Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LANDWIRTSCHAFT: Bauern wollen Labelsalat beenden

Der Milchbranche fällt es schwer, sich auf einheitliche Labels für ökologische und tierfreundliche Produkte zu einigen. Streit gibt es auch darüber, wer die Mehrkosten tragen soll.
Kühe auf der Weide: Was ist eine nachhaltige Produktion wert? Und wer bezahlt dafür? (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Gretschins, 24. April 2017))

Kühe auf der Weide: Was ist eine nachhaltige Produktion wert? Und wer bezahlt dafür? (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Gretschins, 24. April 2017))

Raphael Bühlmann

Heumilch, Biomilch, Wiesenmilch, Demeter- oder Heidimilch: In den Regalen des Detailhandels türmen sich verschiedenste Varianten Milch. Bunte Verpackungen mit weidenden Kühen ringen um die Aufmerksamkeit der Kunden. Dies ist Ausdruck davon, dass der Wettbewerb härter geworden ist. Denn der Milchkonsum ist seit Jahren rückläufig, und wachsende Käseimporte belasten den Markt zusätzlich. Milch und Milchprodukte sind demnach heute von anderen abzuheben, zu positionieren. Nur: Wessen Milch mit welchen Argumenten gegenüber welchen Produkten abgegrenzt wird, das scheint alles andere als klar.

Auf der einen Seite unterstreichen die einschlägigen Verbände die Wichtigkeit eines koordinierten Vorgehens. «Es braucht in der Schweiz einen gemeinsamen Standard, was das Thema nachhaltige Milch betrifft», sagt Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM). Auch der Verband der Schweizer Milchproduzenten (SMP) hat die einheitliche Differenzierung gegenüber Importen ganz oben auf die Agenda gesetzt. So soll Werbekuh Lovely künftig weniger auf ihre starken Knochen als vielmehr auf die Vorzüge ihrer Schweizer Herkunft aufmerksam machen. «Wir engagieren uns stark für die Erarbeitung eines gemeinsamen Standards, welcher wie ein grüner Teppich die Basis der Schweizer Milchproduktion sein soll», so die SMP.

Streit zwischen Emmi und Bauern um Lieferstandards

Bei den Verarbeitern und dem Handel scheint man vor allem bemüht, den Teppich vor der eigenen Tür noch etwas grüner erscheinen zu lassen als derjenige des Nachbarbetriebes. Bio Suisse, der Verein Heumilch oder IP-Suisse bedienen mit unterschiedlichen Konzepten schon länger spezifische Zielgruppen. Auch die zwei grössten Schweizer Verarbeiter Emmi und die Migros-Tochter Elsa legten – zum Erstaunen der SMP – ihre ganz eigenen Nachhaltigkeitskonzepte fest. «Bis Herbst 2017 sind wir davon ausgegangen, dass die Diskussion zu den Mehrwerten von Schweizer Milch primär in der Branchenorganisation geführt wird», schreibt der SMP und ergänzt, dass man bei den Verhandlungen zwischen Emmi und ihren Milchlieferanten ebenfalls nicht dabei gewesen sei.

Diese Verhandlungen mündeten schliesslich in eine Auseinandersetzung zwischen den Bauern, den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) und Emmi. Die Milchproduzenten forderten einen Mehrpreis für die strengeren Richtlinien, Emmi sah den Mehrwert in der klaren Positionierung der Milch abgegolten. Bis heute hat man sich nicht geeinigt. Vorgesehen waren neue Lieferbedingungen ab dem Jahr 2020.

Inzwischen ist Konkurrentin Elsa aus der Branchenorganisation Milch ausgetreten und hat ihrerseits ein Konzept für «nachhaltige Schweizer Milch» lanciert. Bereits ab nächstem Jahr sollen Elsa-Lieferanten ähnliche Bedingungen erfüllen, wie sie Emmi vorgeschlagen hatte. Und auch wenn die SMP das Bestreben der Migros, Schweizer Milch und Milchprodukte gegenüber dem Import besser zu positionieren, grundsätzlich positiv bewerten, finden sie es dennoch nicht zielführend, wenn jeder Milchverarbeiter und jeder Detailhändler eigene Grundanforderungen definiert.

Steuerzahler soll die Mehrkosten schultern

Bemerkenswert scheint darüber hinaus, dass weder Migros noch Emmi zum heutigen Zeitpunkt bereit sind, den Bauern den entsprechenden Mehrpreis für ihre Nachhaltigkeitsprogramme zu benennen. Vor dem Hintergrund ist festzuhalten, dass beide Programme Anforderungen enthalten, für die höhere Direktzahlungen gefordert werden. Ende Januar eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung über das Agrarpaket 2018. Die SMP fordern darin unter anderem höhere Beiträge für Auslauf, Weidehaltung sowie für die Fütterung von einheimischem Gras. Genau dieselben Anforderungen stellen Migros oder Emmi an ihre Milchproduzenten. Falls sie auf die höheren Beiträge spekulieren und diese tatsächlich beschlossen werden, könnten sich die Verarbeiter auf Kosten der Steuerzahler eine nachhaltigere Produktion auf die Fahne schreiben, ohne dafür den Bauern einen Mehrpreis bezahlen zu müssen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.