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KRIENS: Wenn die App zum Heuen ruft

Mit einer neuartigen App verknüpft eine Krienser Firma die Gewerbetreibenden im Haslital mit ihren Kunden. Weitere Versionen sind in Planung - auch für Luzern.
Roman Schenkel
Mykompass-Chef Robert Furger (links) und Axon-Chef Peter Delfosse auf der Dachterrasse des Schlösslis Schönegg in Luzern, wo die Mykompass-Muttergesellschaft Axon ihren Sitz hat. (Bild Pius Amrein)

Mykompass-Chef Robert Furger (links) und Axon-Chef Peter Delfosse auf der Dachterrasse des Schlösslis Schönegg in Luzern, wo die Mykompass-Muttergesellschaft Axon ihren Sitz hat. (Bild Pius Amrein)

Roman Schenkel

Braucht ein Bauer im Berner Haslital Unterstützung beim Heuen, so zückt er sein Smartphone, tippt «Mithilfe beim Heuen» ein und schickt einen Push-Alarm los. Auf dieselbe Art preist ein lokaler Schreiner seine massgefertigten Holzbänke zum Verkauf an. Eine Alpkäserei fordert die Wanderer ebenfalls per Push-Nachricht auf, einen Abstecher auf den Sustenpass zu machen, um dort ihre neue Alpenmilchglace zu probieren.

Möglich macht diese Angebote die «Haslital-App», die vor drei Monaten lanciert wurde. Bereits 950 Mal wurde sie heruntergeladen. Derzeit nutzen sie 150 Personen täglich. «Per Klick sollen die Kräfte gebündelt werden», erklärt Robert Furger, Chef der Krienser Marketingagentur Mykompass. Seine Firma hat die Applikation entwickelt. Die App ist Teil einer Initiative des Bergtals gegen negative Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative auf die lokale Wirtschaft. Die Initiative wurde im März 2012 angenommen und schränkt den Bau von Zweitwohnungen in Tourismusgebieten stark ein. Nach Annahme der Initiative hat man im Haslital einen Einbruch der lokalen Wirtschaft und den Verlust von Arbeits- und Ausbildungsplätzen befürchtet.

Push-Alarm und Soziales Netzwerk

Mit dem Projekt «Zukunft Haslital», das von der Hochschule Luzern geleitet wird, sollen diese negativen Auswirkungen abgefedert werden. Die App ist Teil dieser Initiative. Sie vernetzt lokales Gewerbe und macht Tagestouristen, Feriengäste, aber auch Einheimische auf Aktionen und Anlässe aufmerksam. Auf eine Art, die man von Bewohnern eines Bergtals nicht erwarten würde: via Push-Alarm.

Die App ist eine Art Soziales Netzwerk für das Gewerbe. In einem ersten Schritt werden rund 450 Oberhasler KMU in der App mit ihren Adressen, Angeboten und wöchentlichen Informationen vertreten sein. Die User erhalten in der Gratis-App regelmässig Neuigkeiten aus der Region, Specials oder Veranstaltungshinweise und wertvolle Informationen der Gemeinde. «Die Haslital-App bringt die Gewerbetreibenden zu ihrer Zielgruppe», sagt Furger. Diese werde per Push-Nachricht abgeholt und müsse sich die Informationen nicht im Netz zusammensuchen.

Regio-Apps für die ganze Schweiz

Die Krienser Marketingagentur Mykompass wurde 2014 gegründet und zählt bereits 50 Angestellte. Sie betreuen rund 2500 Kunden in der ganzen Schweiz. Bis Ende Jahr sollen nochmals 20 Arbeitsplätze hinzukommen, sagt Firmenchef Furger. Grund dafür sind die Pläne der Firma: Nicht nur wie bereits bewiesen im Haslital und rund um Andermatt, sondern neu auch in der Surselva und in Luzern plant Mykompass solche regionalen Apps. Das Unternehmen hegt weitere Ausbaupläne und visiert einen Roll-out über die gesamte Schweiz an.

Das Ziel ist überall das gleiche: «Wir wollen es KMU möglich machen, dass sie in der digitalen Welt wie die grossen Firmen mitspielen können», sagt Furger. Denn oft fehlten den KMU die Zeit, das Wissen und meist auch das Geld, um einen sinnvollen Internetauftritt zu betreiben. Dank der App erhalten KMU die Möglichkeit, einen kostengünstigen Internetauftritt zu realisieren. Mykompass setzt dabei auf das Vernetzen der KMU. «Dank unserem Angebot bündeln wir die Kräfte, das bringt den Gewerbetreibenden deutlich mehr Aufmerksamkeit», erklärt Furger. Das Geschäftsmodell dabei ist einfach: Mykompass stellt jeweils die App gratis zur Verfügung; die Gewerbetreibenden können dann gegen Gebühr Partner werden. Mykompass schafft damit und mit weiteren, bereits bestehenden digitalen Angeboten eine Alternative zu den «Gelben Seiten». Diese sind das meistgenutzte Firmen- und Branchenverzeichnis in der Schweiz und werden von Directories, einer Swisscom-Tochter, einmal pro Jahr gedruckt und an sämtliche Haushalte verteilt. Mit search.ch und local.ch ist Directories auch im Internet präsent.

Wer nun denkt, die neue, interaktive Konkurrenz beunruhige die Swisscom, der irrt. Die Swisscom Directories AG ist gar mit 20 Prozent an Mykompass beteiligt. Christos Bräunle, Sprecher von local.ch und search.ch, betont, dass das Geschäftsmodell von Mykompass zwar ähnlich sei, sich aber dennoch von den Angeboten der Swisscom unterscheide. «Für Swisscom Directories AG liegen die Ziele der Beteiligung daher darin, an der Entwicklung von Mykompass teilhaben zu können und in den Bereichen Erfahrungen zu sammeln, die wir heute nicht abdecken», erklärt er.

Ein Labor für die Swisscom

Das sieht auch Peter Delfosse so. Delfosse ist der Chef der Luzerner IT-Gruppe Axon Active (siehe Box), die zusammen mit einer chinesischen Investorin die Mehrheitsanteile an Mykompass hält. «Mykompass lotet neue Arten in Sachen digitalem Marketing aus. Die Swisscom betrachtet uns als Labor, sie will so den Anschluss an wichtige Trends nicht verpassen», sagt Delfosse.

Er und Furger sind erfahrene Männer in Sachen Internetmarketing. Furger und Delfosse leiteten und entwickelten search.ch bereits, als das Portal noch der Schweizerischen Post gehörte. Über einen Umweg zu Tamedia landete search.ch schliesslich bei Swisscom. Der Telekomriese bereinigte damit den Markt, war search.ch doch die grösste Konkurrenz des eigenen Angebots local.ch. Vereint stemmen sie sich nun gegen die Grossmacht Google.

Vom eigenen Angebot ist Delfosse überzeugt. «Die Kraft liegt in der Region und ihren Angeboten an sich. Die Applikation schafft es, diesen Offerten zielgerichtet und gebündelt die verdiente Aufmerksamkeit bei den Kunden zu verschaffen. Mykompass hilft, die vorhandene Attraktivität in einer Region potenziellen Kunden auf attraktive Art und Weise verfügbar zu machen», sagt Delfosse.

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