Doris Leuthard
Kühe kennen keine Kurzarbeit

Die Probleme in der Landwirtschaft sind zu einem grossen Teil hausgemacht. Bundesrätin Doris Leuthard redete an einem Anlass der CVP Bezirk Muri in Aristau Verbandsfunktionären ins Gewissen.

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Doris Leuthard

Doris Leuthard

Schweiz am Sonntag

Von Eddy Schambron

«Der Milchpreis ist nicht wegen mir zusammengesackt», machte Doris Leuthard klar. Es sei nicht der Bund gewesen, der den Bauern in Zeiten eines guten Milchpreises angeraten hat, Kühe anzuschaffen. «Bei einem zu hohen Angebot an Milch und einem im europäischen Vergleich bis zu 50 Rappen grossen Preisunterschied muss man sich nicht wundern, wenn der Preis einbricht.»

Sie verstehe die einzelnen Bauern, die jetzt klagen. «Ihnen kann man keinen Vorwurf machen. Aber von Verbandsfunktionären müsste man Weitsicht erwarten dürfen.»

Die Schelte an die Funktionäre brachte die zahlreichen Bauern am «Café Fédéral» der CVP Bezirk Muri, an dem auch die Nationalrätinnen Esther Egger und Ruth Humbel sowie Nationalrat Markus Zemp teilnahmen, nicht zum Murren. Vielmehr verfolgten sie die Ausführungen der Bundesrätin mit besonderer Aufmerksamkeit - und das auf einem Hof, der vollständig zukunftsorientiert ist.

Vit und Michi Lang haben in Aristau ausgesiedelt, grosszügig und zeitgemäss gebaut und können jetzt auf einem ultramodernen Melkstand in einer einzigen Stunde bis zu 50 Kühe melken.

Milch und ihr tiefer Preis und damit verbunden das Einkommen der Milchbauern waren denn auch das zentrale Thema der Versammlung. «Das Problem ist bekannt, man kann den Kühen nicht Kurzarbeit befehlen. Eine Lösung haben wir nicht», stellte Leuthard fest. Und das liege nicht am Bund, der mit Millionenbeiträgen zur Stabilisierung des Milchpreises beigetragen habe.

«Der Rest ist die Sache der Branche.» Erst wenn sie es fertigbringe, dass die Menge reduziert wird, gebe es weitere Zusagen vom Bund. Allerdings stellte die Landwirtschaftsdirektorin in der anschliessenden Diskussion auch unverblümt fest, «dass eine Bauernsolidarität nicht stattfindet».

Die Stützung der Landwirtschaft geschieht nicht nur mit Direktzahlungen, sondern auch mit der künstlichen Verteuerung von importierten Lebensmitteln durch Zoll. «Da sind wird vom Ausland her unter Druck.» Für Doris Leuthard ist klar, dass der Importschutz auf die Länge nicht haltbar sein wird. «Wir werden die Produktionskosten in der schweizerischen Landwirtschaft weiter senken müssen und uns durch Qualität abheben.»

Sie ist überzeugt, dass die Milch- und Fleischproduktion im Grasland Schweiz Zukunft hat, allerdings nicht, indem wir Billiganbieter aus dem Ausland zu konkurrenzieren versuchen, sondern indem Premiumprodukte produziert werden.

Leuthard mahnte, die Verhandlungen über die Öffnung der Grenzen im richtigen Licht zu sehen. «Diese kommt nicht von heute auf morgen. Wir sind am Verhandeln, und vor 2016/17 kommt sie auf keinen Fall», erklärte sie. «Bei einigen Leuten ist sie aber bereits ein Thema, als ob wir morgen schon vor dem Abgrund stünden.»

Eine einzige Frage betraf in der Diskussion nicht die Landwirtschaft. Wie wichtig denn der Handel mit Libyen für die Schweiz sei. Leuthard liess die Frage ziemlich unbeantwortet und meinte, im Vordergrund stehe jetzt, die zwei festgesetzten Schweizer zurückzuholen. «Aber dann muss eine Aufarbeitung stattfinden.»