LESEN: Comeback des gedruckten Buches

Die Buchhändler jubeln: Die Konsumenten haben in der Deutschschweiz 2013 erstmals seit Jahren wieder mehr Bücher gekauft.

Max Fischer
Drucken
Teilen
Ein Kunde lässt sich in der Buchhandlung Calligramme in Zürich beraten. Trotz der wachsenden Bedeutung von eBooks konnte der Bücherverkauf 2013 zulegen. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Ein Kunde lässt sich in der Buchhandlung Calligramme in Zürich beraten. Trotz der wachsenden Bedeutung von eBooks konnte der Bücherverkauf 2013 zulegen. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Nach fünf Jahren in Folge mit zum Teil stark sinkenden Umsätzen kam es 2013 zu einer Wende: Gegenüber dem Vorjahr legten die Umsätze mit gedruckten Büchern um 1,7 Prozent zu. Zwar ist der durchschnittliche Preis für ein Buch von 20 auf 21.15 Franken gestiegen. Dennoch geht Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes, davon aus, «dass tatsächlich auch mehr Bücher verkauft worden sind». Erhoben haben die Zahlen im Auftrag des Verbandes die Marktforscher von Media Control/GfK. Total deckten sich die Konsumenten in der Deutschschweiz mit über 20 Millionen Werken ein.

E-Book-Verkäufe verdoppelten sich

Besser als der Branchenschnitt ist die Migros-Tochter Ex Libris (88 Filialen und grösster Online-Shop der Schweiz) im Geschäft mit Büchern unterwegs. Gemäss Marie-Christine Schindler verzeichnen physische Bücher ein Umsatzplus von über 10 Prozent und «der Umsatz mit E-Books hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt», sagt die Unternehmenssprecherin. Auch bei der seit dem 1. Oktober 2013 aktiven Orell Füssli Thalia AG (Zusammenschluss von Orell Füssli Buchhandlung und Thalia) haben die Umsätze im Bereich digitales Lesen im gleichen Umfang zugenommen. Das sind tolle Perspektiven. Nur: Überprüfen lassen sich diese Aussagen nicht. Denn um genaue Stückzahlen bei digitalen und bei gedruckten Büchern machen die beiden Grossen im Schweizer Büchermarkt ein Riesengeheimnis.

Schweiz mit Nachholbedarf

Während E-Books in den USA einen Marktanteil von 25 Prozent haben, steckt das Geschäft mit elektronischen Büchern bei uns immer noch in den Kinderschuhen. Trotzdem wollen die kleinen und mittleren unabhängigen Schweizer Buchhandlungen den Grossen den E-Book-Markt nicht tatenlos überlassen – und vor allem dabei sein, wenn die Post abgeht: Mit eBookit.ch verfügen sie seit Ende des vergangenen Jahres auch über eine Datenbank mit 650 000 Titeln sowie einen eigenen Reader für 160 Franken. Fakt ist: Es gibt tatsächlich einige starke Argumente für das elektronische Buch.

E-Books bietet Vorteile

Für Martin von Matt von der gleichnamigen Buchhandlung in Stans ist die E-Book-Lösung eine sinnvolle Ergänzung zum gedruckten Buch: «Für Pendler und Touristen ist das E-Book ideal», so der Buchhändler. In der Schweiz gibt es rund 1800 öffentliche Hotspots, beispielsweise an SBB-Bahnhöfen. «In drei Minuten kann ich mir das gewünschte Buch auf meinen Reader laden – und dann im Zug bequem lesen», schwärmt von Matt. Und noch ein Pluspunkt: «Auf kleinstem Raum führt man eine massgeschneidert bestückte Bibliothek mit sich», betont er.