Studie

Leiser Optimismus im Detailhandel – ungebremstes Wachstum im Online-Geschäft

Laut einer neuen Studie der Credit Suisse wird die Detailhandelsbranche in diesem Jahr stagnieren, der Online-Handel dagegen wächst stark.

Andreas Möckli
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Einkäufe im Internet werden immer beliebter, was sich an den stark steigenden Umsätzen zeigt.Thinkstock

Einkäufe im Internet werden immer beliebter, was sich an den stark steigenden Umsätzen zeigt.Thinkstock

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Das Jahr 2016 hielt für den Detailhandel kaum positive Nachrichten bereit. Für das neue Jahr sieht es nur leicht besser aus. So rechnet die Credit Suisse (CS) mit stagnierenden Umsätzen für den Detailhandel im 2017. Die Grossbank hat gestern zusammen mit dem Beratungsbüro Fuhrer & Hotz ihre jährlich publizierte Studie «Retail Outlook» vorgestellt.

Das Nullwachstum ist für die CS bereits ein kleiner Lichtblick, da der Absatz der Branche im letzten und vorletzten Jahr sank. Die Ökonomen der CS sprechen deshalb von einer Stabilisierung nach zwei negativen Jahren. In den vergangenen zwölf Monaten standen vor allem die Bereiche Kleider und Schuhe sowie Hygieneartikel deutlich unter Druck (siehe nachfolgende Grafik).

Grund für die bescheidenen Aussichten in diesem Jahr sei der weiterhin verhaltene Privatkonsum, sagt Studienautor Sascha Jucker. Dieser wachse lediglich mit rund einem Prozent, da sich die Zunahme der Schweizer Bevölkerung wegen der tieferen Nettozuwanderung leicht abschwächen werde. Zudem dürfte die Konsumentenstimmung gedämpft bleiben, da die Lage auf dem Arbeitsmarkt angespannt bleibe.

Optimistischer sind dagegen die Detailhändler. 61 Prozent der von Fuhrer & Hotz befragten Unternehmen budgetieren mit höheren Umsätzen. Trotzdem rechnen nur 44 Prozent mit einem höheren Gewinn. Diese Diskrepanz erklären sich die Studienautoren damit, dass die zahlreichen Spar- und Effizienzsteigerungsmassnahmen bereits gegriffen hätten, was eine weitere Optimierung auf der Kostenseite erschwere.

Online-Handel: Auch Coop legt zu

Der Detailhändler Coop konnte im vergangenen Jahr mit seinem Online-Shop zulegen. Der Umsatz von Coop@home ist um 7,2 Prozent auf 129 Millionen gewachsen. Eine Coop-Sprecherin bestätigte am Mittwoch Informationen der «Blick-Gruppe». Eingerechnet sind Umsätze des Weinhändlers Mondovino. Am Tag zuvor gab Rivalin Migros die Umsätze von LeShop bekannt. Der Online-Supermarkt der Migros ist um 3,5 Prozent auf 182,1 Millionen Franken gewachsen. Beide Detailhändler profitieren vom Trend des Online-Shoppings. Gemäss LeShop werden bis im Jahr 2020 die sogenannten Digital Natives in der Schweiz sogar den grösseren Teil der Bevölkerung ausmachen. Mit Digital Natives ist jene Generation gemeint, die mit der digitalen Welt aufgewachsen ist. (SDA)

Diese Zahlen relativieren sich jedoch, wenn man auf das zurückliegende Jahr blickt. Hier lagen 54 Prozent der befragten Unternehmen unter ihren budgetierten Umsatzzielen. Einzig beim Online-Handel zeigt sich ein positives Bild. Hier haben 88 Prozent ihre Ziele erreicht oder übertroffen, nur 12 Prozent haben sie verfehlt.

Wachstum hat sich beschleunigt

Auch die CS bescheinigt dem Online-Handel ein ungebremstes Wachstum in den kommenden Jahren. Bis ins Jahr 2022 dürfte sich der Umsatzanteil, der über das Internet abgewickelt wird, von rund 5 auf über 10 Prozent verdoppeln. Zwischen 2008 und 2015 stiegen die Verkäufe im Schnitt jährlich um 6,4 Prozent. In den letzten Jahren hat sich das Wachstum gar noch beschleunigt, nicht zuletzt dank Zalando. Der deutsche Online-Modehändler ist seit 2011 in der Schweiz tätig.

Als wichtigster Wachstumstreiber macht die Credit Suisse vor allem zwei Altersgruppen aus. Zum einen kommen die «Digital Natives», also jene Generation, die den Umgang mit Smartphone und Internet seit ihrer Kindheit gewohnt ist, zunehmend ins kaufkräftige Alter. Zum anderen dürfte die Bereitschaft der Generation 50+, vermehrt online einzukaufen, deutlich zunehmen. Oder um es auf Neudeutsch zu sagen: Die «Silver Agers» mutieren zu «Silver Surfers».

Das Umsatzpotenzial des Online-Kanals ist aber auch deshalb gross, weil dessen Anteil von rund 5 Prozent am gesamten Detailhandelsumsatz im Vergleich mit dem Ausland hierzulande noch gering ist. In Grossbritannien etwa werden bereits 14,5 Prozent aller Einkäufe über das Internet abgewickelt, in Dänemark sind es 11,3 Prozent, in Deutschland immerhin 8 Prozent.

Herr und Frau Schweizer kaufen auch weiterhin fleissig im Ausland ein. Nach einem kräftigen Schub 2015 hat sich der Einkaufstourismus im vergangenen Jahr auf hohen 10 Milliarden Franken eingependelt, schätzt die CS. Ein deutlicher Rückgang ist auch im kommenden Jahr nicht zu erwarten. Bereits bei der ersten Frankenaufwertung 2011 verharrten die Auslandseinkäufe in den Jahren danach auf hohem Niveau.

Stellenabbau in Basel

Aufgrund des Einkaufstourismus wäre eigentlich zu erwarten, dass die Detailhändler in den Grenzgebieten mehr Stellen abgebaut haben als in der gesamten Schweiz. Dies ist aber weitgehend nicht der Fall, wie von der CS ausgewertet Zahlen zwischen 2011 und 2013 zeigen. Neuere Daten sind noch nicht verfügbar.

Eine Ausnahme sind die Grenzen zu Deutschland und Frankreich, wo sich ein deutlicher Rückgang der Beschäftigung zeigt, insbesondere in der Region Basel. Dort nahm die Zahl der Vollzeitstellen um 6,6 Prozent ab. Ein Grund sieht die CS darin, dass in Deutschland und Frankreich viele grössere Supermärkte in unmittelbarer Grenznähe liegen als dies in Österreich und Italien der Fall ist.

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