Solothurn
Krise ist (noch) nicht angekommen

Die Krise hat Solothurns Stadtgeschäfte (noch) nicht erreicht. Frequenzen und Umsatz sind für fast alle Befragten im Lot. Und nur vereinzelt werden Befürchtungen laut, dass sich der Konsumhimmel demnächst massiver eintrüben könnte. Eine Bestandesaufnahme.

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Geschäftsumfrage

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Solothurner Zeitung

Wolfgang Wagmann

«Wir haben ein sehr gutes Jahr 2008 gehabt und auch die ersten fünf Monate ist es uns eigentlich erstaunlich gut gegangen», meldet Jürg Schenker von der Schuhaus am Bieltor AG. Erforderlich sei aber eine enorme Präsenz - nicht nur an der Verkaufsfront, sondern auch in der Warendisposition, um den aktuellsten Schuh-trends gerecht werden zu können.

«Wir stellen keine Preissensibilität fest», meint Schenker, «aber der Service muss stimmen.» Auch punkto Frequenz stimmts für das Schuhaus, «da Solothurn sehr attraktiv ist und dafür viel getan wird.»

Parfüm und Kleider sind gefragt

«Nein, wir haben nichts gemerkt», reagiert C & A-Geschäftsführerin Ida Wirz fast erstaunt auf unsere Anfrage. Der Frühling sei allgemein gut verlaufen, ausser anfangs Mai. «Wenn es regnet, sind die Frequenzen geringer, aber das war schon immer so.»

Auch der Ausverkauf, der zur Hauptsache Ende Juni stattfindet werde «normal», ohne Sonderaktionen durchgeführt. «Ich habe auch kein schlechtes Gefühl», gibt sich Ida Wirz optimistisch, «wir haben für jede Altersklasse und jedes Budget etwas Passendes im Sortiment.»

«Es dürfte schwieriger werden»

Der grösste Player im Einkaufszentrum Solothurn ist unbestritten das Warenhaus Manor an der Gurzelngasse. Direktor Pierre Monferini ist jedoch mit dem bisherigen Geschäftsverlauf sehr zufrieden. «Bis Ende Mai haben wir das Budget eingehalten, ja liegen sogar ein bisschen höher als unsere Erwartungen.»

Auch die Besucherfrequenzen des Warenhauses seien durchaus auf dem gewohnten Niveau. «Qualität ist gefragt», stellt Monferini durchaus eine Nachfrage nach den teureren Produkten im Sortiment fest - «allerdings wollen und können die Leute das Geld nur einmal ausgeben.» Wenn es zum Beispiel in der Damenkonfektion sehr gut laufe, dann sei das in anderen Rayons mit geringeren Umsätzen spürbar.

Weniger zuversichtlich ist Pierre Monferinis Blick in die nahe Zukunft: «Im zweiten Halbjahr dürfte es schwieriger werden. Wir sind hier in einer kleinen Stadt, mit vielen Betrieben in der Umgebung, die Probleme haben.» Deshalb müsse sich auch Manor fürs zweite Semester «gut vorbereiten».

Die Sortimentsstrategie unter dem Motto «Qualität in einer mittleren Preislage» werde jedoch beibehalten, «und wir werden auch nicht mehr Aktionen fahren», erteilt Monferini einer «Rabattschlacht» gleich eine Absage. Aber es gebe verschiedene Budget-Optionen, «wenn es schwieriger wird.» Wichtig bleibt jedoch für den Manor-Direktor die Bedienung «von A bis Z», damit sich die Kundschaft im Haus willkommen fühle. (ww)

Nicht beklagen kann sich Christine Schneider, Geschäftsführerin der Parfümerie Schütz AG über den Geschäftsgang der letzten Monate. «Es wird schon bewusster eingekauft, aber man tut sich eben eben gerne etwas Gutes an - gespart wird vielleicht eher beim Haushaltungsgeld.»

Sie setzt auf die Stammkundschaft, die beim Familienunternehmen seit 19 Jahren individuell beraten wird, und ein geschickt strukturiertes Sortiment. «Wir führen etliche Marken, die bei den andern Anbietern nicht zu finden sind.»

Kein Trend zum «Arbeiterkotelett»

Zufrieden mit dem Geschäftsgang ist man in der Kaffeehalle Nussbaumer AG. «Unser Angebot ist relativ gross und nicht teuer. Und vor allem im Laden wird viel über die Gasse verkauft», erklärt Georges Nussbaumer.

Die Umlagerung vom Cafékonsum zum Ladenverkauf sei saisonal bedingt, bei warmem Wetter möchten die Leute halt draussen sitzen. «Grosse Sorgen machen wir uns noch nicht», so Nussbaumer - aber einiges hänge davon ab, wie sich die Wirtschaftslage weiter entwickelt.

Das garstige Wetter während den ersten drei Monaten sieht Ruedi Wälchli in seiner «Stadtmetzg» als Hauptgrund für die fehlende Kundenfrequenz. «Die ersten Grillwochenenden waren dagegen super.»

Noch brauch er er weiterhin Edelstücke wie Filets - «die Flucht ins Arbeiterkotelett hat nicht stattgefunden, der Kundenfranken ist etwa gleichgeblieben. Aber es wird schon bewusster eingekauft», meint der Metzgermeister.

Mehr Sport dank Kurzarbeit?

«Wir sind auf Kurs und bis jetzt war jeder Monat besser als der letztjährige» ortet auch Markus Hurni, Geschäftsführer der Universal-Sport AG noch überhaupt keine Krisenanzeichen. Generell seien viele Leute in der Stadt, und «beim Sport merkt man die Krise erst zuletzt.»

Im Gegenteil, vielleicht würden Leute mit Kurzarbeit sogar mehr «spörtle» vermutet Hurni. Wenn man etwas spüre, «dann im nächsten Winter.» Es gebe die Tendenz, dass hochpreisige Artikel etwas weniger gefragt seien als auch schon, und man werde dem im Angebot vermehrt mit «preisattraktiven Artikeln» Rechnung tragen.

Eine eigentliche «Rabattschlacht» bei einer Eintrübung des Konsumklimas sieht Hurni nicht als Rezept. obwohl er sich der «Gratwanderung» bei der Preisgestaltung bewusst ist. «Wir wären jedoch parat», meint der Geschäftsführer - in die Karten wolle man allerdings sich nicht blicken lassen.

«Die Nervosität ist spürbar»

Letzten Herbst habe er «sofort gemerkt, was los war.» Martin Reber, Geschäftsleiter von Expert Solothurn, sprangen Kunden mit Grossprojekten ab, die bereits aufgegleist waren.

Hochqualitäts-Fernseher mit Stereoanablagen in mehreren Räumen wurden storniert, in den ersten fünf Monaten habe sich der Umsatzrückgang bei 5 bis 20 Prozent eingependelt. «Das deckt sich mit den Resultaten von Expert Schweiz, unserer Einkaufsgruppe.»

Dabei seien die Frequenzen besser denn je, aber in Franken schaue weniger heraus. Generell mache der Unterhaltungselektronik-Branche die Preiserosion zu schaffen, und bei den Geräte-Anbietern «ist die Nervosität spürbar.» Und doch wittert Reber Morgenluft: «Seit zwei, drei Wochen habe ich das Gefühl, die Wende zum Besseren ist da - auch wenn sich das noch nicht in den Zahlen ausdrückt.»

Die Uhr in Reparatur

«Gar nicht so schlecht», beurteilt Martin von Büren die Lage in seinem Uhren- und Schmuckgeschäft. «Der Kunde ist schon wählerischer, er schaut auf die Qualität und kommt drei, viermal vorbei. Der Spontankauf ist seltener geworden.»

Viele Leute brächten auch wieder ältere, schöne Sachen zum Restaurieren vorbei. Krisenresistent sei das Geschäft mit Trauringen; «geheiratet wird immer», so von Büren.

Einen Vorteil der schlechteren Zeiten spürt der Stadtuhrmacher dagegen auch: «Gewisse Modelle sind im Gegensatz zu früher wieder zu haben, denn die Herstellerfirmen haben sie jetzt am Lager.» Die neuesten Modelle müssten zwar im Geschäft sein, doch ansonsten kaufe er «viel bewusster» ein.

«Wir wissen, was sich in Solothurn absetzen lässt», greift Martin von Bürgen auf seine langjährige Erfahrung zurück. Die ihm auch etwas anderes sagt: «Irgendwann gibts wieder Nachholbedarf - das war bei jeder Krise so.»