Gesundheitswesen
Krankenkasse Kolping hat schlechte Zahlungsmoral – Bundesamt ermittelt

Es sind gewichtige Vorwürfe gegen die Kolping Krankenkasse: Sie schicke Rechnungen systematisch an die Spitäler zurück und habe auch sonst eine schlechte Zahlungsmoral. Das Bundesamt für Gesundheit prüft die Vorwürfe nun.

Roman Seiler
Merken
Drucken
Teilen
Streit um Spitalbehandlungen: Die Kolping Krankenkasse steht am Pranger.

Streit um Spitalbehandlungen: Die Kolping Krankenkasse steht am Pranger.

Keystone

Krankenhaus-Manager sind sauer auf die Kolping Krankenkasse AG in Dübendorf ZH. Sie sei «ein schwarzes Schaf», heisst es auf der Website des Spitalverbands H+.

Er hat laut dessen Sprecher, Conrad Engler, den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten und die Kassenaufsicht beim Bundesamt der Gesundheit (BAG) über die Probleme mit der Kolping informiert.

Kolping-Chef Philippe Signer

Kolping-Chef Philippe Signer

Zur Verfügung gestellt

Streit um Kostengutsprachen

Die Vorwürfe sind happig. Spitäler meldeten dem Verband: «Fast systematisch werden Kostengutsprachen mit einem Begleitbrief zurückgesandt.» Gestritten wird dabei um die Frage, ob ein Patient ambulant oder stationär behandelt werden soll.

Kolping: Krach um kleine Krankenkasse

Die Kolping Krankenkasse AG in Dübendorf hat 19153 Kunden in der Grundversicherung. Davon wohnen mehr als 4200 im Kanton Zürich, mehr als 1300 im Kanton Solothurn, rund 900 im Kanton Aargau sowie mehr als 500 in den Kantonen Baselland und Baselstadt.

Die Kolping erwirtschaftete gemäss dem am letzten Mittwoch publizierten Geschäftsbericht 2014 einen Gewinn von 5,9 Millionen Franken. Davon stammen 5,7 Millionen aus dem Grundversicherungsgeschäft.

2013 erlitt die Kasse noch einen Verlust von 4,7 Millionen.

Wie viel ihre Chefs verdienen, weist die Kasse nicht aus. Im Geschäftsbericht steht nur, dass die Leasingverbindlichkeit für den Geschäftswagen des Chefs, Philippe Signer, bei der Mercedes Benz Financial Services Schweiz AG Fr. 59368.80 betrage.

Den Vorwurf, «systematisch» Kostengutsprachen abzulehnen, weist Kolping-Chef Philippe Signer zurück. Nur «unklar formulierte Eintrittsdiagnosen» würden gemäss den gesetzlichen Anforderungen überprüft. Der Kassenchef sagt aber: «Sollte ein Spital systematisch mangelhafte Kostengutsprachen einreichen, sind wir gezwungen, systematisch Abklärungen zu treffen.»

Problematisch für den Versicherten ist dabei: Solange ein Spital keine Kostengutsprache von der Kasse hat, kann die Behandlung in der Regel nicht durchgeführt werden.
Zudem beklagen sich Spitäler, die Kolping decke sie in «40 bis nahezu 100 Prozent» aller Rechnungen für Spitalbehandlungen mit «Nachfragen und Rückweisungen» ein. «Die Zahlungsmoral hat massiv nachgelassen», meldeten laut Engler Spitäler: «Rechnungen werden nicht fristgerecht bezahlt und auf Mahnungen wird kaum reagiert.»

Zudem würden «Rechnungen systematisch retourniert», beziehungsweise Zusatzberichte verlangt: «Da wird unnötig viel überprüft und reklamiert.» Ein Krankenversicherer muss nun mal genau prüfen, ob Rechnungen von Spitälern korrekt sind. Aber derart hohe Quoten von Beanstandungen seien gemäss Engler «absolut branchenunüblich» und widersprächen dem «Prinzip der Verhältnismässigkeit», sagt Engler. «Es handelt sich da um einen krassen Einzelfall.»

Prüfung dauerte zu lange

Signer bestreitet nicht, dass es Probleme mit Spitalrechnungen gegeben hat: «Es ist korrekt, dass letztes Jahr diese Prüfung zu lange gedauert hat.» Gemäss dem soeben publizierten Geschäftsbericht 2014 sei es der im letzten Frühjahr eingestellten, neuen Leiterin Leistungen gelungen, dank dem «Aufbau der notwendigen Kompetenzen» eine Leistungskontrolle umzusetzen, die gewährleiste, «dass alle gesetzlichen und internen Richtlinien korrekt» umgesetzt werden: «Diese Massnahmen führten vorübergehend zu einem hohen Rückstand in der Belegverarbeitung, der inzwischen abgebaut wurde.»

Gemäss Signer würden noch 40 Fälle aus dem letzten Jahr abgeklärt. Die Verzögerung basiere «auf fehlenden Unterlagen seitens der Spitäler». Weitere 40 noch abzuklärende Fälle beträfen Rechnungen aus diesem Jahr. Drei davon seien beanstandet worden, so Signer: «Von einer 40- bis 100-prozentigen Überprüfung kann keine Rede sein.»

Helga Portmann, Leiterin Versicherungsaufsicht beim BAG, sagt dazu: «Wir nehmen diese Hinweise sehr ernst und prüfen zurzeit, ob wir einschreiten müssen.» Sollten Gesetzesverletzungen vorliegen, könne eine Busse bis 5000 Franken ausgesprochen und die Öffentlichkeit darüber informiert werden: «In ganz schweren Fällen kann die Konzession zur Durchführung der Grundversicherung entzogen werden.»