Krise
Swiss fliegt Fracht mit Langstreckenmaschinen von Mailand nach Zürich – trotz kurzer Distanz und der Neat

Die Luftfahrt steckt in der Krise. Doch das Fracht-Geschäft boomt. Nun setzt die Swiss sogar auf kurzen Strecken auf Langstreckenflugzeuge. Damit steigen die Emissionen.

Stefan Ehrbar
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Die Swiss fliegt mit den Langstreckenflugzeugen Airbus A340 auch innerhalb Europas.

Die Swiss fliegt mit den Langstreckenflugzeugen Airbus A340 auch innerhalb Europas.

Imago Images

Die Flughäfen Mailand-Malpensa und Zürich-Kloten liegen 204 Kilometer Luftlinie auseinander. Dazwischen liegt die Neat, ein 23 Milliarden Franken teures Bauwerk für den Güterverkehr auf der Schiene. Trotzdem fliegt die Swiss die Strecke seit kurzem mit Langstreckenflugzeugen, um möglichst viel Fracht transportieren zu können.

Das berichtet das Portal «Aerotelegraph». Auch auf Strecken nach London, Amsterdam, Brüssel und Wien würden in den nächsten Wochen Maschinen des Typs A340 eingesetzt, um der erhöhten Nachfrage nach Frachttransporten gerecht zu werden.

38,5 Prozent mehr Emissionen

Macht das Sinn? Der Transport von Fracht auf der Schiene wäre deutlich umweltfreundlicher, selbst ein Lastwagentransport würde weniger Emissionen verursachen. Langstreckenflugzeuge sind zwar auf längeren Strecken effizienter, auf kürzeren aber verkehrt sich der Effekt ins Gegenteil. Denn beim Start entstehen bei den schweren Maschinen deutlich mehr Emissionen.

Gemäss dem Klimabilanz-Rechner der deutschen Klimaschutzorganisation Atmosfair betragen die durchschnittlichen CO2-Emissionen pro Passagier auf der Strecke Mailand-Zürich an Bord eines Kurzstreckenflugzeugs des Typs Airbus A320 bei durchschnittlicher Auslastung 39 Kilogramm pro Person. Mit dem Einsatz eines Langstreckenflugzeugs des Typs A340-300 entstehen bei durchschnittlicher Auslastung hingegen Emissionen von 54 Kilogramm CO2 pro Person – ein Plus von 38,5 Prozent.

Die Swiss bietet auch Lastwagenfahrten

Der Transport von Fracht mit dem Flugzeug auf dieser Strecke biete gegenüber dem Transport auf der Strasse zwei Vorteile, begründet ein Sprecher der Swiss. «Erstens ist Luftfracht schneller und bietet mehr Kapazität. Zweitens werden viele Güter weiterverschickt. Der endgültige Zielort ist also nicht unbedingt Zürich oder die umliegende Region, sondern Swiss WorldCargo transportiert die Fracht innerhalb des Netzwerks weiter.»

Die Fracht-Tochter biete auch Lastwagentransporte innerhalb Europas an, «unter anderem nach Mailand». Die Langstreckenflugzeuge könnten aber eine grössere Menge von über 20 Tonnen auf einmal transportieren und seien darum eine Alternative.

Auch Corona-Impfstoffe an Bord

Das Frachtgeschäft sei bereits vor der Pandemie ein wichtiger Geschäftszweig gewesen, so der Sprecher. Die Passagierflugzeuge hätten stets Fracht in den Laderäumen mitgeführt. «Da es derzeit weniger Flugverkehr gibt, die Nachfrage aber nach wie vor gleich hoch ist, setzen wir grösseres Fluggerät an gewisse Destinationen innerhalb Europas ein. Wir sind somit in der Lage, die Warenströme aus den Herkunftsländern direkt in die Schweiz oder über die Schweiz zu weiterführenden Zielen zu leiten.»

Die Güter, die transportiert werden, seien sehr unterschiedlich. «Unser Schwerpunkt liegt jedoch nach wie vor auf dem regelmässigen Transport von pflegeintensiven Gütern, darunter pharmazeutische Produkte und Valoren», so der Sprecher. Und: «Wir transportieren auch Covid-19-Impfstoffe und Tests.»