KREDITAUSFÄLLE: Luzerner Kantonalbank sieht sich gut kapitalisiert

Die Luzerner Kantonalbank widerspricht einer Studie und glaubt, die Risiken im Griff zu haben. Auch der Kanton Luzern stärkt der Bank den Rücken.

Maurizio Minetti
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Eingang des LUKB-Hauptsitzes in Luzern. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Eingang des LUKB-Hauptsitzes in Luzern. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Es ist ein theoretisches Worst-Case-Szenario: Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern hat in einer Studie aufgezeigt, welche Auswirkungen Kreditausfälle bei Kantonalbanken haben könnten (Ausgabe vom 1. Dezember). Nimmt man gemäss diesem Szenario an, dass in einem Krisenfall 5 Prozent der Kredite abgeschrieben werden müssen, zeigt sich, dass der Kanton Luzern für die Luzerner Kantonalbank (LUKB) zusätzliches Eigenkapital in einem Volumen zuführen müsste, das rund 65 Prozent der jährlichen Steuereinnahmen ausmacht. In keinem anderen Kanton wäre die Quote höher als in Luzern.

LUKB-Finanzchef Marcel Hurschler hinterfragt nun den Ansatz der Studie. «Es liegt auf der Hand, dass die LUKB, die im Vergleich zur Grösse des Kantons über eine relativ hohe Bilanzsumme verfügt, hier im Vergleich zu anderen Kantonalbanken eher schlecht abschneidet», sagt er auf Anfrage. Hinzu komme, dass die relative Aufteilung zwischen Kantons- und Gemeindesteuern in jedem Kanton unterschiedlich sei, die Darstellung in der Studie jedoch nur die kantonalen Steuern einbeziehe.

Während im Kanton Luzern der Mittelwert der Gemeindesteuern klar höher sei als der Kantonstarif, liege der Mittelwert der Gemeindesteuern in anderen Kantonen wie Schwyz oder Zug deutlich unter dem Kantonssteuertarif. «Damit ist die vom IFZ ausgewiesene Kantonskennzahl aufgrund der unterschiedlichen Lastenverteilung zwischen Gemeinden und Kanton in Luzern per se schlechter», erklärt Hurschler.

Für den LUKB-Finanzchef lässt die Studie also keine Aussage über die effektive Risiko-­Exposition der einzelnen Banken zu. Tatsächlich stellt das IFZ selber auch fest, dass die relative Positionierung einer Bank keine Aussagekraft hat zur absoluten Höhe des Risikos. In der Studie geht es vielmehr um das Verhältnis zur Finanzstärke des jeweiligen Kantons. «Für Banken ist ­jedoch gerade die absolute oder effektive Risiko-Exposition die zentrale Grösse», sagt Hurschler. Aussagekräftig dafür seien das Kreditrisikomanagement, die regelmässig durchgeführten Stresstests sowie bei den Eigenmitteln die Kennzahl der Gesamtkapitalquote der risikogewichteten Aktiven nach Basel III. Das Kreditrisikomanagement sei bei der LUKB professionell ausgestaltet, und die Stresstests würden bei der LUKB regelmässig eine sehr hohe Risikotragfähigkeit ergeben, auch bei sehr negativen Szenarien. Bei der Gesamtkapitalquote, die per Ende September 16,4 Prozent betrug, liegt die LUKB im Mittelfeld der Kantonalbanken. Vergleiche man alle Banken der Schweiz, so platziere sich die LUKB mit dieser Kennzahl im ersten Viertel, sagt LUKB-Finanzchef Hursch­ler.

Gesamtkapitalquote soll weiter steigen

Auch beim Kanton Luzern nimmt man die Ergebnisse der Studie gelassen. Finanzdirektor Marcel Schwerzmann verweist ebenfalls auf die Gesamtkapitalquote von aktuell über 16 Prozent, welche die von der Finanzmarktaufsicht Finma festgelegten Zielwerte übertreffe. Gemäss der Unternehmensstrategie der LUKB bis 2020 soll diese Quote bis zum Ende des Jahrzehnts zwischen 14 und 18 Prozent liegen. Zum Vergleich: Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Quote von lediglich 12 Prozent.

«Hervorzuheben ist weiter die tiefe Belastungshöhe von Wohnbauhypotheken», so Schwerzmann. Tatsächlich liegt bei lediglich 0,4 Prozent der LUKB-Hypotheken die Belehnung auf über 80 Prozent. Für Schwerzmann ist damit klar: «Die Risiko-Exposition der LUKB bereitet dem Kanton Luzern keinen Anlass zur Sorge.»

Selbst Studienautor Christoph Lengwiler möchte nicht weiter Öl ins Feuer giessen. Er betont, dass für die Studie ein Extremszenario entwickelt worden sei, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit «sehr tief» sei. Alle Kantonalbanken seien derzeit grundsätzlich gut kapitalisiert.