Korruptionsverdacht: Für Regionalfürst Damien Piller wird es eng

Der Präsident der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg kommt noch stärker unter Druck. Der Widerstand innerhalb der regionalen Genossenschaft wächst.

Andreas Möckli
Drucken
Teilen
Damien Piller soll sich als Präsident der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg bereichert haben. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Damien Piller soll sich als Präsident der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg bereichert haben. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Der Westschweizer Regionalfürst Damien Piller kommt noch stärker unter Druck. Im Juli wurde der Verdacht publik, er habe sich als Präsident der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg bereichert. Fast zeitgleich reichte die Migros-Zentrale in Zürich eine Strafanzeige gegen Piller wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung ein. Der Vorwurf: Der Freiburger soll beim Bau von zwei Migros-Filialen 1,7 Millionen Franken in die eigene Tasche abgezweigt zu haben. Für Piller gilt die Unschuldsvermutung.

Nun wenden sich auch die regionalen Genossenschafter gegen Piller, wie Recherchen dieser Zeitung zeigen. Am Mittwochabend schritt der Genossenschaftsrat der Migros Neuenburg-Freiburg zur Tat. Er entzog Piller in einer Konsultativabstimmung das Vertrauen. Zudem traf das Verdikt auch die übrigen Mitglieder der sogenannten Verwaltung der regionalen Genossenschaft. Die Verwaltung bildet innerhalb der Migros das Strategie- und Aufsichtsorgan, vergleichbar mit dem Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft.

Das Votum der Genossenschaftsräte ist klar: 33 Stimmen votierten dafür, Piller und seinen Kollegen das Vertrauen zu entziehen. Lediglich ein Ratsmitglied sprach sich dagegen aus. Zudem gab es eine Enthaltung. Eine Sprecherin der Genossenschaft Neuenburg-Freiburg bestätigt auf Anfrage die Recherchen dieser Zeitung.

Droht Damien Piller die Abwahl?

Damit sind Piller und die übrigen Mitglieder der Verwaltung zunehmend isoliert. Allerdings kann der Genossenschaftsrat Piller und die übrigen Mitglieder der Verwaltung nicht abwählen. Das obliegt sämtlichen Mitgliedern der regionalen Genossenschaft, was sich Urabstimmung nennt. Der Genossenschaftsrat kann jedoch eine Urabstimmung verlangen. Dem Vernehmen nach wird der Rat nächste Woche in einer weiteren Abstimmung darüber entschieden, ob er eine Urabstimmung einberufen soll. Die Sprecherin der regionalen Genossenschaft bestätigt, dass dies eine mögliche Option sei.

Nun hat Piller auf regionaler Ebene also nicht nur die eigene Geschäftsleitung gegen sich, sondern auch den Genossenschaftsrat. An den rechtlichen Schritten gegen Piller halte die Genossenschaft Neuenburg-Freiburg fest, heisst es in der internen Mitteilung, die dieser Zeitung vorliegt. «Gegen Damien Piller besteht weiterhin der begründete, schwerwiegende Verdacht der möglichen ungetreuen Geschäftsführung.» Unabhängig von der rechtlichen Beurteilung des Falls gelte: Mit Interessenkonflikten behaftete Zahlungen und Geschäftsbeziehungen, «wie sie im Fall von Damien Piller vorliegen, widersprechen klar den Prinzipien der guten Geschäftsführung in der Migros-Gruppe».

Er lebt den Werten von Duttweiler nicht nach

Das Gebaren von Piller stösst vielen innerhalb der Migros sauer auf. Sein Verhalten entspreche nicht den Werten des Migros-Gründers Gottlieb Duttweiler. Zudem stellt sich die Frage, ob sich der Regionalfürst mit seiner Medienkonferenz in Freiburg am Dienstag vor einer Woche einen Gefallen getan hat. Es ist zumindest denkbar, dass er mit seinem angriffigen Auftritt einige Genossenschaftsräte noch mehr gegen sich aufgebracht hat als ohnehin schon.