Lebensmittelskandal
Labors nehmen weitere Schweizer Fleischprodukte unter die Lupe

Von den Schweizer Grossverteilern hat bis jetzt nur Coop eine Fertig-Lasagne aus dem Sortiment genommen. Die Konkurrenz gibt sich selbstsicher. Die Kantonschemiker haben derweil weitere Stichproben gemacht.

Daniel Fuchs
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«100 % Rindfleisch» steht im Werbebanner. Es bewirbt eine Tiefkühl-Lasagne. Die Werbung erscheint oberhalb eines Artikels von «Newsnet», in dem es um gefundene Medikamentenrückstände in Pferdefleisch geht. Migros verschleudert derweil ihre Fertiglasagne «Verdi» und «Bolognese» im Doppelpack zum halben Preis. Zwar läuft die Aktion bereits seit Anfang Februar, doch haben die Grossverteiler nun Mühe, ihre Lasagne mit Rindfleisch abzusetzen?

4 Fragen, die sich vor dem Kühelregal stellen

1 Muss ich mich im aktuellen Fleischskandal um meine Gesundheit sorgen?

Nein. In den betroffenen Fertig-Lasagnen wurde zwar Pferdefleisch gefunden, das aber von einwandfreier Qualität war. Hingegen haben britische Kontrolleure gestern Rückstände des Medikaments Phenylbutazon in Pferdekadavern gefunden. Der schmerzlindernde Wirkstoff kommt bei der Behandlung von Pferden häufig zur Anwendung, darf aber nicht in die Nahrungskette gelangen. Er ist also bei jenen Tieren verboten, die geschlachtet werden sollen.

2 Wie kann ich sichergehen, dass in Fertiggerichten, worauf Rindfleisch steht, auch Rindfleisch drinsteckt?

Gar nicht, denn wer betrügen will, macht dies auch, wie der aktuelle Fall zeigt. Bei Fertigprodukten wie Tiefkühl-Lasagne ist die Produktionskette von der Tierhaltung bis in den Laden besonders lang und deshalb anfällig. Lebensmittel kann man nicht flächendeckend kontrollieren, sondern nur stichprobenartig.

3 Wer kontrolliert die Lebensmittel und wer vollzieht die einzelnen Produktionsschritte nach?

Es gibt zwei Stufen: Zum einen schreibt der Gesetzgeber den Herstellern vor, dass sie die Qualität ihrer Produkte mit eigenen Kontrollen garantieren. Zum anderen gibt es amtliche Kontrollen. Zuständig dafür sind die kantonalen Laboratorien.

4 Reichen die gesetzlichen Grundlagen aus?

Wo nicht drinsteckt, was die Verpackung verspricht, ist was faul. Auch beim Pferdefleischskandal hat sich ein Glied in der Produktionskette strafbar gemacht. In der Frühlingssession steht die Revision des Lebensmittelgesetzes an. Bundesrat und vorberatende Kommission wollen die Deklarationspflicht des Herkunftslandes bei Fertigprodukten aufweichen. Konsumentenschützer kritisieren das. (dfu)

Zu Zahlen wollen weder Migros noch Coop, Denner, Aldi oder Lidl etwas sagen. Bei Denner heisst es: «Bisher stellen wir keine Auffälligkeiten im Absatz fest.» Direkte Folgen hat der Pferdefleisch-Skandal bisher erst für Coop. Von den angefragten Verteilern lässt sich einzig Coop mit Fertiglasagne vom französischen Hersteller Comigel beliefern. Und just wurden in der betreffenden Lasagne «Bolognese Verdi» Anteile von Pferdefleisch festgestellt. Wer die Lasagne im Kühlschrank hat, kann sie in Coop-Filialen zurückgeben.

Keine 100-prozentige Garantie

Die angefragten Grossverteiler rühmen allesamt ihre Qualitätskontrollen. Keine fixfertige Lasagne importiert Migros. Wie Sprecherin Monika Weibel sagt, bezieht Migros auch kein Hackfleisch, sondern ganze Fleischstücke, die beim eigenen Fleischverarbeitungsbetrieb auf ihre Qualität hin untersucht würden. Mit Ausnahme der «Budget»-Lasagne stamme das verwendete Rindfleisch aus der Schweiz. Eine Verwechslung zwischen Rind- und Pferdefleisch sei deshalb «fast nicht möglich».

Anders bei Coop: Neben der von Comigel hergestellten Lasagne verkauft Coop eine zweite Lasagne, die nicht Rindfleisch aus der Schweiz enthält. Die restlichen Findus-Produkte werden von Nestlé mit Schweizer Rindfleisch hergestellt. «Coop betreibt ein systematisches Qualitäts-Management und arbeitet eng mit den Behörden zusammen.» Ausser der Comigel-Lasagne sei kein Coop-Produkt vom Betrug betroffen, schreibt Coop.

Weder Aldi oder Lidl noch Denner hatten betroffene Ware in ihren Verkaufsregalen. Aldi schreibt, es sei «von der Lieferkette ausgeschlossen, dass Pferdefleisch verwendet wurde». Denner rühmt sich, vor der Lancierung eines Produkts die Vertrauenswürdigkeit eines Lieferanten genau unter die Lupe zu nehmen.

Die Grossverteiler wissen, dass sie vor krummen Geschäften ihrer Lieferanten nicht 100-prozentig geschützt sind. Coop lobt zwar das «interne und externe engmaschige Kontrollnetz», räumt aber ein, vor «kriminellen Machenschaften» nicht gefeit zu sein. Nur Migros gibt sich selbstsicher: «Wo bei Migros Rind draufsteht, ist auch Rind drin», sagt Weibel.

Nun wird sich zeigen, ob noch weitere Fertigprodukte als jene Lasagne von Coop vom Fleischskandal betroffen sind. Die Kantonschemiker haben bei den Grossverteilern Stichproben gemacht. Am Freitag wollen sie darüber informieren.