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KRANKENKASSEN: Ein Vergleich kann Bares sparen

Bis Ende November können Versicherte ihre Krankenversicherung kündigen. Ein Preisvergleich kann sich lohnen. Vor allem für Familien gibt es grosses Sparpotenzial.
Bernard Marks
Die Krankenkassenprämien steigen deutlich stärker an als die Löhne im vergleichbaren Zeitraum. (Bild: Grafik Neue LZ / Oliver Marx)

Die Krankenkassenprämien steigen deutlich stärker an als die Löhne im vergleichbaren Zeitraum. (Bild: Grafik Neue LZ / Oliver Marx)

Es ist wieder so weit. Die jährlichen Prämienerhöhungen für die obligatorische Krankenversicherung sind per Post verschickt worden. Die Krankenkassenprämien für Erwachsene steigen laut Bundesamt für Gesundheit BAG im kommenden Jahr durchschnittlich um 4 Prozent. Doch betrachtet man die Zahlen genauer, zeigt sich, dass jeder Achte und damit rund eine Million Einwohner im Jahr 2016 für seine Grundversicherung einen Aufschlag von über 10 Prozent verkraften muss. Einige Prämienerhöhungen liegen sogar weit höher. Der höchste Aufschlag wird zum Beispiel für Kinder fällig, die im Kanton Schwyz im Standardmodell der Krankenkasse Klug versichert sind. Er beträgt sage und schreibe 72,2 Prozent.

Löhne weniger gestiegen

Schweizerinnen und Schweizer haben sich aber an die Jahr für Jahr steigenden Prämien gewöhnt. Seit rund zwei Jahrzehnten gibt es für die Kassenbeiträge nur eine Richtung – nach oben. Im Jahr 1996 bezahlte ein Schweizer durchschnittlich 173.10 Franken pro Monat für seine Grundversicherung. Damals war das neue Krankenversicherungsgesetz (KVG) in Kraft getreten, das trotz Reformen im Wesentlichen bis heute gilt. Im Jahr 2014 lag der durchschnittliche Monatsbeitrag bei 396.10 Franken. Im Vergleich dazu sind die Nominallöhne seit 1996 allerdings nur um 23,5 Prozent gestiegen. Das ist sechsmal weniger stark als die Krankenkassenprämien (siehe Grafik).

Ein Grund dafür sind die Ausgaben für das Gesundheitssystem. Diese sind seit 1996 prozentual in den meisten Jahren stärker gewachsen als das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP). 2012 lagen die Kosten für das Gesundheitswesen bei 10,9 Prozent vom BIP. Und ein Blick in die Zukunft verheisst nichts Gutes: Die KOF, Konjunkturforschungsstelle der ETH-Zürich, geht davon aus, dass die Gesundheitsausgaben gemessen am BIP bis 2016 auf 12,0 Prozent steigen werden. Hinzu kommt: Im Zuge von Sparmassnahmen wollen Kantone in den kommenden Jahren ihre Mittel für individuelle Prämienvergünstigungen kürzen. Allein der Kanton Luzern und seine Gemeinden haben angekündigt, je 1,2 Millionen Franken einsparen zu wollen. Dies hätte zusätzlich einen verteuernden Effekt auf die Prämien vieler Versicherter (Neue LZ von gestern).

Geld sparen mit oder ohne Wechsel

Der Ärger über den immer wiederkeh­renden Prämienschock für die Schweizer Versicherten ist berechtigt. «Man kann und sollte etwas gegen die ständigen Prämienerhöhungen tun», sagt Krankenkassenexperte Felix Schneuwly von comparis.ch. Es lohne sich, Prämien und die Kundenzufriedenheit zu vergleichen und zur Kasse mit dem besten Preis-Leistungserbringer-Verhältnis zu wechseln, sagt er. Manche Versicherten können sogar ohne einen Kassenwechsel Geld mit einer höheren Franchise und/oder einem Telemedizin-, Hausarzt- bzw. HMO-Modell Geld sparen, ohne dafür schlechtere Medizin zu bekommen.

Vor allem für Familien gibt es Sparmöglichkeiten. Eine Vierpersonenfamilie kann mit der optimalen Grundversicherung jährlich mehrere tausend Franken sparen, wenn sie zu einer günstigen Kasse wechselt oder das passende Grundversicherungsmodell wählt, ohne die Kasse zu wechseln. Eine 4-köpfige Familie zum Beispiel, die bei der Wincare-Versicherung bisher 15 163 Franken pro Jahr gezahlt hat, würde laut Berechnung von comparis.ch mit einer 300er-Franchise für die Eltern und 0 Franken für die Kinder bei einem Wechsel zur SLKK ins Telmedmodell (hier wendet sich der Patient vor dem Arztbesuch zunächst an eine telefonische Beratungsstelle) neu 4680 Franken pro Jahr bezahlen. Ersparnis von 10 483 Franken (siehe Box).

Gibt es dabei Risiken? «Bei einem Kassenwechsel kann man experimentieren und riskiert nichts», sagt dazu die Ombudsfrau für Krankenversicherungen, Morena Hostettler Socha. Denn in der obligatorischen Krankenversicherung könne man unabhängig vom Gesundheitszustand wechseln, weil es sich um eine Sozialversicherung handelt. Hinzu kommt laut Felix Schneuwly: «Nur der Wechsel von Kunden kann den Druck auf die Krankenversicherer für mehr Effizienz und Servicequalität erhöhen.» Dies sei gerecht, denn Kassen übten ihrerseits Druck auf Ärzte, Spitäler und andere Leistungserbringer aus. «Wer keine Kunden verliert, wird träge», sagt Schneuwly.

Keine Zusatzversicherung kündigen

Doch anders als bei der obligatorischen Krankenversicherung ist Vorsicht geboten bei der Kündigung einer Zusatzversicherung. Die Ombudsfrau Morena Hostettler Socha rät allgemein davon ab, bestehende Zusatzversicherungen zu kündigen. «Es gibt nur zwei Gründe für eine Kündigung: Entweder man braucht die Versicherung nicht mehr oder man kann sie sich nicht mehr leisten», sagt die Ombudsfrau. Wegen einer Prämieneinsparung sollte man nicht wechseln. Schnell riskiere man wegen einer unvollständig oder falsch ausgefüllten Gesundheitsdeklaration die Kündigung des Vertrages oder einen Leistungsausschluss auf Lebenszeit. Diesbezüglich sollte man wissen, dass bestehende Leiden (dazu gehört auch eine erst in ein paar Jahren fällige kieferorthopädische Zahnbehandlung bei Kindern) von der neuen Versicherung nicht abgedeckt sind. Zudem bestehe das Risiko einer Doppelversicherung, weil sich die bisherige Zusatzversicherung als ein mehrjähriger Vertrag entpuppen kann, den man nicht so ohne weiteres kündigen könne.

Einen Vergleich für Krankenkassenprämien finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/bonus

Das höchste Sparpotenzial

Preise bm. 4-köpfige Familie: Die Eltern haben eine 300er-Franchise, zwei Kinder eine Franchise von 0 Franken. Versichert im Grundmodell.

Luzern
Bisher 15 163 Franken bei der Wincare, neu 4680 Franken bei der SLKK im Telmedmodell. Eltern haben neu 2500er-Franchise, Kinder eine 600er-Franchise. Sparpotenzial 10 483 Fr.

Obwalden
Bisher 11 815 Franken bei Sanitas, neu 4102 Franken bei der Assura im Standardmodell. Eltern haben neu 2500er-Franchise, Kinder eine 600er-Franchise.
Sparpotenzial 7714 Franken

Nidwalden
Bisher 12 878 Franken bei der Sanitas, neu 4086 Franken bei der SLKK im Telmedmodell. Eltern haben neu 2500er-Franchise, Kinder eine 600er-Franchise.
Sparpotenzial 8792 Franken

Schwyz
Bisher 13 445 Franken bei der Win- care, neu 4823 Franken bei der SLKK im Telmedmodell. Eltern haben neu 2500er-Franchise, Kinder eine 600er-Franchise.
Sparpotenzial 8622 Franken

Uri
Bisher 12 564 Franken bei der Sanitas, neu 4433 Franken bei der Assura im Hausarztmodell. Eltern haben neu 2500er-Franchise, Kinder eine 600er-Franchise.
Sparpotenzial 8131 Franken

Zug
Bisher 12 014 Franken bei der Kolping, neu 4 548 Franken bei der Assura im Hausarztmodell. Eltern haben neu eine 2500er-Franchise, Kinder eine 600er-Franchise.
Sparpotenzial 7466 Franken

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