Uhrenfirma Chrono

«Label Swiss Made ist für uns überlebenswichtig»

Die kleine Solothurner Chrono AG fischt mit jährlich 200000 produzierten Zeitmessern im Teich der Grossen. Ein Kunststück gelang der Firma mit der Eigenmarke «Cover».

Franz Schaible
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Sie sind im Chrono-Uhrenatelier zu Hause: Markus (l.) und Stephan Ingold. Hansjörg Sahli

Sie sind im Chrono-Uhrenatelier zu Hause: Markus (l.) und Stephan Ingold. Hansjörg Sahli

Hansjoerg Sahli

Die dominante, 1915 erbaute Liegenschaft an der Weissensteinstrasse 49 in Solothurn verpflichtet: Zwischen 1930 und 2002 wurden darin Generationen von Uhrmachern ausgebildet, bis die Uhrmacherschule nach Grenchen umzog.

2004 ist die Solothurner Uhrenfirma Chrono AG eingezogen. «Das war der entscheidende Schritt für die Weiterentwicklung der von unserem Vater gegründeten Familienunternehmung», erinnert sich Markus Ingold, der zusammen mit seinem Bruder Stephan das Unternehmen in zweiter Generation leitet.

KMU-Serie

In einer mehrteiligen Serie
beleuchtet die «Nordwestschweiz» die Sorgen und Nöte der Schweizer KMU. Die kleineren und mittleren Unternehmen beschäftigen rund zwei Drittel der Menschen in der Schweiz. Die grosse Frage ist, wie sie mit der Frankenstärke umgehen. Im fünften Teil der Serie geht es um die Firma Chrono AG in Solothurn. Die 1981 gegründete Firma fertigt jährlich 200 000 Uhren im Mittelpreissegment und beschäftigt knapp 50 Angestellte. Den Umsatz gibt das Familienunternehmen nicht bekannt.

Private Label ...

«Wir sind heute in zwei Bereichen tätig, dem angestammten Geschäft mit Privat-Label-Uhren und zwei Eigenmarken», erklärt Stephan Ingold. Das Standbein Private Label steuert rund ein Drittel an den Gesamtumsatz bei. Chrono gestaltet und produziert hier Uhren als Werbeträger für Firmen und Markenprodukte. Die Gestaltung der Zifferblätter erfolgt in Zusammenarbeit mit den Kunden, in der Regel namhafte in- und ausländische Firmen. «Wir haben auch Uhren zum Geburtstag des thailändischen Königs oder für den Vatikan produziert», sagen die beiden Unternehmer nicht ohne Stolz.

Entweder werden Firmennamen, Logos, Initialen oder andere Signete aufgedruckt. So mutiert die namenlose Uhr zur Privatmarkenuhr und dient als Firmengeschenk. «Die technische Entwicklung, das Design, das Bedrucken der Zifferblätter, die Montage der Uhrwerke und Komponenten, die Endkontrolle und der Versand erfolgen im Hause», sagt Markus Ingold. Es werden ausschliesslich Schweizer Uhrwerke von ETA, Ronda oder Sellita eingebaut. Jährlich setzt das Unternehmen rund 70000 Private-Label-Uhren ab.

... und zwei Eigenmarken

Ein Kunststück gelang der vergleichsweise kleinen Uhrenfirma mit der Eigenmarke «Cover». Obwohl der Markt im mittleren Preissegment gesättigt ist und deshalb ein Verdrängungskampf herrscht, wurde 1999 die Eigenmarke lanciert. «Im ersten Jahr haben wir 5000 Stück verkauft. Heute sind es ein Vielfaches davon», blickt Markus Ingold zurück. Die zu 90 Prozent mit Quarz- und zu 10 Prozent mit mechanischen Uhrwerken ausgerüsteten Zeitmesser werden zu drei Viertel im Ausland abgesetzt.

Die Marke sei in über 40 Ländern präsent. Stärkster Einzelmarkt ist und bleibt die Schweiz. Zudem hat Chrono mit «Cover» auch den Weg in die Warenhausgruppe Manor geschafft. «Das ist vergleichbar mit einem Lebensmittelproduzenten, der es in die Regale von Coop oder Migros schafft.» Dasselbe gilt auch für die zweite Eigenmarke, die 1994 lancierte «Swiss Military by Chrono». Insgesamt verkauft Chrono jährlich rund 130 000 Uhren der beiden Eigenmarken.

Äusserlich ziemlich verschieden – Stephan, der 48-jährige Grafiker, in schickem Sakko und Markus, der 52-jährige Kaufmann, in seriösem dunklem Anzug mit Hemd und Krawatte – harmonieren die beiden Brüder offensichtlich gut im gemeinsamen Führen der Familienfirma. «Wir ergänzen uns, die Zusammenarbeit läuft sehr gut, ja hervorragend», sagen beide. Ausdruck dafür sei, dass keiner die Mehrheit an der Firma besitze, sondern je hälftig. Stefan Ingold ist die hauseigene Designabteilung. Er entwirft nicht nur sämtliche Uhrendesigns (Gehäuse, Form, Grösse, Materialien, Uhrenbänder usw.), sondern managt auch die Werbekampagnen. Markus ist als Geschäftsführer für alle übrigen Belange zuständig.

In die «Lehre» waren beide beim Vater Theo Ingold gegangen, der die Firma 1981 gegründet hatte. Der dieses Jahr verstorbene Firmengründer war bis vor wenigen Jahren Verwaltungsratspräsident. Als früherer Marketing-Direktor bei Tissot kannte er die Branche in- und auswendig – und war weitsichtig. «Er hatte schon vor Jahren gewarnt, dass das Swissness-Gesetz mit schärferen Regeln die gefährlichste politische Vorlage für die Uhrenfirma ist», berichtet Markus Ingold. Laut neuem Gesetz müssen ab 2017 mit einer Übergangsfrist bis 2019 60 Prozent der Herstellkosten in der Schweiz anfallen. Bislang gilt, dass 50 Prozent des Uhrwerkes aus Schweizer Produktion stammen müssen und die Uhr in der Schweiz zusammengebaut und kontrolliert werden muss.

Mehr Schweizer Komponenten

Und dieses 2013 verabschiedete Gesetz bereitet der Chrono AG in der Tat Bauchschmerzen. «Wir sind nur mässig glücklich damit», sagt Markus Ingold. Das werde letztlich die Verkaufspreise nach oben treiben, was im von Chrono abgedeckten Mittelpreissegment Auswirkungen auf die Verkäufe haben werde. Die Solothurner haben aber frühzeitig reagiert. «Wir haben vor mehreren Jahren begonnen, alle unsere Produkte durchzukalkulieren.»

Einige Uhrenlinien würden auch die schärferen Vorschriften erfüllen, andere nicht. Dort komme man nicht darum herum, mehr Komponenten in der Schweiz einzukaufen. «Wir führen bereits Gespräche mit Schweizer Lieferanten, etwa für Zeiger, Kronen oder Gläser», präzisiert Stephan Ingold. Man nehme diese Herausforderung an und stecke den Kopf nicht in den Sand. «Das Label Swiss Made ist für uns überlebenswichtig.»

Zusätzlich sorgte im Januar die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze zum Euro für Stirnrunzeln. Dabei entpuppe sich generell der starke Franken gegenüber allen Währungen als Problem. In den ersten Monaten nach dem Entscheid der Nationalbank resultierten Einbussen bei Umsatz und Marge. Wenige Arbeitsplätze mussten abgebaut werden, um die Kosten im Griff halten zu können. Heute beschäftigt die Chrono AG knapp 50 Angestellte, die sich 40 Vollzeitstellen teilen. «Inzwischen hat sich die Auftragslage wieder verbessert und wir sind gut ausgelastet», erklärt Stephan Ingold.

Es sei dank Margen-Verhandlungen mit Distributoren und Retailern, verstärkten Marketinganstrengungen und dem Erschliessen neuer Kundengruppen gelungen, die negativen Auswirkungen teilweise zu kompensieren. Man werde auch 2015 eine ausgeglichene Rechnung erzielen. Für 2016 gehen die Ingolds nur von einem leicht tieferen Umsatz aus, der generelle Rückgang der Uhrenverkäufe in wichtigen Weltmärkten werde sich abschwächen, glauben sie.

Auslagerung ist kein Thema

Eine Auslagerung der Montage in günstigere ausländische Standorte komme nicht infrage. Im Gegenteil: Chrono plant, den Anteil der inhouse montierten Uhren von aktuell 30 auf 50 Prozent zu erhöhen. Heute lässt Chrono rund 70 Prozent der Uhren in externen Ateliers in der Region Solothurn zusammenbauen.

Die Co-Leiter sind überzeugt, sich trotz schwierigen Rahmenbedingungen als kleiner unabhängiger Uhrenhersteller behaupten zu können. «Wir machen möglichst viel im Hause», lautet ein Rezept dazu. Dies erlaube es, rasch auf Marktveränderungen reagieren zu können. Zwingend sei auch, jährlich mit einer neuen Kollektion auf dem Markt aufzutreten. Schliesslich soll die Tradition des Uhrmachens im Gebäude der ehemaligen Uhrmacherschule weiterleben.