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LANDWIRTSCHAFT: Was die Wertschöpfung beeinflusst

In Genf ist die landwirtschaftliche Wertschöpfung 36-mal höher als in Uri. Der Anteil am kantonalen BIP ist mit 0,25 Prozent aber genau gleich klein. Ein Wert, den es zu hinterfragen gilt.
Raphael Bühlmann
Legehennen zählen zu den wirtschaftlichsten Betriebszweigen der tierischen Produktion. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Niederweningen, 5 Juni 2013))

Legehennen zählen zu den wirtschaftlichsten Betriebszweigen der tierischen Produktion. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Niederweningen, 5 Juni 2013))

Raphael Bühlmann

Man kann die Schweizer Landwirtschaft über ein und dieselbe Leiste schlagen. Zum Beispiel sie an der Bruttowertschöpfung messen. So erfährt man, dass der ganze Primärsektor (dazu zählen Land- und Forstwirtschaft) nur 0,7 Prozent zur Gesamtwertschöpfung in diesem Land beiträgt. Eine tiefe Zahl, die den unterschiedlichsten Produktionsbedingungen aber kaum Rechnung trägt.

Betreffend reine Wirtschaftsleistung, also ohne Berücksichtigung von Subventionen, gibt es nämlich regional immense Unterschiede. Dies zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) mit der Erhebung zur landwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung nach Kantonen. Zwar sind auch hier nebst dem Zollschutz noch Gütersubventionen (Anbauprämien und Zulage für silofrei produzierte Milch) im Umfang von rund 80 bis 90 Millionen Franken enthalten, Direktzahlungen und weitere Transferleitungen sind jedoch nicht inbegriffen.

In Uri wird man nicht reich

So zeigt sich, dass beispielsweise im Kanton Genf ein Durchschnittsbetrieb pro Jahr fast 290 000 Franken erwirtschaftet. Im Kanton Uri sind es 8000 Franken – 36-mal weniger. «In Uri hat es vor allem Berglandwirtschaft und Futterbau, hiermit wird man nicht reich. Einen gewissen Ausgleich bringen die höheren Direktzahlungen im Berggebiet. Aber es bleibt dabei, dass die Einkommen im Berg­gebiet mit den übrigen Gebieten nicht mithalten können», erklärt der Schweizer Bauernverband auf Anfrage. In Genf hingegen könnten wertschöpfungsstarke Betriebszweige wie Spezialkulturen – vor allem Gemüse, Wein und Obst – angebaut und durch die Nähe zur Stadt teilweise auch direkt verkauft werden. Dabei anzumerken bleibt, dass trotz dieses krassen Unterschieds sowohl in Genf als auch in Uri die Landwirtschaft gleichermassen lediglich 0,25 Prozent zum Kantons-Bruttoinlandprodukt beiträgt. Die umsatzstarken Finanzdienstleister am Lac Leman ­stellen die relativ erfolgreichen Bauern schlicht in den Schatten. Ähnliches ist in den Kantonen Zug oder Zürich feststellbar.

Das Beispiel ist exemplarisch für den Wertschöpfungsgraben zwischen Berg- und Talbetrieben. So ist der Anteil der Landwirtschaft am BIP der Kantone Waadt, Freiburg oder Luzern teils deutlich höher als im Schweizer Durchschnitt. Im Thurgau beträgt dieser fast 2,5 Prozent. Darüber hinaus weist der Thurgauer Bauer und SVP-Nationalrat Markus Hausammann auf die vor- und nachgelagerten Betriebe der Ernährungswirtschaft im Kanton hin. «Nebst dem Primärsektor generieren diverse Betriebe wie die Zuckerfabrik in Frauenfeld oder die Migros-Tochter Bina in Bischofszell zusätzliche Stellen», ergänzt er.

Und so erstaunt es weniger, dass Landwirtschaftspolitiker Hausammann Subventionen gegenüber eher kritisch eingestellt ist. «Die Abhängigkeit der produzierenden Landwirtschaft würde bei zusätzlichen Direktzahlungen zu gross», sagt er. Eine Aussage, die auch auf die Diversität der Schweizer Landwirtschaft hindeutet.

Die niedrige Bruttowertschöpfung der Schweizer Landwirtschaft wäre also vor diesem Hintergrund zu beurteilen. So wie in einzelnen Kantonen sagt diese eher etwas über die Prosperität der übrigen Wirtschaft oder die topografischen Gegebenheiten aus als über das wirtschaft­liche Geschick der einzelnen Landwirte.

Wertschöpfung 2015 pro Betrieb (Bild: Quelle: BFS / Grafik: Janina Noser)

Wertschöpfung 2015 pro Betrieb (Bild: Quelle: BFS / Grafik: Janina Noser)

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