten sie verwenden. «Legen Sie sich eine Kreditkarte von einem Anbieter zu, der unabhängig von ihrer Bank ist. Bei einer solchen Karte muss bei einer ungerechtfertigten Belastung im schlimmsten Fall die Kreditkartenfirma gegen Sie klagen und der Betrag kann auf keinen Fall einfach Ihrem Bankkonto belastet werden.» Man soll im Ausland wenn immer möglich mit einer Kreditkarte bezahlen, deren Bezüge der Konsument persönlich bezahlt und nicht etwa der Arbeitgeber. «Damit kommen Sie in der Regel in den Genuss des sehr vorteilhaften zwingenden Konsumentengerichtsstand am eigenen Wohnort», so Grüter.

Bild: Grafik Janina Noser / Neue LZ

Bild: Grafik Janina Noser / Neue LZ

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