Zürich
Kostenübersicht sorgt für Ärger

Im Hickhack um die Blauzungen-Impfung zeichnet sich endlich eine Lösung ab.

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Bauern

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Limmattaler Zeitung

Philippe Klein

Konflikt wird sich entschärfen

Ob die Bauern im Kanton Zürich ihre Tiere auch im kommenden Jahr gegen die Blauzungenkrankheit impfen müssen, wird in Bern entschieden. Am Montag ist dort die Vernehmlassungsfrist zur Impfstrategie 2010 abgelaufen. Wie Marcel Falk, Sprecher des Bundesamts für Veterinärmedizin (BVET) auf Anfrage sagte, sieht es aus, als ob sich die vom BVET vorgeschlagene Lösung durchsetzen wird. Konkret heisst das: Auch 2010 wird über die Schweiz wieder ein Impfobligatorium verhängt. Von Mitte Februar bis Ende Mai müssen grundsätzlich alle Rinder und Schafe gegen die Krankheit geimpft werden. Aber: Wer das nicht will, kann im nächsten Jahr ein Gesuch um Impfbefreiung stellen. Marcel Falk erklärt: «Voraussetzung dafür ist lediglich, dass man sich bis zum 12. Februar per Formular meldet und im Krankheitsfall auf Entschädigungsforderungen verzichtet.» Die Zeichen stehen also gut, dass sich der Konflikt um die Blauzungen-Impfung 2010 in Zürich entschärfen wird. Gemäss Urs Rüegg, Sprecher der kantonalen Gesundheitsdirektion, heisst die neue Vorgabe nämlich auch, dass die Sperrverfügungen, die über den Viehbestand einzelner Impfverweigerer verhängt worden ist, aufgehoben werden. In diesem Jahr hatte man einzelnen Bauern verboten, ihre ungeimpften Tiere im Sommer auf die Alp zu schicken – aus Angst, sie könnten andere Tiere anstecken. (pik)

Die Bauern, die ihre Rinder und Schafe nicht gegen die Blauzungenkrankheit impfen lassen wollten, wirbelten Staub auf: Sie pilgerten aus der ganzen Schweiz mit Kuhglocken und Transparenten nach Zürich an die Sitzungen des Kantonsrats oder an die Pressekonferenz des Regierungsrats. Sie verlangten im Kantonsrat die Schaffung einer Meldestelle für Impfschäden und die Einsetzung einer Fachgruppe, die mit Laboruntersuchungen die Wirkung des Impfobligatoriums überprüft. Dabei gibt es im Kanton Zürich nur rund ein Dutzend Bauern, die Impfungen 2009 definitiv verweigert haben.

Was kostet nun der gut organisierte «Bauernaufstand» den Steuerzahler? Auf Anfrage hat die Gesundheitsdirektion des Kantons den Aufwand zusammengetragen. Resultat: Die Kosten rund um den Fachbericht Blauzungenkrankheit betragen rund 100 000 Franken. Weil Tierseuchenfonds und Bund für einen Teil davon aufkommen, rechnet der Kanton mit rund 50 000 Franken für die neu geschaffene Meldestelle, Sachkosten wie Rundschreiben, Formulare oder Kosten für Hintergrundarbeiten der Fachgruppe - die Vertreter aus der Bauernschaft und der Politik arbeiteten hier ehrenamtlich. Nicht eingerechnet hat die Direktion einen Personalaufwand von gut 20 Personentagen, die «ohnehin angefallen wäre», wie Sprecher Urs Rüegg erklärt.

Zu tief angesetzt ...

Der Bericht ist brisant - und kaum jemand ist damit zufrieden. Während die Partei des zuständigen Regierungsrats Thomas Heiniger (FDP) die Kosten für «eher etwas tief angesetzt» hält, protestiert man bei den Impfgegnern, die Zahl sei zu hoch. Gesundheitspolitiker Oskar Denzler (FDP, Winterthur) hält das Papier für eine «relativ bescheidene Rechnung». Wenn der Kantonsrat im Frühling jener parlamentarischen Initiative zustimme, die verlangt, dass Impfschäden von obligatorischen Impfungen generell vom teilstaatlichen Tierseuchenfonds übernommen werden sollen, werden diese Kosten ansteigen. Bisher habe man das Geld aber gut eingesetzt. Es habe sich gelohnt, die mutmasslichen Impfschäden abzuklären.

... oder doch zu hoch?

Anderer Meinung ist Kantonsrat und Landwirt Michael Welz (EDU, Oberembrach). Die Kosten für das erwähnte Rundschreiben etwa seien ohnehin angefallen und hätten nichts mit den Impfschäden der Blauzungenkrankheit zu tun. Zusammenfassend meint der Impfgegner: Das «ganze Theater» um die Blauzungenimpfung wäre nie entstanden, wenn es kein Impfobligatorium oder Impfschäden gegeben hätte.