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Krumme Microsoft-Deals: Preisüberwacher Meierhans mischte mit

In der Geschichte rund um einen Software-Betrug spielte auch der heutige Preisüberwacher Stefan Meierhans eine Rolle. Er war bis 2008 bei Microsoft Schweiz tätig und für die Rahmenbedingungen verantwortlich.

Matthias Niklowitz
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Der damalige Microsoft-Angestellte Stefan Meierhans (r.) als Lobbyist mit Microsoft-Gründer Bill Gates (l.) und dem damaligen Bundesrat Hans-Rudolf Merz 2008 am WEF in Davos. Keystone

Der damalige Microsoft-Angestellte Stefan Meierhans (r.) als Lobbyist mit Microsoft-Gründer Bill Gates (l.) und dem damaligen Bundesrat Hans-Rudolf Merz 2008 am WEF in Davos. Keystone

«Microsoft als Software-Hersteller bietet im Schul Markt ihre Leistungen zu attraktiven Konditionen an», warb etwas ungelenk und nicht ganz fehlerfrei der ehemalige Microsoft-Verkäufer P. K. (alle Namen der Redaktion bekannt). Wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsführung und Urkundenfälschung sitzt K. seit vier Monaten bereits in Untersuchungshaft, wie die «NZZ» publik gemacht hat.

K. ist bisher der einzige Verdächtige im grössten Betrugsfall von Microsoft Schweiz. Sein direkter Vorgesetzter, P. N., hatte im letzten Herbst genauso die Kündigung erhalten wie das ehemalige Geschäftsleitungsmitglied T. R., der unter anderem für die Betreuung von Kunden aus dem Bildungswesen zuständig gewesen war.

Schulen nicht geschädigt

Der Schweizer Ableger des Softwarekonzerns Microsoft ist Opfer eines Betrugs durch einen eigenen Mitarbeiter geworden. Gemäss einem Bericht der «NZZ» soll der einstige Verkaufsleiter für Schulen jahrelang in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Ihm dabei geholfen haben soll der Geschäftsführer der Firma Diraction mit Sitz im zürcherischen Wetzikon. Dieses Unternehmen vertrieb in grossen Mengen Microsoft-Produkte für Schulen, hat seine Geschäftstätigkeit mittlerweile aber eingestellt hat. Nach gegenwärtigem Ermittlungsstand gebe es keine Hinweise darauf, dass in Zusammenhang mit dem Fall Schulen zu Schaden gekommen seien, schreibt Microsoft. Weil als Folge der Ermittlungen die Zusammenarbeit mit einigen Vertriebspartnern für Software für Schulen aufgelöst wurde, arbeite man nun einen neuen Rahmenvertrag für Schweizer Bildungseinrichtungen aus. Damit soll gewährleistet werden, dass Schweizer Schulen weiterhin zu Vorzugskonditionen Microsoft-Software nutzen könnten. (NCH)

Nicht im Visier der Staatsanwaltschaft ist Stefan Meierhans, bis 2008 bei Microsoft in der Schweiz und heute Preisüberwacher. Zumindest politisch bemerkenswert ist die Personalie trotzdem: Meierhans bereitete für den verhafteten K. das Feld für dessen mutmasslich krumme Geschäfte vor.

Kampfzone Solothurn

Meierhans war bei Microsoft Schweiz als «Lead Corporate Affairs and Citizenship» tätig. In dieser Funktion beriet er den Softwarekonzern in politischen Angelegenheiten, brachte Microsoft-Topmanager mit Schweizer Politikern zusammen und soll laut einem ehemaligen Microsoft-Angestellten sowie einer weiteren Person, die beim Kanton Solothurn in der Verwaltung arbeitet, gemeinsam mit K. zusammengearbeitet haben, wenn es darum ging, Microsoft-Produkte im Bildungsbereich unterzubringen.

«Ja, ich habe Herrn K. gekannt», bestätigte Meierhans gestern auf Anfrage der «Nordwestschweiz». Er habe mit K. etwa im Rahmen von Microsoft-Aktionsprogrammen wie «Security 4 Kids» indirekt zu tun gehabt. «Ich hatte mich um die Rahmenbedingungen zu kümmern, an Verkaufsgesprächen war ich aufgrund meiner Funktion nicht direkt beteiligt», sagt Meierhans weiter. Und es habe auch keine finanziellen Vorteile für ihn gegeben, weil er intern in der Abteilung «Law and Corporate Affairs» angestellt gewesen sei. Sein Bonus hing demnach nicht vom Erfolg des ehemaligen Verkäufers ab.

K. soll der «Ziehsohn» des ehemaligen Länderchefs P. W. gewesen sein. Die Arbeitsteilung soll gemäss ehemaligen Microsoft-Angestellten so funktioniert haben, dass Meierhans Kontakte und Gespräche mit den Einkäufern aus dem Bildungssektor vorgespurt hatte. Dann hatten K. und W. ihre Auftritte, wobei K. den Verkäufer markierte und W. sich um die Fragen des Computer-Supports gekümmert hatte. W. hatte zudem auch die Strategie umgesetzt, bei der es darum ging, Microsoft-Produkte breit in Schweizer Schulen zu installieren und andere Produkte zu verdrängen.

Microsoft-Sprecherin Barbara Josef wollte sich auf Anfrage zur Rolle von Stefan Meierhans nicht äussern. Auch zur Frage zu allfälligen finanziellen Anreizen hielt sie sich bedeckt. «Wir nehmen keine Stellung zu Fragen nach dem Salär von Einzelpersonen. Ganz allgemein halten wir jedoch fest, dass die Vergütung des Corporate Social Responsibility Verantwortlichen keine Umsatzboni oder -beteiligung enthält und das Gehalt des Country Managers zwar vom gesamten Betriebsergebnis abhängt, dabei aber der Einfluss des Bildungsbereichs anteilsmässig äusserst klein ist.»

Keine Liebesbeziehung

Von Vertretern der Open-Source-Softwareseite ist zu hören, dass solche dubiose Verkaufspraktiken lediglich im Geschäft mit sogenannter «proprietärer» Software, wie sie Microsoft vertreibt, möglich ist. Als Folge des Betrugsfalls soll Microsoft laut einem Bericht der «Handelszeitung» die Rabatte für Schulen gestrichen haben. Bereits vor drei Jahren hatte es einmal einen Krach zwischen Microsoft und der Schweizerischen Fachstelle für Informationstechnologien im Bildungswesen (educa.SFIB) gegeben. Die Fachstelle hatte damals vom Gebrauch vom Microsoft-Produkten abgeraten.

Microsoft hatte umgehend mit einem saftigen Schreiben reagiert. «Ob es sich hier nun um unprofessionelle Recherche oder eine bewusst falsche Darstellung der Tatsachen handelt, sei dahingestellt; jedenfalls sind solche Falschaussagen diffamierend, geschäftsschädigend und widersprechen klar unserem Verständnis von Fairness.» Unterschrieben hatte es Herr T. R. – das inzwischen geschasste Geschäftsleitungsmitglied von Microsoft Schweiz.