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Krankenkassenverband Santésuisse warnt vor Kostenschub

Die Kosten in der Grundversicherung sollen um 3 Prozent steigen, schätzt Santésuisse. Andere Akteure sind nicht so pessimistisch.
Andreas Möckli

Die Atempause für die Prämienzahler ist vorbei. Dieser Meinung ist zumindest der Krankenkassenverband Santésuisse. In den letzten beiden Jahren sind die Kosten deutlich weniger stark gestiegen als im langjährigen Durchschnitt von rund 3,5 Prozent. Doch damit sei nun Schluss. Santésuisse rechnet mit einem Kostenwachstum von jeweils rund drei Prozent für das laufende und das nächste Jahr.

Für die Beschleunigung sieht Santésuisse mehrere Gründe. So werde die Physiotherapie mehr Kosten verursachen. Einerseits gebe es mehr Therapeuten, andererseits wachse die Zahl der Behandlungen wie bis anhin um sechs Prozent. Ältere Menschen würden vermehrt zu Hause betreut. Dies führe zu höheren Kosten bei der Spitex.

Ein weiterer Treiber macht der Kassenverband bei den Labordiagnosen aus. Durch die steigende Zahl dieser Tests sei hier mit einem Wachstum der Kosten von fünf Prozent zu rechnen. Schliesslich würden die Ausgaben für Ärzte wieder steigen. Dank des Eingriffs des Bundesrats in den Ärztetarif Tarmed seien die Kosten bei den ambulanten Spitalbehandlungen zwar 2018 «seit Jahrzehnten erstmals zurückgegangen». Nun drohe auch hier das alte Fahrwasser: Santésuisse rechnet mit einer Kostensteigerung von fünf Prozent im nächsten Jahr. Schliesslich würden auch die Ausgaben für Medikamente weiter steigen.

Ambulante Behandlungen sind günstiger

Nicht alle Krankenversicherer sind jedoch so pessimistisch wie Santésuisse. Die beiden grössten Kassen Helsana und CSS, die mit Curafutura einen zweiten Verband gegründet haben, rechnen mit einem Kostenanstieg von knapp zwei Prozent. Im Gegensatz zu Santésuisse sehen sie weiterhin positive Effekte dank des bundesrätlichen Eingriffs in den Ärztetarif. Zwar äusserte Helsana-Chef Daniel Schmutz Anfang Jahr gewisse Zweifel, ob dieser Bremseffekt anhalten werde. «Dank der guten Ausgangslage sollten die Prämien in diesem Jahr im Schnitt aber nicht stärker als um 2 Prozent steigen.» Helsana sieht derzeit keine Anzeichen, dass der Prämienanstieg höher ausfallen wird als damals prognostiziert.

Die CSS begründet ihre Prognose mit dem Anstieg der ambulanten Behandlung. Die Spitäler führen viele Eingriffe inzwischen vermehrt so durch, dass der Patient am Morgen eintritt, behandelt wird und am Abend wieder nach Hause gehen kann. Dies ist meist günstiger. Wie die Helsana ist auch die CSS überzeugt, dass die guten Finanzzahlen des letzten Jahres zu einem tieferen Prämienwachstum beitragen werden. Santésuisse mahnt derweil diverse Gegenmassnahmen an, um das drohende Kostenwachstum von drei Prozent zu bremsen. So fordert der Verband, dass die Medikamentenpreise jährlich angepasst werden. Derzeit überprüft der Bund die Preise alle drei Jahre. Dank der erfolgreichen Lobby der Pharmaindustrie ist dieses Ansinnen nicht einmal in den politischen Prozess vorgedrungen.

Etwas besser sieht es für das Referenzpreissystem aus, das die Preise der Generika senken will. Vereinfacht gesagt will der Bund einen Höchstpreis pro Wirkstoff festlegen. Möchte ein Patient weiterhin das teurere Original, muss er die Differenz künftig selber berappen. Der Widerstand gegen das Vorhaben ist beachtlich. Neben den Generikaherstellern wehren sich auch Ärzte, Apotheker und die Spitäler dagegen.

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