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LANDIS + GYR: «Das hat uns nervös gemacht»

Die Zuger Traditionsfirma stellt auch ihre Stromzähler künftig in Griechenland her. CEO Andreas Umbach erklärt, wieso.
Interview Ernst Meier
Andreas Umbach während des Interviews. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Andreas Umbach während des Interviews. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Landis + Gyr verlagert 30 Stellen aus der Produktion von Zug nach Griechenland. Da fragt man sich derzeit: Ausgerechnet nach Griechenland?

Andreas Umbach: Wir sind seit den 70er-Jahren in Griechenland tätig, genauer gesagt in Korinth, zirka eine Autostunde von der Hauptstadt Athen entfernt. Nachdem in den 90er-Jahren die Produktion von elektromechanischen Zählern in Zug zu teuer wurde, haben wir viele Stellen nach Korinth verlagert. Seit dem Jahr 2000 produzieren wir auch elektronische Zähler in Griechenland. Derzeit sind wir daran, die restliche Produktion von Zug dorthin zu verlagern. Das betrifft die Herstellung von hochwertigen Geräten, Industriezählern und Kommunikationseinheiten.

Wieso lohnt es sich für L + G, in Griechenland zu bleiben?

Umbach: Vor zirka drei Jahren haben die griechische Regierung und das Parlament per Gesetz alle Saläre um 23 Prozent gesenkt. Das war eine Vorgabe, um die Konkurrenzfähigkeit Griechenlands zu verbessern. Wir haben die Massnahme bei allen Löhnen in unserer Belegschaft – vom einfachen Angestellten bis zum Geschäftsführer – umgesetzt. Das hat unsere Wettbewerbsfähigkeit am Standort Korinth über Nacht deutlich verbessert. Zudem haben wir ausgezeichnete Mitarbeiter in Griechenland, was deren Ausbildung und Engagement angeht.

Wie haben die Mitarbeiter auf die Lohnreduktion reagiert?

Umbach: Das war für alle Angestellten natürlich sehr hart. Rückblickend betrachtet sehen aber alle ein, dass der Schritt notwendig war. Aus diesem Grund können wir in Korinth aktuell auch neue Stellen schaffen.

Werden Sie in Zug künftig noch Strom­zähler produzieren?

Umbach: Ja, wir behalten in der Stadt Zug noch eine kleine Manufaktur mit zirka zehn Angestellten. Es wird so etwas wie eine Laborfertigung sein für massgeschneiderte Lösungen. Gleichzeitig ist es eine Ergänzung für die Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Diese Lösung haben wir im Rahmen der Restrukturierungsgespräche mit Mitarbeitern und der Arbeitnehmervertretung ausgearbeitet.

In den letzten Wochen ging es in Griechenland ziemlich heiss zu und her. Ein möglicher Grexit wurde zum ernst zu nehmenden Thema.

Umbach: Das hat uns nervös gemacht. Grundsätzlich könnten wir uns auch ein Szenario mit Griechenland ausserhalb der Eurozone vorstellen. Nach unserer Überzeugung bliebe der Standort attraktiv. Der Weg dorthin wäre aber klar risikoreicher.

Wären Sie darauf vorbereitet?

Umbach: Wir haben in den vergangenen Wochen eine Task-Force eingesetzt, die verschiedene mögliche Szenarien vorbereitet hat. Unter anderem auch die Möglichkeit, im schlimmsten Fall alle Löhne den Mitarbeitern bar auf die Hand zu zahlen. Den Höhepunkt der Krise betrachte ich nun aber als überwunden.

Was für Jobs bietet Landis + Gyr in Griechenland an?

Umbach: Der Grossteil unserer 500 Stellen in Korinth betrifft einfache Tätigkeiten in der Produktion. Unsere Mitarbeiter – durchs Band Einheimische – bringen gute bis ausgezeichnete Qualifikationen mit. 60 Angestellte in der Produktion weisen einen akademischen Abschluss auf, erledigen aber einfache Montagearbeiten. Offene Stellen müssen wir nicht ausschreiben. Wir werden regelrecht überflutet mit Bewerbungen von exzellent qualifizierten Arbeitskräften. Vielen können wir keine Anstellung bieten. Es tut weh, solche Dinge zu sehen.

Was hat sich bei Ihnen seit dem Ende des Mindestkurses im Januar geändert?

Umbach: Unser Kampf gegen den starken Franken hat nicht erst im Januar begonnen, sondern bereits 2007. Damals stand der Euro nämlich bei 1.70 Franken. Seither ging es kräftig nach unten. Natürlich kam im Frühling ein weiterer Negativschub, der den Druck auf unsere Kostenstruktur nochmals deutlich verstärkt hat. Als direkte Folge verlagern wir einfache Tätigkeiten wie geschildert nach Griechenland.

Dann ist die Stellenverlagerung eine direkte Folge des Mindestkurs-Endes?

Umbach: Wir standen schon immer latent unter Druck. Eine Produktionsverlagerung, die vielleicht in den nächsten zwei bis drei Jahren angestanden hätte, wurde nun vorgezogen. Wir stehen auch heute massiv unter Druck in Zug.

Was bedeutet das?

Umbach: Wir sind gezwungen, in Zug immer mehr High-End-Aufgaben auszuführen. Ein Manager in der Schweiz ist trotz Wechselkurs nicht teurer als an anderen Standorten. Je einfacher ein Job in unserem Unternehmen aber ist, desto grösser wird der Kostennachteil. Das bewirkt hierzulande einen gewaltigen Druck auf einfache Tätigkeiten und den Trend nach oben, das heisst zum Aufbau von Spezialisten und Management-Funktionen.

Haben Sie weitere Massnahmen beschlossen aufgrund der Frankenstärke?

Umbach: Wir haben kurzfristig für einen Zeitraum von sechs Monaten die Arbeitszeit auf 43 Stunden erhöht. Das Kader verzichtet auf 41/2 zusätzliche Ferientage, die jeweils als Überzeitkompensation bezogen wurden. Im Schnitt haben wir über alle Führungskräfte hinweg deren jährliches Zieleinkommen um 5 Prozent gekürzt.

Wie beurteilen Sie den Wirtschaftsstandort Zug aktuell?

Umbach: Zug ist weiterhin hochattraktiv, was die Fähigkeit und die Ausbildung der Bevölkerung angeht, und zwar in jeder Disziplin – Ausbildung, Sprache, Kultur usw. Wie bereits erwähnt, entsteht aber ein Druck nach oben. Es ist immer noch leicht, teure Saläre zu rechtfertigen. Je weiter man aber die Tätigkeitsliste abwärtsgeht, desto schwieriger wird es. Wir wandeln uns strukturell in Richtung High End. Das ist nicht nur für Landis + Gyr eine Herausforderung.

Investieren Sie aktuell überhaupt noch in Zug?

Umbach: Obwohl wir unter Druck stehen, investieren wir und stellen in der Schweiz nach wie vor Leute ein. Es geht dabei ausschliesslich um hoch spezialisierte Jobs und Führungskräfte. In der Summe investieren wir als Gruppe kräftig. So haben wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen von 7 Prozent des Umsatzes auf 10 Prozent hochgefahren – entgegen dem Markttrend.

Siemens baut auf dem Areal hier in Zug, wo auch Sie eingemietet sind, für 250 Millionen Franken einen neuen Campus. Was heisst das für L + G?

Umbach: Wir haben einen langfristigen Mietvertrag. Es wird sich für uns darum in den nächsten Jahren nichts ändern, auch wenn um uns herum viel gebaut wird.

Sie gehören mehrheitlich zum japanischen Toshiba-Konzern. Müssen Sie beim Mutterhaus für den Erhalt des Standorts Zug kämpfen?

Umbach: Nein, überhaupt nicht. Es gibt keinen Grund, an den aktuellen Strukturen zu zweifeln. Ich bin im Schnitt alle sechs bis sieben Wochen in Japan. Die kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Ländern sind sehr gross. Innerhalb der europäischen Länder tun wir Schweizer uns mit unserer konsensorientierten Art aber am leichtesten mit den Japanern.

Toshiba war jüngst wegen eines Bilanzskandals in den Medien. Dieser hatte sogar zur Folge, dass der Konzernchef den Hut nehmen musste. Was heisst das für L + G?

Umbach: Wir sind nicht direkt von diesem Skandal betroffen, weil wir ja ein komplett selbstständiges Unternehmen sind. Toshi­ba hält eine 60-Prozent-Beteiligung an Landis + Gyr. Wir haben unsere eigenen Governance-Strukturen, und ich darf ganz klar betonen, dass wir keinerlei Probleme mit unserer Finanzberichterstattung haben. Vieles, was bei Toshiba passiert ist, haben wir auch nur aus den Medien erfahren. In Japan war es natürlich ein grosses Thema. Sorgen machen mir die 200 000 Toshiba-Mitarbeiter, die sich tagtäglich für das Unternehmen engagieren und jetzt stark verunsichert sind. Ich hoffe, dass der Tiefpunkt erreicht ist und sich Toshiba wieder neu ausrichten kann.

Wie laufen die Geschäfte von ­Landis + Gyr derzeit?

Umbach: Regional sehr unterschiedlich. In Nord- und Südamerika sind die Umsätze gut bis sehr gut. Wir profitieren davon, dass im Energiesektor generell fleissig investiert wird – und zwar in Bereichen neuer Technologien mit intelligenten Stromnetzen. In Europa liegen wir hinter unseren Plänen. Hier investieren wir zwar seit vielen Jahren massiv, weil wir mit einem Boom für intelligente Stromzähler rechnen. Der Durchbruch verzögert sich weiter. Noch immer wird in Europa viel über neue Energien diskutiert, aber es geschieht zu wenig. In Asien ist die Situation von Land zu Land unterschiedlich, in der Summe aber okay. Wir profitieren derzeit sehr stark von unserer geografischen Diversifikation. Wir rechnen damit, dass wir heuer auf Vorjahresniveau abschliessen, das heisst mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden US-Dollar.

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