Krankenkassenprämien
«Kostenanstieg fordert politische Lösung»

Der Anstieg der Krankenkassenprämien wird im Kanton Solothurn überdurchschnittlich hoch ausfallen.

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Krankenkassenprämien steigen bald an

Krankenkassenprämien steigen bald an

Keystone

«Bei den Zahlen des BAG zum Prämienanstieg handelt es sich vorerst noch um Prognosen», hält Guido Walser vom Amt für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn fest. Laut dem Bundesamt für Gesundheit sollen die Krankenkassenprämien auf Anfang 2010 um durchschnittlich 13 Prozent steigen.

Dem Prämienzahler im Kanton Solothurn steht laut Prognosen ein noch höherer Anstieg bevor. «Die Erhöhungen im Kanton Solothurn werden 1 bis 2 Prozent über dem Durchschnitt liegen». Dafür verantwortlich ist der Abbau der Reserven bei den Krankenkassen. Zwar unterscheidet sich die Reservequote der einzelnen Solothurner Krankenversicherer, doch im Durchschnitt sind die Reserven unter die gesetzliche Mindestquote von 11,5 Prozent gefallen.

Weil die Reservequote so niedrig ist, fällt der Prämienanstieg überdurchschnittlich hoch aus. «Steigen werden die Prämien voraussichtlich bei allen kantonalen Krankenversicherern», sagt Guido Walser. Dass die Prämien nicht in allen Kantonen um gleich viel erhöht werden, könnte nach Walser Einschätzung landesweit durchaus zu einer Angleichung unter den Kantonen führen.

«Das BAG versucht, die Schere ein wenig zu schliessen.» Mitschuldig an der Reservenminderung der Versicherer sei sicher auch die Finanzkrise, «Aber der Kostenanstieg im Gesundheitswesen ist ein grosses Problem, das rasch eine politische Lösung fordert», sagt er.

Der hohe Anstieg der Prämien habe die meisten Kantonvertreter überrascht. In Solothurn werde man erst die genauen Zahlen abwarten und dann dazu Stellung nehmen. Die definitiven Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit werden im August oder September erwartet.

Unverständnis und Frust bei Bernern

Die Berner trifft die Prämienexplosion überdurchschnittlich hart. Mit einem Anstieg der Krankenkassenprämien bis zu 15 Prozent (oder noch mehr) müssen sie rechnen. Damit bezahlen sie nun die Zeche dafür, dass letztes Jahr die Prämien mit 1,6 Prozent relativ moderat angestiegen sind. Doch bereits in den Jahren zuvor (7,6% 2007; gar 9,9% 2006) stiegen die Prämien im Kanton Bern stärker als in den meisten andern Kantonen.

Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP) reagiert auf die angekündigte Prämienexplosion für die Berner mit Unverständnis, ja sogar mit einer gewissen Frustration. «Ich bin sehr besorgt über die neue Situation, das Ganze ist unerhört.» Für Perrenoud ist klar, wer versagt hat: «Der Bundesrat hat uns angelogen, damit die Einheitskasse nicht zustande kommt», erinnert er an die Volksabstimmung vor zwei Jahren.

Die Krankenkassen hätten damals betont, alles im Griff zu haben. «Zwei Jahre später sind die Reserven bereits aufgebraucht. Das erstaunt doch mächtig.» Den happigen Anstieg im Kanton Bern begründet Perrenoud ebenfalls mit einem gewissen Nachholbedarf. Für einige der Kantone, die jetzt einen moderaten Anstieg verzeichnen, war die Prämienbelastung bereits höher als im Kanton Bern.»

Die Prämienerhöhung ist für Philippe Perrenoud ein klares Zeichen dafür, «dass unser Gesundheitssystem nicht mehr glaubwürdig ist.» Er hofft auf Bundesgelder für weitere Prämienverbilligungen. (mca/war)