LEHRE: Lehrverbünde helfen bei Ausbildung

Nicht alle Unternehmen können Lernenden eine vollumfängliche Ausbildung bieten. Hier helfen Lehr- verbünde. Der Kanton Zug ist in diesem Bereich Vorbild.

Nelly Keune
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Ausbildnerin Erika Lechleitner (rechts) führt die Auszubildenden von Johnson & Johnson in Zug in die neuen Produkte des Pharmakonzerns ein. (Bild Werner Schelbert)

Ausbildnerin Erika Lechleitner (rechts) führt die Auszubildenden von Johnson & Johnson in Zug in die neuen Produkte des Pharmakonzerns ein. (Bild Werner Schelbert)

Fleissig, motiviert, mit guten Schulnoten und natürlich schnell im Auffassen und Umsetzen – solche Lehrlinge wünschen sich die Firmen. Doch, es wird immer schwieriger, solche Jugendlichen auch zu finden. Denn in allen Zentralschweizer Kantonen gibt es mehr offene Lehrstellen als Schulabgänger. Das dürfte sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Die geburtenschwachen Jahrgänge werden mit der Schule fertig, und die Maturandenquote steigt. Deshalb suchen die Firmen und auch die Kantone nach Wegen, wie sie trotzdem geeigneten Nachwuchs für die Wirtschaft finden können.

Unterstützung bei Hausaufgaben

Eine Lösung können die sogenannten Lehrverbünde sein. Kann ein Unternehmen nicht die benötigte Ausbildungsbreite anbieten, oder möchte es den Aufwand für die Lehrlingsausbildung in Grenzen halten, bieten Ausbildungsverbünde eine gute Lösung. Sie nehmen den Firmen die Auswahl und Betreuung der Lernenden ab und auch die Administration. Der Kanton Zug ist in diesem Gebiet Vorbild. Fünf Lehrverbünde werden dort von der öffentlichen Hand gefördert. Gerade auch, wenn es um Jugendliche geht, die schulisch gefördert werden müssen. Denn die Lehrverbünde bieten auch Unterstützung bei den Hausaufgaben und individuelles Coaching an.

Niedrige Abbrecherquote

Darüber hinaus stehen sie Unternehmern bei Fragen und Problemen zur Verfügung. Sie können Jugendliche so unterstützen, dass diese auch eine sehr anspruchsvolle Aufgabe meistern. Das zeigt auch die niedrige Abbrecherquote im Lehrverbund Bildxzug. Der Lehrverbund bildet zurzeit 108 Lernende aus – von ihnen sind 18 Jugendliche in der Ausbildung als Informatiker, 17 zum Mediamatiker und 73 zum Kaufmann/zur Kauffrau. «Die Ausbildung im Lehrverbund bietet Jugendlichen, aber auch Firmen wesentliche Vorteile», sagt Beat Gauderon, Geschäftsleiter von Bildxzug. Da die Jugendlichen während der Lehrzeit in zwei bis drei verschiedenen Partnerunternehmen arbeiten, seien sie flexibel und selbstständig. So kann sich Gauderon auch über die Anzahl der Bewerbungen nicht beschweren. 300 bis 350 Bewerbungen erhält er durchschnittlich im Jahr. Zehn bis zwanzig Prozent der Bewerber würden aber meist gar nicht in Frage kommen. «Sie überschätzen sich klar», sagt Gauderon.

Sowohl für die kaufmännische Ausbildung, als auch für die des Mediama-tikers und des Informatikers gibt es mehr Bewerber als Lehrstellen bei Bildxzug. «Allein bei den Informatikern haben wir etwas Sorgen. Die Zahl der Bewerbungen ist zwar nicht zurückgegangen, aber die Qualität», sagt Gauderon. Der Grund für die reiche Auswahl an Bewerbern dürften auch die guten Partnerfirmen sein. So sind neben vielen Zuger Traditionsbetrieben auch immer mehr internationale Firmen im Lehrverbund dabei.

Diese Zahl ist noch gestiegen, seitdem Bildxzug auch eine Lehre mit Fremdsprachenschwerpunkt anbietet, das KV Business English plus. Zurzeit absolvieren 21 Lernende diese Ausbildung, die besonders bei internationalen Firmen mit Unternehmenssprache Englisch sehr gefragt ist.

Die Jugendlichen haben zusätzlichen Englischunterricht bei Bildxzug (plus 2 Lektionen pro Woche) und bereiten sich auf internationale Sprachdiplome vor. Dabei haben sie zusätzlich die Gelegenheit, während der Ausbildungszeit zwei Sprachaufenthalte in England zu absolvieren. «Je länger wir das KV Business English plus anbieten, umso grösser wird das Interesse bei den Unternehmen. Da haben wir wohl den Zeitgeist voll erwischt», sagt Beat Gauderon. Auch bei den Jugendlichen ist das Interesse gross. Auf die jährlich sechs bis acht Ausbildungsplätze kommen etwa 30 Bewerber und Bewerberinnen und das, obwohl sich bisher nur Zuger bewerben konnten. Das wird sich nun ändern, und der Ansturm dürfte grösser werden.

Pharmakonzern beteiligt sich

Auch der Pharmakonzern Johnson & Johnson, der grade sein neues Bürogebäude am Bahnhof Zug bezogen hat, macht mit bei dem neuen Angebot. «Die Lehre auf Englisch ist für uns genau das Richtige», sagt Erika Lechleitner-Bau-mann von Johnson & Johnson, die die Lehrlinge betreut. Johnson & Johnson bietet den Lehrlingen zusätzlich sogar noch intern eine Stunde Englischunterricht pro Woche an.

Für sie liegen die Vorteile eines Lehrverbundes auf der Hand. «Sie haben jahrelange Erfahrung in der Ausbildung von Jugendlichen, und wir können uns jederzeit von ihnen beraten lassen», erklärt Lechleitner-Baumann. Auch seien die Lehrverbünde immer auf dem neusten Stand, wenn es um die Anforderungen an die Lehre oder neue gesetzliche Bestimmungen gehe. Gerade hier ist es für ausländische Firmen oft nicht ganz einfach, Schritt zu halten, wenn sie alleine ausbilden. «Für die meisten Schweizer ist das Konzept der Berufsausbildung klar. Bei einigen von unseren Abteilungen muss ich erst erklären, um welche Ausbildung es sich handelt», fügt sie an. Auch sei das Unternehmen sehr dynamisch. «Es gibt viele Personalrotationen innerhalb von Abteilungen. Durch die Lehre im Verbund können wir den Jugendlichen trotzdem Kontinuität bieten», betont die Ausbildnerin bei Johnson & Johnson.

Anforderungen steigen immer mehr

Ein Ansprechpartner, wenn es Probleme in der Schule, bei der Arbeit oder daheim gibt, das werde immer wichtiger, sagt Beat Gauderon. Die Anforderungen an die Lernenden seien in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die meisten Unternehmen arbeiteten heute international, und die Berufswelt verändere sich immer schneller, so Gauderon. «Wir haben pro 30 Lernende zwar durchschnittlich nur einen Abbrecher, aber der ist meist gesundheitlicher Art», sagt Gauderon. Psychische Belastungen und instabile Lebenssituationen seien bei den Jugendlichen leider immer häufiger ein Thema.

«Die Jugendlichen können mit diesen Problemen zu uns kommen, und meist finden wir eine Lösung. So gelingt es uns oft, die Lernenden zum Weitermachen zu bringen», sagt Gauderon. Ein wichtiger Faktor für die Lehrfirmen. Denn ein Abbruch im zweiten Lehrjahr ist ein herber Verlust für die Unternehmen. Denn, da beginnt sich der Lehrling langsam zu rentieren. Das bestätigt auch Erika Lechleitner-Baumann von Johnson & Johnson: «Vor allem in den ersten Wochen und Monaten ist die Ausbildung viel Aufwand. Trotzdem ist der Arbeitsanteil der Lernenden ein kleines und wichtiges Stück eines grossen Kuchens.» Trotzdem lohne sich die Ausbildung. «Junge Leute brauchen Perspektiven und eine Chance für einen Eintritt in die Berufswelt», sagt sie.

Hier gibt es Hilfe

TIPPS ny. Kann ein Unternehmen nicht die benötigte Ausbildungsbreite anbieten oder möchte den Aufwand für die Lehrlingsausbildung in Grenzen halten, bieten Ausbildungsverbünde eine gute Lösung. Gerade auch, wenn es um Jugendliche geht, die schulisch gefördert werden müssen. Denn die Lehrverbünde bieten neben der Hilfe bei der Administration auch Unterstützung bei den Hausaufgaben und individuelles Coaching an. Darüber hinaus stehen sie Unternehmern bei Fragen und Problemen zur Verfügung.

Lehrverbünde im Kanton Zug:
bildxzug: Kaufleute, Informatiker, Mediamatiker; www.bildxzug.ch
Bildungsnetz Zug: Berufsbildung für praktisch begabte Jugendliche; www.bildungsnetzzug.ch
• Verbund Hauswirtschaft: Hauswirtschafter
• Vinto: Berufsbildung und Leistungssport; www.vinto.ch
• Verbund für technische Berufe (Beruf Zug): www.berufzug.ch
Informationen zu allen Lehrverbünden in der Schweiz finden Sie unter www.vlsl.ch