In Luzern gegründetes Kunst-Start-up Artiazza ist am Ende

Artiazza wollte den Kunstmarkt demokratisieren. Nun gestanden die Verantwortlichen ihr Scheitern ein.

Christopher Gilb
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Da waren sie noch euphorisch: Alexandra Scherrer (links) und Franziska Luginbühl im Oktober 2017 in Luzern.

Da waren sie noch euphorisch: Alexandra Scherrer (links) und Franziska Luginbühl im Oktober 2017 in Luzern.

Bild: Dominik Wunderli

Die ehemaligen Wirtschaftsstudentinnen der Hochschule Luzern hatten sich viel vorgenommen. Mit ihrem im Rahmen eines Projekts an der Hochschule entwickelten Start-ups Artiazza wollten sie den Kunstmarkt demokratisieren. Den Preis sollten die Künstler auf der Online-Kunstplattform selbst festsetzen. Zudem sollten diese auch vom Weiterverkauf ihrer Bilder profitieren, wofür jedes Werk mit einem Code versehen wurde. Würde also ein Bild, das über Artiazza einmal gehandelt wurde, erneut über Artiazza verkauft werden, sollte der Künstler 5 Prozent des Erlöses erhalten. Für die technisch kniffligen Sachen wurde ein ETH-Absolvent ins Boot geholt.

Auch was die eigene Kommission betrifft, ging das Start-up neue Wege. Statt der 40 bis 50 Prozent, die bei herkömmlichen Galerien verlangt werden, wollten sie nur 25 Prozent. Später liessen sie die Künstler die Höhe der Kommission sogar gänzlich selbst bestimmen, was nach eigenem Bekunden gut funktionierte. Und auch seine Bilder verkaufen durfte eigentlich jeder, bekannt oder nicht. Für eine Bewertung der Kunst sollte nicht ein Experte, sondern die Community über Kommentare, Likes und Blogeinträge zuständig sein.

Newcomer-Kunst zum erschwinglichen Preis, liesse sich das Motto des Start-ups zusammenfassen. Die Medien fanden das spannend. Ein halbes Jahr nachdem die Plattform 2017 online gegangen war, schrieb auch diese Zeitung darüber. Eine der drei Mitbegründerinnen, Alexandra Scherrer, sprach damals von bis anhin 45 erfolgreichen Transaktionen und 600 Angeboten. «Je grösser unsere Auswahl, desto mehr Käufer können sich in ein Kunstwerk verlieben», zeigte sich Scherrer überzeugt. Noch letztes Jahr wirkte es, als würde es beim Start-up gut laufen. Auf die Frage, ob das Start-up Profit mache, antwortete ihre Kollegin Martina Bühler in einem Interview mit «CNN Money Switzerland» mit Ja. Sagte dann aber auch sinngemäss, und das war wohl rückblickend entscheidend, dass dies anders wäre, wenn jede privat investierte Stunde einberechnet würde.

Käufer wollten Kunst sehen

Denn über Instagram hat das Start-up nun bekannt gegeben, dass die Plattform eingestellt wurde. «Wir haben gemerkt, dass der Markt für unser Geschäftsmodell noch nicht bereit ist», heisst es in dem Beitrag. «Wir haben uns das einfacher vorgestellt», bestätigt Alexandra Scherrer auf Nachfrage. So hätten sie beispielsweise gemerkt, dass die Käufer es doch schätzen würden, ein Bild live zu sehen und auch mit dem Künstler persönlich in Kontakt zu kommen. «Wir haben dann mehrfach eine kleine Ausstellung gemacht, was immer gut lief und auch wieder für Resonanz auf der Plattform gesorgt hat», sagt die 28-Jährige.

«Immer wieder solche Ausstellungen zu organisieren, wäre aber zu aufwendig geworden», so Scherrer. Auch entsprechende Tools für die Plattform zu entwickeln, um sich die Bilder etwa in 3D ansehen zu können, hätte den Kapazitätsrahmen gesprengt. Zwei, drei Transaktionen hätten sie in Zeiten ohne Events und Marketing-Massnahmen im Durchschnitt pro Monat gehabt. Zu wenig, sagt Scherrer, die hauptberuflich in einem Beratungsunternehmen für Online-Händler arbeitet. Auch die anderen Team-Mitglieder arbeiten hauptberuflich anderswo. «Artiazza war ein Herzensprojekt», sagt Scherrer.

Schwierig sei aber auch das Thema mit der Preisfestlegung gewesen. «Als Laien haben wir einen anderen Blick auf Kunst, was für den Verkauf förderlich ist», hatte Mitbegründerin Franziska Luginbühl 2017 noch gesagt. Nun sagt Scherrer: «Die Künstler waren froh über die Plattform und die Vermarktungsmöglichkeit, kannten aber selbst den Kunstmarkt oft nicht gut genug, um zu wissen, was sie verlangen können.» Die Künstler hätten diese Frage dann an sie und ihre Kolleginnen weitergegeben, die aber ebenfalls keine Expertinnen waren.

Für die Künstler sei der Entscheid von Artiazza, die Plattform einzustellen, nicht einfach gewesen. «Es gab einige, die ihre Bilder anboten und auch kommerziell Erfolg hatten», sagt Scherrer. «Rückblickend wäre es vielleicht besser gewesen, auf eine Nische des Kunstmarktes zu setzen und sich dort einen Namen zu machen.» Trotzdem, sagt die junge Frau, hätte sie wichtige Erfahrungen gemacht, die sie so in keiner Weiterbildung bekommen hätte.

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