Detailhandel
LeShop eröffnet in Studen die erste Drive-in-Station

An der Drive-in-Station in Studen sollen sich in Zukunft 400 Autos pro Tag beladen lassen und LeShop einen Umsatz von rund 13 Millionen Franken pro Jahr einbringen. Lebensmittel online bestellen und an der Autobahn abholen – Experten sind skeptisch.

Thomas Schlittler
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Der erste Drive-In von LeShop liegt direkt an der A6 zwischen Bern und Biel
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LeShop eröffnet erste Drive-in-Station
An diesen Schaltern müssen sich die Kunden mittels Bestellnummer ausweisen und bezahlen_Quelle_LeShop
In Zukunft sollen hier 400 Autos pro Tag beladen werden und so einen Umsatz von 13 Millionen Franken pro Jahr generieren

Der erste Drive-In von LeShop liegt direkt an der A6 zwischen Bern und Biel

Zur Verfügung gestellt

Während der Arbeit im Onlineshop frisches Brot und ein Feierabend-Bier bestellen, zwei Stunden später auf dem Heimweg die Ausfahrt nehmen und sich die Bestellung ins Auto laden lassen – schon ist der Einkauf abgeschlossen. Diesen Abholservice bietet seit heute die Migros-Tochter LeShop im bernischen Studen an.

Eine Drive-in-Station für Lebensmittel ist in der Schweiz grundsätzlich nichts Neues. Coop betreibt am Zürcher Sihlquai seit bald einem Jahr ebenfalls eine Abholstation – allerdings mit geringem Erfolg. Lediglich 10 bis 12 Stammkunden nutzen das Angebot bis heute. Dieser Umstand vermag den Optimismus von LeShop-Geschäftsführer Christian Wanner nicht zu trüben: «Wir sind überzeugt, dass unser Angebot einem Bedürfnis entspricht.»

Die Konzepte von LeShop und Coop unterscheiden sich vor allem betreffend Standortwahl. Während Coop seine Station mitten in Zürich eröffnet hat, befindet sich der Drive-in von LeShop an der Autostrasse A6 zwischen Bern und Biel. LeShop richte sich somit bewusst an Pendler, die lange arbeiten müssen und keine Zeit verlieren wollen für den Einkauf, so Wanner. «Das Produkt, das wir anbieten, ist Zeit», ergänzt Marketingleiter Dominique Locher.

Laut Martin Frey, Detailhandelsexperte bei PricewaterhouseCoopers, könnte die angepasste Standortwahl dem Geschäftsmodell einen Schub geben: «Es ist gut möglich, dass ein Drive-in an zentraler Lage weniger gut funktioniert, als an Ausfahrtsstrassen.» Insgesamt warnt Frey aber vor zu viel Euphorie: «Konsumenten sind Gewohnheitstiere – ein neues Geschäftsmodell zu etablieren, braucht in der Regel sehr viel Zeit und Geduld.»

Frankreich als Vorbild

In der Schweiz kommt gemäss Frey erschwerend hinzu, dass das bestehende Angebot bereits sehr gross ist: «Es gibt fast nirgends auf der Welt eine solche Dichte an Supermärkten und Tankstellenshops wie hierzulande.» Aufgrund dieser Begebenheiten sind Vergleiche mit dem Ausland schwierig. In Frankreich betreiben Detailhändler wie Casino, Auchan oder E. Leclerc zusammen über 1500 solcher Abholmärkte und erreichen damit einen Umsatzanteil von 2,5 Prozent am gesamten Detailhandel. Von solchen Zahlen träumen auch die Verantwortlichen von LeShop. Sie sind sich aber bewusst, dass die hohe Ladendichte in der Schweiz den Erfolg erschwert. «Wir setzen aber auf das Argument der Zeitersparnis», so Geschäftsführer Wanner.

An der Drive-in-Station in Studen sollen sich in Zukunft 400 Autos pro Tag beladen lassen und LeShop einen Umsatz von rund 13 Millionen Franken pro Jahr einbringen. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen im letzten Jahr mit den Heimlieferungen 150 Millionen Franken umsetzte.

Die zweite Drive-in-Station von LeShop ist im aargauischen Staufen geplant. Dort fehlt allerdings noch die Baubewilligung.