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KOSMETIK: Spekulationen um Herbalife

Auf dem Heimatmarkt USA sinkt der Umsatz von Herbalife, einem Anbieter von Diätprodukten und Kosmetik. Kritiker führen dies auf das umstrittene Geschäftsmodell des Konzerns zurück.
Renzo Ruf, Washington
Herbalife verkauft Produkte zur Gewichtskontrolle, Nahrungsergänzungs- und Körperpflegeartikel. (Bild: Patrick T. Fallon/Getty (Carson, 4. März 2014))

Herbalife verkauft Produkte zur Gewichtskontrolle, Nahrungsergänzungs- und Körperpflegeartikel. (Bild: Patrick T. Fallon/Getty (Carson, 4. März 2014))

Renzo Ruf, Washington

Bill Ackman ist immer noch davon überzeugt, dass er seine Milliarden-Wette gewinnen wird. Im jüngst veröffentlichen Halbjahresbericht seines Hedgefonds Pershing Square weist der Finanzjongleur aus New York darauf hin, dass der Umsatz von Herbalife, einem Anbieter von Diätprodukten und Kosmetik, in den USA und Kanada im vergangenen Quartal um 18 Prozent eingebrochen sei. Ackman führt dieses Minus auch darauf zurück, dass die Aufsichtsbehörde FTC (Federal Trade Commission) seit dem vergangenen Sommer Herbalife stärker auf die Finger schaue.

Einzig ein «aggressives» Aktien-Rückkaufprogramm sei dafür verantwortlich, dass der Kurs der Herbalife-Aktie nicht eingebrochen sei. In der Tat will der Konzern in den nächsten drei Jahren 1,5 Milliarden Dollar für den Kauf eigener Aktien aufwenden.

Massive Kampagne gegen Herbalife gestartet

Man kann diese Aussagen von Ackman aber auch als Wunschdenken eines gescheiterten Spekulanten verstehen. Er hatte nämlich vor bald fünf Jahren öffentlich verkündet, dass das Geschäftsmodell von Herbalife (offiziell ein Multi-Level-Marketing-System) gegen amerikanische Gesetze verstosse, weil es einem Schneeballsystem gleiche – und der grosse Teil der Kunden auf den erstandenen Produkten sitzen bleibe und sie nicht, wie eigentlich geplant, weiterverkaufen könne. Weil er mit dem baldigen Niedergang der Firma rechnete, tätigte der Spekulant Leerverkäufe im Umfang von 1 Milliarde Dollar.

Um diesen Niedergang zu beschleunigen, startete Ackman eine massive PR-Kampagne gegen den Konzern. So liess er Dutzende geprellter «Distributors» zu Wort kommen, wie die selbstständig arbeitenden Abnehmer der Herbalife-Produkte offiziell heissen. Als die FTC im Mai 2014 eine Untersuchung gegen Herbalife aufnahm, sah sich Ackman bereits am Ziel. Und tatsächlich kam das staatliche Gremium, das einer Mischung aus Wettbewerbsaufsicht und Konsumentenschutzorganisation gleicht, zwei Jahre später zum Schluss, dass der Diätmittelkonzern grenzwertig gehandelt habe. Das Wort «Schneeballsystem» wurde in den entsprechenden Gerichtsakten zwar nicht genannt, die FTC zwang Herbalife aber eine Restrukturierung ihres US-Geschäftes auf – und verlangte die Rückerstattung von 200 Millionen Dollar an rund 350000 «Opfer» des Multi-Level-Marketing-Systems.

So weit, so gut, zumindest für Bill Ackman. Allerdings hatte der Financier seine Rechnung ohne seine Gegenspieler gemacht. Zuerst eilte Dan Loeb Herbalife zur Hilfe, der Leiter des Hedgefonds Third Point. Dann entschloss sich der knorrige Multimilliardär Carl Icahn, der sich als «Corporate Raider» einen Namen gemacht hatte, zu Beginn des Jahres 2013, bei Herbalife als Grossaktionär einzusteigen.

Icahns Motiv für diesen recht überraschenden Schritt? Eine Fehde mit Ackman, der ihn an die «weinenden jüdischen Buben» erinnere, die an seiner Primarschule jeweils verprügelt worden seien, wie er auf dem Wirtschaftssender CNBC sagte. Icahn wäre aber nicht Icahn, hätte ihn nicht auch das Geld gelockt. Deshalb stockte er seine Beteiligung schrittweise auf rund einen Viertel auf und wurde damit grösster Aktionär des Konzerns. Herbalife allerdings scheint nun der Meinung zu sein, dass Icahns Rettungsmission zu einem Ende kommen sollte. Zu Wochenbeginn gab der Konzern bekannt, dass er sich in Gesprächen mit einem Investor befunden habe, der Herbalife vollständig übernehmen und dekotieren möchte. Zwar seien diese Verhandlungen vorderhand gescheitert, aber in der New Yorker Gerüchteküche heisst es, dass der Investor weiterhin Interesse habe. Gleichzeitig verpflichtete sich Icahn, seine Beteiligung an Herbalife in den nächsten zwei Jahren nicht auf über 50 Prozent aufzustocken.

Zweifel der Investoren sind verflogen

Investoren reagierten erfreut auf diese Nachricht – und jüngst aufgetauchte Zweifel an Herbalife verflogen umgehend. Dabei war die Herbalife-Konzernspitze um Geschäftsführer Rich Goudis, Präsident Des Walsh und Finanzchef John DeSimone noch vor einigen Wochen mit kritischen Fragen eingedeckt worden, als sie die aktuellen Quartalszahlen präsentierten – über den rückgängigen Umsatz und die Probleme mit den Aufsichtsbehörden. Die Manager gaben sich aber optimistisch und verwiesen darauf, dass sie dank der Restrukturierung, die von der FTC befohlen wurde, besser denn je Bescheid über ihr Geschäft wüssten.

Der Kurs der Herbalife-Aktie pendelte sich in den vergangenen Tagen bei etwas weniger als 70 Dollar ein. Gemäss vorsichtigen Schätzungen müsste das Wertpapier auf weniger als 30 Dollar sinken, damit Bill Ackman seine Wette gewinnen würde. Dennoch ist der Spekulant davon überzeugt, dass er als Sieger vom Platz gehen wird.

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