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KRIENS: Sie suchen eine neue Bleibe

Das Jungunter- nehmen Relish verkauft immer mehr E-Gitarren. In Kriens stösst man deshalb langsam an die Decke. Doch in der Region gibt es keinen Platz.
Maurizio Minetti
Die Gitarren von Pirmin Giger (links) und Silvan Küng bestechen durch Design und Technik. (Bild Pius Amrein)

Die Gitarren von Pirmin Giger (links) und Silvan Küng bestechen durch Design und Technik. (Bild Pius Amrein)

Maurizio Minetti

Aus den Boxen ertönt Reggae-Musik. Drei junge Männer fräsen, schleifen und lackieren, als würden hier gewöhnliche Tische gebaut. Doch die Produkte, die hier hergestellt werden, sind alles andere als gewöhnlich. In dieser schmucklosen Werkstatt an der Krienser Dattenmatt­strasse stellt die Relish Brothers AG seit drei Jahren elektrische Gitarren her. Und das mit grossem Erfolg. Das Luzerner Start-up-Unternehmen hat schon diverse Preise und Fördergelder abgeräumt; vor einem Jahr gewann Relish den Zentralschweizer Neuunternehmer-Preis. Und vor wenigen Wochen hat Relish eine weitere Finanzierungsrunde für die weltweite Expansion abgeschlossen.

Wie viel Geld die Jungunternehmer bisher sammeln konnten, will Silvan Küng nicht verraten. Der 31-Jährige hat Relish Ende 2013 zusammen mit Pirmin Giger (32) gegründet. Dabei hatte niemand auf die beiden Krienser gewartet. Den Markt für E-Gitarren mit einem weltweiten Volumen von über einer Milliarde US-Dollar haben die grossen Marken fest im Griff. «In den letzten 60 Jahren sind aber kaum Innovationen entstanden», sagt Küng. Er und Giger sorgten ab Anfang 2014 deshalb für Aufsehen, als sie ihre «Jane» genannte E-Gitarre an Messen zeigten. Sie besteht aus einem Aluminiumrahmen und einer Vorder- und Rückseite aus Holz. Die Tonabnehmer werden nicht über einen Schalter, sondern mit Touchsensoren bedient. Die völlig neue Sandwich-Bauweise und der hohle Innenraum sorgen beim Spielen für einen längeren Nachklang als bei E-Gitarren, die aus einem einzelnen Holzblock bestehen. Dies hat vor wenigen Monaten die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa in einem Test bestätigt (siehe Box). Unüblich ist auch, dass Relish kein Tropenholz verwendet.

Kleine Schwester «Mary»

Es war die Mischung aus innovativer Technik und schönem Design, die in der Fachpresse für Furore sorgte. Trotzdem musste Relish viele Klinken putzen, um von den relevanten Akteuren wahrgenommen zu werden. Bis irgendwann der Durchbruch gelang. Das traditionsreiche US-Techmagazin «Wired» schrieb Anfang 2015: «Wenn Apple Gitarren herstellen würde, sähen sie so aus.» Mittlerweile hat Relish eine grosse Fangemeinde. Zu den Kunden zählen Weltstars wie Jack Johnson oder Phil Campbell (Motör­head), aber auch Luzerner wie Damian Lynn und Marco Kunz. Bekannte Musiker wie Steve Vai oder Stevie Wonder haben die «Jane» schon ausprobiert.

«Noch bevor wir unser neues Modell vorgestellt hatten, gab es schon Anfragen aus Amerika», sagt Giger. Das neue Modell heisst «Mary» und ist seit März dieses Jahres auf dem Markt. Diese Gitarre kann Relish effizienter als die «Jane» produzieren. Und mit ihr hat Relish eine weitere Innovation eingeführt: Die mittlere Lage kann dank einer Magnetkonstruktion freier schwingen, was den Nachklang begünstigt. Ausserdem kann die Rückenplatte von Hand entfernt werden. Wie bei der «Jane» haben Musiker auch bei der «Mary» die Möglichkeit, die Technik im Innenraum nach ihrem Gusto zu verändern. «Bis heute gibt es keine andere Gitarre auf dem Markt, die so etwas bietet», sagt Giger.

Mit der «Mary» will Relish ein breiteres Kundensegment ansprechen. Während die «Jane» mindestens 5000 Franken kostet und sich in einem Nischenmarkt positioniert, ist ihre jüngere Schwester ab 2000 Franken massentauglich. «Wir sprechen mit der ‹Mary› jüngere Musiker mit einem kleineren Budget an», sagt Giger.

Verliessen letztes Jahr noch hundert Gitarren die Produktionsstätte in Kriens, sollen es dieses Jahr über 300 sein, sagt Silvan Küng, der fürs Betriebswirtschaftliche zuständig ist. Eine Verdreifachung der Absatzmenge bringt aber auch Probleme mit sich. «Es wird langsam eng hier», sagt Küng. Man habe in den letzten Jahren die Fläche laufend vergrössert und von der angrenzenden Schreinerei profitiert. «Doch mittlerweile ist klar, dass wir für die nächsten Jahre grössere Räumlichkeiten brauchen», sagt Küng. Einfach ist das nicht, denn Relish benötigt einerseits eine Werkstatt, aber auch ein Büro und möglichst einen Showroom.

«Wir haben alle angrenzenden Gemeinden angefragt; Kriens, Horw und Emmenbrücke waren sehr hilfsbereit und haben Vorschläge gemacht, aber leider war nichts darunter, das unsere Bedürfnisse erfüllt», sagt Küng. Die Stadt Luzern konnte keine Räumlichkeiten anbieten. Könnte Relish also möglicherweise aus dem Kanton Luzern wegziehen? «Nein», sagen beide Gründer unisono wie aus der Pistole geschossen. Diese Entschlossenheit hat einerseits mit der Heimatverbundenheit der beiden Krienser zu tun, andererseits aber auch mit Finanzen. Die Luzerner Zimmermann-KMU-Stiftung hat Relish einen Kredit in der Höhe von 250 000 Franken gewährt. Die Stiftung bezweckt explizit die Förderung von KMU-Betrieben mit Sitz im Kanton Luzern. Relish müsste den Kredit bei einem Wegzug also zurückzahlen.

90 Prozent im Ausland verkauft

Eine Verwurzelung in Luzern schliesst eine globale Expansion aber nicht aus – im Gegenteil. Ende Oktober werden die beiden Gründer an eine Messe nach Schanghai reisen, um ihre Gitarren erstmals dem riesigen chinesischen Markt zu präsentieren. Sie erhoffen sich viel davon. «Bisher lösten unsere Gitarren an Messen immer grosse Begeisterung aus», sagt Küng. Mittlerweile verkauft Relish 90 Prozent der Gitarren im Ausland, vor allem in den USA, Japan, England und Deutschland. Japan ist nach den USA der zweitgrösste Absatzmarkt für E-Gitarren. «Die Japaner lieben hochwertiges Design und Swissness», so Küng.

Neben der globalen Expansion denken die beiden Jungunternehmer immer wieder über einen Ausbau des Sortiments nach. «Ein Bass ist schon oft nachgefragt worden», sagt Giger. «Hier müssten wir aber noch Know-how aufbauen.» Auch Verstärker sind immer wieder ein Thema. In den nächsten paar Jahren wollen sich die beiden aber auf Gitarren konzentrieren. Sollten sie weitere Produkte auf den Markt bringen, ist für sie die Voraussetzung klar: «Wir wollen keine Standardware machen, sondern einzigartige Stücke produzieren.»

Zentralschweizer Start-ups: Weitere Beiträge der Serie finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/serien

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