Brasilien
Korruptions-Affäre: Der Ölgigant Petrobras wird von Schulden gewürgt

Petrobras steht im Zentrum einer Korruptionsaffäre. Die Affäre zieht immer weitere Kreise. Mittlerweile ist der Ölgigant der höchstverschuldeste Konzern der Welt.

Regine Reibling, Quito und Andreas Schaffner
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Eine Petrobras-Ölplattform im Bau (Archiv).

Eine Petrobras-Ölplattform im Bau (Archiv).

Keystone

Einst galt der brasilianische Ölkonzern Petrobras als Aushängeschild Brasiliens. Nun ist er zum Symbol der Krise und der Korruption geworden. Und die Negativschlagzeilen reissen nicht ab.

Erst Mitte dieser Woche wurden der Fraktionschef der Regierungspartei im Senat Delcídio Amaral und der bekannte Investmentbanker André Esteves festgenommen. Sie sollen Ermittlungen im Korruptionsskandal um Petrobras behindert haben.

Esteves und besonders seine Investmentbank Pactual sind in der Schweiz keine Unbekannten. So hat Pactual im vergangenen Jahr die Tessiner BSI gekauft. Pactual gehörte ihrerseits in der Vergangenheit auch schon zum UBS-Konzern. Sie wurde 2009 in Folge der Finanzkrise wieder verkauft.

Schulden und Verluste

Der Skandal in Brasilien zieht immer weitere Kreise. Doch er ist nicht das einzige Problem, mit dem Petrobras zu kämpfen hat. Es tickt die Schuldenuhr, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg treffend.

Petrobras hat rund 130 Milliarden Franken Schulden angesammelt und ist damit der höchstverschuldete Ölkonzern der Welt. Allein für das dritte Quartal 2015 wies der Konzern einen Verlust von rund 1 Milliarde Franken aus. Investitionen mussten gekürzt werden. In den nächsten beiden Jahren stehen Rückzahlungen an, insgesamt rund 24,5 Milliarden Franken. Analysten und Investoren spekulieren bereits: Wird der Konzern restrukturiert oder droht gar ein Zahlungsausfall?

Mit einer Finanzspritze der brasilianischen Regierung kann Petrobras vorerst nicht rechnen. Finanzminister Joaquim Levy betonte Ende letzter Woche, dass das Unternehmen adäquate Ressourcen habe, um die Produktion fortzusetzen. Hilfe kommt stattdessen aus Übersee, aus Grossbritannien.

Wie der englische «Guardian» berichtete, will die britische Regierung Petrobras einen Kredit in Höhe von 511 Millionen Franken gewähren. Mit diesem Geld sollen die riesigen Öl- und Gasreserven in der Tiefsee gehoben werden.

Die wirtschaftliche Misere des Konzerns – die Schulden haben sich in den vergangenen fünf Jahren vervierfacht – hat verschiedene Gründe: Der niedrige Ölpreis, der Korruptionsskandal, die Rezession Brasiliens und die schwache Landeswährung Real, die im vergangenen Jahr deutlich an Wert gegenüber dem Dollar eingebüsst hat.

Hinzu kommt der Kapitalabfluss, ein typisches Problem der Schwellenländer. Anleger, die in den Aufschwungsjahren in aufstrebende Länder wie Brasilien investierten, haben ihr Geld wieder abgezogen. Das schwächt den Real weiter. Für Petrobras ist das prekär. Denn um die Schulden in Dollar zu bedienen, muss der Konzern deutlich mehr Real aufbringen.

Produktion normalisiert sich

Ein rund vierwöchiger Streik hat die Situation weiter zugespitzt. Tausende Arbeiter beteiligten sich und legten den Konzern im November weitgehend lahm. Der Streik gegen die geplante Privatisierung des Unternehmens ist mittlerweile beendet.

Petrobras hat jedoch deutliche Verluste eingefahren, die Produktion war erheblich eingeschränkt. Seit Anfang dieser Woche normalisiert sich die Produktion wieder, berichteten brasilianische Medien. Die Schuldenkrise lässt sich hingegen nicht so schnell beilegen.