LEHRSTELLEN: Genug Lehrstellen, zu wenige Lehrlinge

Schulabgänger treffen in unserer Region auf einen günstigen Arbeitsmarkt. In den Zentralschweizer Kantonen sind mehr Stellen offen als eigentlich gesucht.

Roman Schenkel
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Absolviert die Lehre zum Polymechaniker: der 18-jährige Jan Heller gestern in der Lehrwerkstatt bei Schindler in Ebikon. (Bild: Manuela Jans)

Absolviert die Lehre zum Polymechaniker: der 18-jährige Jan Heller gestern in der Lehrwerkstatt bei Schindler in Ebikon. (Bild: Manuela Jans)

Wer für den nächsten Sommer noch keine Lehrstelle hat, für den beginnt nun die entscheidende Zeit. Stellen suchen, bewerben, sich vorstellen – für die Schüler des neunten Schuljahres steht der stressige Sprung in die Arbeitswelt an. Laut der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern wird rund ein Drittel aller Lehrstellen in den kommenden Monaten vergeben. «Von den rund 4500 Lehrverträgen, die im Kanton Luzern pro Jahr abgeschlossen werden, werden 1500 Verträge zwischen April und August unterzeichnet», sagt Gaby Egli, Abteilungsleiterin Betriebliche Bildung der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung. Noch sei es etwas zu früh für eine detaillierte Beurteilung der Lehrstellensituation im Kanton. «Die Selektionsverfahren sind zurzeit in vollem Gang», erklärt Egli.

Zieht man die Zahlen der offenen Lehrstellen und diejenigen der Lehrstellensuchenden heran, so zeigt sich für die Schulabgänger jedenfalls ein günstiges Bild: In sämtlichen Kantonen der Zentralschweiz gibt es mehr offene Lehrstellen als Schulabgänger. Das heisst nicht, dass jeder Schüler seine Traumstelle finden wird, es bedeutet aber, dass derjenige, der aktiv sucht und mobil ist, zumindest gute Chancen hat, seine Wunschstelle zu finden.

Stabile Situation im Kanton Luzern

Insgesamt zeige sich der Lehrstellenmarkt im Kanton Luzern recht stabil – Auffälligkeiten zeigten sich kaum, sagt Egli. «Generell kann man jedoch sagen, dass ein Wandel stattfindet von einem Lehrstellenmangel hin zu einem Lernendenmangel», sagt Egli. Die Betriebe und Verbände müssten immer grössere Anstrengungen unternehmen, um ihre Lehrstellen zu besetzen (siehe Interview unten).

1222 freie Lehrstellen sind zurzeit auf der Internetplattform www.berufsberatung.ch für den bevölkerungsreichsten Kanton der Zentralschweiz ausgeschrieben. Da dies nur diejenigen Stellen sind, welche die Unternehmen selber melden, dürfte die Zahl der effektiv freien Stellen um einiges höher liegen. Denn: Auch wenn viele Unternehmen noch auf der Suche nach Nachwuchs sind, gibt es nach wie vor Firmen, die genügend Bewerbungen erhalten und die Stellen deshalb nicht ausschreiben.

Schwierig für schwächere Schüler

Die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons rechnet für 2013 mit einer ähnlichen Zahl neu abgeschlossener Lehrverträge wie im letzten Jahr. Im letzten Jahr waren es insgesamt 4613 abgeschlossene Lehrverträge. «Schwierig ist es nach wie vor für leistungsschwächere oder eher praktisch begabte Lernende, eine Lehrstelle zu finden», sagt Egli. Daher appelliere man an die Betriebe, nach Möglichkeit zusätzliche Lehrstellen für die zweijährige berufliche Grundbildung zu schaffen, so Egli.

Attraktive Stellen im Kanton Uri

Auch auf dem Lehrstellenmarkt im Kanton Uri ist die Lage sehr gut: «Wir haben noch 70 offene Lehrstellen – das ist etwas mehr als 2012», sagt Josef Renner, Leiter der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung des Kantons Uri. Überraschend seien auch noch Stellen in sonst eigentlich begehrten Branchen zu haben. «Es gibt noch freie Stellen in der Informatik, in Zeichnungsberufen und sogar im Detailhandel», sagt Renner. Gerade im Detailhandel ist normalerweise das Stellenangebot schnell ausgeschöpft. Den Hauptgrund dafür sieht Renner vor allem in den sinkenden Schülerzahlen. «Im Kanton Uri sind die Schülerzahlen um rund 10 Prozent zurückgegangen», erklärt Renner.

Von den insgesamt 436 Schülerinnen und Schülern des 9. Schuljahrs und der Brückenangebote haben im Kanton Uri 80 Prozent bereits jetzt eine Lösung gefunden, sagt Renner. «Von den restlichen 20 Prozent haben 5 Prozent bereits eine feste Zwischenlösung, 15 Prozent oder 70 Personen sind für den Sommer 2013 nach wie vor auf der Suche. «Das zeigt, dass sich der Lehrstellenmarkt im Kanton sicher nicht verschlechtert hat», sagt Renner.

Er betont aber auch, dass «die Stellenanzahl leider nicht alles ist». Es komme schlussendlich auf die Interessen der Jugendlichen und die Anforderungen der Berufe an. Dennoch: «Wer etwas flexibel und offen für mehrere mögliche Lösungen ist, der findet in der Regel eine Lehrstelle», so Renner.

Viele Lehrverträge unterzeichnet

Von den Schwyzer Unternehmen sind zurzeit noch 395 Lehrstellen als offen gemeldet. Allerdings werden erfahrungsgemäss maximal 60 Prozent der offenen Lehrstellen durch die Firmen gemeldet, sagt Benno Kälin vom kantonalen Amt für Berufsbildung. Der Rest verzichtet auf die kantonale Publikation. Dennoch: «Die Lehrstellensituation im Kanton Schwyz sieht für junge Leute ausgezeichnet aus», sagt er. Bereits seien 654 Lehrstellen genehmigt worden. «Das ist etwas mehr als die Hälfte.» Pro Jahr werden im Kanton Schwyz rund 1200 Lehrstellen vergeben.

Wie gut Nachfrage und Angebot kompatibel sind, wird eine Umfrage unter den Oberstufenschülern zeigen, die das Amt für Berufs- und Studienberatung im April durchführen wird. «Gutqualifizierte dürften wenig Mühe haben, eine Stelle zu finden», kann Amtsleiterin Edith Schönbächler bereits jetzt sagen. Für Schüler mit schlechten Noten oder Verhaltensdefiziten hingegen werde es schwierig, eine Lehrstelle zu finden.

Im Kanton Nidwalden hat die kürzlich durchgeführte Zwischenumfrage bei den Oberstufen-Lehrpersonen und den Brückenangeboten gezeigt, dass in der 3. Oberstufe 42 Jugendliche noch keine Lehrstelle gefunden haben. In der Werkschule haben 9 Jugendliche keinen Lehrvertrag unterzeichnet. Insgesamt sind derzeit noch 143 offene Lehrstellen gemeldet. Im Kanton Obwalden suchen zurzeit noch 55 Jugendliche eine Lösung für den Sommer 2013. Gleichzeitig sind noch 100 Lehrstellen zu vergeben.

1000 Schulabgänger im Kanton Zug

Auch im Kanton Zug sind noch zahlreiche Lehrstellen zu haben. Laut Amt für Berufsberatung des Kantons Zug sind insgesamt 320 Lehrstellen noch unbesetzt. Im Sommer werden im Kanton Zug rund 1000 Jugendliche aus den Schulen austreten. Gemäss einer Befragung des Amts für Berufsberatung vom Januar 2013 haben 58 Prozent davon eine feste Zusage für einen Ausbildungsplatz.

Im Vergleich zu den Vorjahren liegt dieser Wert etwas höher. Die Unterschiede sind aber je nach Schulstufe beträchtlich. So hatten Ende Januar 68 Prozent der Sekundarschüler bereits definitive Zusagen für eine Lehrstelle. Bei den Realschülern beträgt dieser Wert lediglich 49 Prozent.

Laut Urs Brütsch, Leiter des Amts für Berufsberatung, waren im Januar 413 Schülerinnen und Schüler noch ohne Lösung. «Davon haben wiederum 202 Personen für den Sommer 2013 eine Lösung in Sicht», sagt Brütsch. Noch ohne Lösung waren im Januar 211 Schülerinnen und Schüler.