Kunstmarkt

Kunst zu weniger künstlichen Preisen

Die Zeiten der Fantasiepreise für Meister der Moderne scheinen vorerst vorbei zu sein.

Tommaso Manzin
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Modell für Picassos «Tête de femme» war seine Geliebte Marie-Thérèse Walter. Das Bild entstand 1935.

Modell für Picassos «Tête de femme» war seine Geliebte Marie-Thérèse Walter. Das Bild entstand 1935.

Tiefe Zinsen und eine Schwemme an Notenbankgeld haben zu Preisübertreibungen in allen Anlageklassen geführt, auch für Kunst. Wenn Bargeld keinen Zins mehr abwirft, Obligationen null oder negativ rentieren und Aktien teuer sind, werden Anlagen in (etablierte) Kunst interessanter.

Vor allem Werke des Impressionismus und der klassischen Moderne (Expressionismus und Kubismus) machten ihre Verkäufer an Auktionen regelmässig märchenhaft reich – wenn sie es nicht schon waren. Man kann in diesem Segment getrost von einer Preisblase sprechen, einer Wertentwicklung, die sich von den fundamentalen Treibern entkoppelt hat und nur noch Ausdruck des billigen Geldes und fehlender Alternativen ist.

Bis letztes Jahr galt: Wer ein Werk ersteigert hatte, der konnte es um Millionen teurer weiterreichen. Dieser Trend fand 2016 ein jähes Ende. Symbol dafür ist Picassos «Tête de femme» von 1935. Im Februar 2016 wollte ein Einlieferer, der das kubistische Gemälde 2013 für fast 40 Millionen Dollar erworben hatte, bei Sotheby’s weiterverkaufen. Er löste «nur» noch 27 Millionen Dollar.

Das britische Auktionshaus Sotheby’s meldete bereits im ersten Quartal 2016 einen Umsatzrückgang von 35 Prozent. Dies, obschon es im Januar das Gemälde der «Danae» von Orazio Gentileschi für 30,5 Millionen Dollar an das J. Paul Getty Museum in Los Angeles verkaufen konnte. Für den italienischen Barockmaler ein Rekord. Im Nachhinein hat sich diese Transaktion als Einzelfall herausgestellt, der zudem nicht mit den Preisen des Vorjahres mithalten kann. Damals hatte Sotheby’s Konkurrent Christie’s nämlich impressionistische und zeitgenössische Kunst für 147 Millionen Pfund versteigert (zum damaligen Kurs rund 200 Millionen Dollar). Und in der Herbstauktion 2015 erzielte allein das Gemälde «Meule» von Claude Monet 76 Millionen Euro – ein neuer Rekord für den Impressionisten. Experten sind sich einig: Weniger künstliche Preise können dem Kunstmarkt nicht schaden.