UBS
Kritik an UBS-Lohnerhöhung

Die UBS hat Recherchen des «Sonntags» bestätigt: Um gute Investmentbanker zu halten, wurden teilweise «ausserordentliche» Lohnerhöhungen vorgenommen. Die markante Saläraufbesserung ist stark umstritten.

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Oswald Grübel

Oswald Grübel

Keystone

«Der Bund trägt Mitverantwortung und hat einen klaren Auftrag», kommentierte SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer gestern die massiven Lohnerhöhungen für Teile der UBS-Investmentbanker. Die Baselbieter Parlamentarierin erwartet nun eine Intervention der Landesregierung. Sie bekräftigte ihre Überzeugung, dass Boni kein taugliches Instrument seien. Man müsse aber auch von der Denkhaltung wegkommen, wonach höhere Fixlöhne zum Vornherein Gewähr für bessere Leistungen böten. Insofern sei auch die jüngste Salärmassnahme der staatlich gestützten UBS abzulehnen. Auch der grüne Finanzpolitiker Daniel Vischer bezweifelt, dass höhere Löhne viel nützten.

Als Ausgleich für gekappte Boni

Der als Retter an Bord geholte Konzernchef Oswald Grübel hatte sein Team noch im März wissen lassen, die Löhne müssten auf ein angemessenes Niveau korrigiert werden. Aber nur Wochen später erhielten in den USA eine Reihe von Investmentbankern markante Erhöhungen der Fixlöhne zugesprochen - als Ausgleich für die gekappten früheren Boni. Nun erhielten laut «Sonntag» Hunderte von Managing Directors in London bis zu 50 Prozent höhere Fixsaläre.

UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger hatte gegenüber der «Berner Zeitung» erklärt, die Bank verliere momentan in wichtigen Bereichen systematisch Leute, die sie brauche. Das verringere die Konkurrenzfähigkeit. Vor diesem Hintergrund unterstütze er CEO Grübel und sein Team, wenn es nun «Gegenmassnahmen» treffe, «um diese Leute zu halten». Fast schon präventiv warnte Villiger vor staatlicher Überregulierung, wozu er auch Lohnvorschriften zählt.

Bereits die Royal Bank of Scotland hat vor kurzem einen Teil ihrer Investmentbanker finanziell wieder bessergestellt. Auch die Reputation der Schottenbanker hatte im Sog der Finanzmarktkrise gelitten. Wie gross das Exodus-Risiko bei der UBS effektiv war, ist offen. Klar ist hingegen, dass Konkurrentin Credit Suisse nicht mit vergleichbaren Problemen kämpft und in der Investment-Sparte Geld verdient.

Abzocker-Initiative profitiert

Geballte Reaktionen in Internet-Foren illustrieren das breite Unverständnis gegenüber dem jüngsten UBS-Lohnschritt. Von dieser Entwicklung dürfte die Volksinitiative «gegen die Abzockerei» des Neuhauser Trybol-Fabrikanten Thomas Minder nur profitieren. Wäre die im Februar 2008 eingereichte Initiative bereits vor einem Monat vor das Volk gekommen, wäre sie mit 75 Prozent angenommen worden. Eine Umfrage, die von der «SonntagsZeitung» publiziert wurde, ergab quer durch alle Parteien eine hohe Zustimmung. (rm)