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KRYPTOWÄHRUNGEN: Raues Klima für Kryptowährungen: Bitcoin verlor 40 Prozent seines Werts

Von Facebook bis zur indischen Regierung: Kryptowährungen hatten diese Woche rund um die Welt Gegenwind. Allein der Bitcoin hat in sieben Tagen 40 Prozent an Wert verloren.
Raphael Bühlmann
Seine Aussagen haben den Bitcoin-Kurs bachab geschickt: der indische Finanzminister Arun Jaitley (mit Aktentasche). (Bild: Manish Swarup/Keystone (Neu-Delhi, 1. Februar 2018))

Seine Aussagen haben den Bitcoin-Kurs bachab geschickt: der indische Finanzminister Arun Jaitley (mit Aktentasche). (Bild: Manish Swarup/Keystone (Neu-Delhi, 1. Februar 2018))

Raphael Bühlmann

Keine 24 Stunden dauert es auf dem digitalen Währungsmarkt, bis 100 Milliarden Dollar vernichtet sind. So geschehen gestern. Nach der Goldgräberstimmung um die Weihnachtszeit folgte diese Woche der Ausverkauf. Davon betroffen waren sämtliche bedeutenden Kryptowährungen. Der Bitcoin sackte gestern zwischenzeitlich auf 7625 US-Dollar ab, später erholte er sich (siehe Grafik). 20'000 Dollar war die Währung Ende Dezember noch wert. Die bedeutendste Digitalwährung hat binnen sieben Tagen mehr als 40 Prozent ihres Wertes verloren.

Die Erklärungen für den Einbruch sind je nach Standpunkt unterschiedlich. Kritiker sehen sich darin bestätigt, dass Kryptowährungen reine hochspekulative Anlagen sind. Befürworter ­erklären, dass jede Einführung einer neuen Technologie mit einer gewissen Euphorie und einem entsprechenden Hype verbunden sei. So seien in den vergangenen Wochen sehr viele Leute auf den Kryptozug aufgesprungen, was nachfrageseitig zu einer Überhitzung geführt habe. Die jetzige Korrektur sei daher absehbar gewesen, beschwichtigen Anhänger.

«Kein legales Zahlungsmittel»

Befürworter oder Kritiker – Fakt ist, dass es keine gute Woche für Kryptowährungen war. Mit Facebook kündigte das weltgrösste soziale Netzwerk an, auf seiner Plattform keine Werbung für Kryptowährungen zu erlauben. Ausserdem war die Rede von Manipulationen und Betrug. Wie «Bloomberg» berichtete, gehen die Regulierer dem Vorwurf nach, der Preis des Bitcoins und anderer digitaler Währungen sei künstlich aufgebläht worden.

Und als ob das nicht genug wäre, hat am Donnerstag die ­Regierung Indiens angekündigt, das Bezahlen mit Cybergeld zu verbieten. «Die Regierung betrachtet Kryptowährungen nicht als legales Zahlungsmittel und wird alle Massnahmen ergreifen, um die Verwendung bei der ­Finanzierung illegaler Aktivitäten oder als Teil des Zahlungssystems zu beseitigen», erklärte Indiens Finanzminister Arun Jaitley den Entscheid. Investitionen in Cyberdevisen seien für Anleger aber nach wie vor möglich.

Indien steht schon länger auf Kriegsfuss mit Kryptowährungen: Die Regierung stellt sie in mehreren Fällen in Zusammenhang mit betrügerischen Schneeballsystemen.

Damit gesellt sich Indien zu Südkorea und China. Nachdem der Bitcoin-Kurs im vergangenen Jahr von weniger als 1000 Dollar auf 20'000 Dollar angestiegen war, reagierte man in Peking und Seoul und schränkte den Handel sowie die Finanzierung massiv ein. Ebenfalls denkt man in Fernost laut über ein generelles Verbot nach. Auch Finanzaufseher in Europa und den USA wollen die Branche stärker unter Kontrolle bringen. Regulierungen, wie sie der Idee der dem Bitcoin zu Grunde liegenden Blockchain-Technologie aber diametral zuwiderlaufen.

Wer in der Baisse nun aber bereits das Ende von Bitcoin und Co. ausmachen will, dem sei die heutige Bedeutung von Kryptowährungen vor Augen geführt. Finanzintermediäre weltweit kommen heute kaum mehr um Cyberwährungen herum.

Die langfristige Herausforderung aber bleibt. Es wird darum ­gehen, dass man sich auf ein einheitliches Regulativ einigt. Zu diesem Schluss kam man in der Schweiz bereits 2014. In einer Beantwortung eines entsprechenden Vorstosses erklärte der Bundesrat damals, dass der Bitcoin als dezentrales Zahlungssystem keine Grenzen kenne. «Ein solches Phänomen ist schwer mit international nicht koordinierten einzelstaatlichen Massnahmen zu kontrollieren. Das Vorgehen der Staaten war bisher aber kaum koordiniert.»

«Risiken eindämmen, ohne Innovation zu ersticken»

Auch US-Finanzminister Steven Mnuchin plädierte am diesjährigen Weltwirtschaftsforum in ­Davos für den einheitlichen ­Umgang. Für den Erfolg der digitalen Währung müsse es das Ziel sein, dass überall in der Welt nach den gleichen Regeln mit Bitcoin und Co. umgegangen wird. Die Schweiz gibt sich bisher liberal. Es gilt das Prinzip: «Gleiche ökonomische Aktivitäten werden un­abhängig von der Technologie gleich bewertet», wie es der oberste Schweizer Währungs­hüter Thomas Jordan stets betont.

Und auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sprach in ­Davos nebst den Gefahren auch vom «positiven Potenzial» der Blockchain-Technologie, welche die Basis von Kryptowährungen ist. Im Gespräch mit «Bloomberg» sagte Lagarde am WEF: «Die Blockchain garantiert Identifikation, Vertrauenswürdigkeit oder Authentifizierung von Transaktionen.» Ebenfalls kann sich die IWF-Chefin vorstellen, dass Zentralbanken ihre eigene Kryptowährung lancieren.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt ein IWF-Sprecher: «Eine wichtige Herausforderung für die Länderbehörden wird sein, Risiken einzudämmen, ohne Innovation zu ersticken. Eine grössere internationale Diskussion und Zusammenarbeit wäre dazu hilfreich.»

Auf jeden Fall sei der IWF in einer besonderen Verpflichtung, die mit Kryptowährungen verbundenen Risiken im Auge zu behalten. Der jüngste Kurseinbruch zeigt, dass dies noch eine Weile der Fall sein dürfte.

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